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# Eine kleine Geschichte der (N)Aktfotografie

> Am Liebsten fotografieren wir Menschen, besonders wenn sie nackt sind, auch wenn das nicht immer legal war...

- Published: 2022-08-30
- Web page: https://fotomenschen.net/posts/eine-kleine-geschichte-der-naktfotografie.html

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====> <a href="https://fotomenschen.net/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Am Liebsten fotografieren wir Menschen, besonders wenn sie nackt sind, auch wenn das nicht immer legal war&#8230; </p>

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<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.all-about-photo.com/photo-articles/photo-article/1033/a-brief-history-of-nude-photography-1939-1969" target="_blank">Brief history of nude photography (1939-1969)</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://newsv2.orf.at/stories/2011320/2011288/" target="_blank">Körperverständnis im Wandel der Zeit</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aktfotografie" target="_blank">Aktfotografie (Wikipedia)</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://edition.cnn.com/style/article/nude-exhibition-fotografiska/index.html" target="_blank">The human body is often seen through a male lens. 30 female photographers present a different view (CNN)</a></li>

<li>History of the Pin-Up</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.harpersbazaar.com/culture/features/g7160/history-of-nudity/" target="_blank">The History of Nudity (Harpers Bazaar)</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2014/jun/26/history-of-nude-photography-in-pictures" target="_blank">Laid bare: a history of the nude in photography - in pictures (The Guardian</a><a href="https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2014/jun/26/history-of-nude-photography-in-pictures" target="_blank" rel="noreferrer noopener">)</a></li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.zvab.com/9788887090864/Geschichte-Aktfotografie-8887090866/plp" target="_blank">Buch: Die Geschichte der Aktfotografie (Uzzani, Giovanna)</a></li>

<li><a href="https://www.zvab.com/buecher/suchen?cm_sp=snippet-_-srp1-_-title7">Buch: The Naked and the Nude: History of Nude Photography. (Lewinski, Jorge)</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.taschen.com/de/books/sex/05423/1000-nudes-eine-geschichte-der-erotischen-fotografie-1839-1939/" target="_blank">Buch: 1000 Nudes. Eine Geschichte der erotischen Fotografie 1839-1939</a></li>
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</ul>

<p>Titelbild: Frank Eugene &#8211; http://www.photoeye.com/gallery/emailnewsletter/eugene.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4321827</p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wenn man sich mit der Geschichte der Fotografie beschäftigt, ist eins sehr sehr auffällig.<br>Wir Menschen stellen uns am allerliebsten selbst dar. Und von allen Möglichkeiten<br>menschliche Körper darzustellen, scheint uns der Akt ganz besonders zu gefallen.<br>Und es ist natürlich ein Trend, den die Fotografie nicht erfunden hat.<br>Schon in der Malerei gab es reichlich Aktdarstellungen.<br>Aber die Fotografie hobt es natürlich noch mal auf ein ganz neues Level.<br>Foto Menschen<br>Schon über die Malerei konnten sich sensible Geister natürlich hervorragend aufregen.<br>Aber die Fotografie hatte ja eine Eigenschaft, nämlich dass sie festhielt,<br>was wirklich vor der Kamera stattgefunden hatte. Und das bedeutete, für ein Foto eines<br>nackten Menschen hatte sich tatsächlich ein Mensch ausziehen müssen.<br>Bei dem ersten fotografischen Verfahren, der 1839 vorgestellten &#8222;Da Gherotepie&#8220;,<br>dauerte es manchmal noch mehrere Minuten, um ein Bild perfekt zu belichten.<br>Da musste man schon wirklich stillhalten. Trotzdem kennen wir schon aus dem Jahr 1840<br>ein Foto, auf dem jemand teilweise nackt zu sehen ist.<br>Es handelt sich um die berühmte Protestnote, die der Fotopionier Hippolyte Bayard an die<br>Französische Akademie der Wissenschaften geschickt hatte.<br>Die hatte nämlich beim Vorstellen des weltersten fotografischen Verfahrens<br>seinem Konkurrenten Louis Da Gher den Vortritt gelassen.<br>Und der hatte nicht nur eine Rente und Ruhm abgeräumt,<br>sondern dem Ganzen auch noch seinen Namen aufgedrückt.<br>Auch Bayard hatte ein fotografisches Verfahren entwickelt und damit sogar Ausstellungen<br>bestritten. Und so beschloss er, sich selbst als Ertrunkenen zu fotografieren<br>und auf der Rückseite seinem Protest in Worte zu fassen.<br>Was aus heutiger Sicht einigermaßen bizarr und melodramatisch klingt,<br>war für die Zeitgenossen damals vermutlich etwas weniger over the top.<br>Vor allen Dingen wussten die mit der Bildsprache etwas anzufangen.<br>Bayard hatte sich halb entkleidet und auf eine Bahre gelegt.<br>Um sich rum einige charakteristische Gegenstände.<br>Damit am Ende er nach wie es ausgesehen hätte, hätte man ihn aus der Seine gefischt<br>und als Unbekannten im Leichenschauhaus ausgestellt.<br>Dieses Bild markiert also das erste gestellte Foto,<br>aber für den Zweck der heutigen Episode auch den ersten Halbakt.<br>Und noch dazu ein männlicher Halbakt.<br>Und damit ist diese Aufnahme etwas sehr besonderes,<br>denn durchs gesamte 19. Jahrhundert hinweg sind nicht nur männliche Akte sehr selten,<br>sondern insbesondere auch Aktaufnahmen,<br>in denen man sowohl den Fotografen als auch das Modell auf dem Bild kennt.<br>Die ältesten Aktaufnahmen, die wir überhaupt noch haben,<br>sind acht Jahre jünger als diese Aufnahme von Ippolit Bayard.<br>Und, und das ist auffällig für die gesamte Geschichte der Aktfotografie,<br>sie sind fast ausschließlich weibliche Aktaufnahmen.<br>Aber natürlich gibt es gute Gründe, warum diese Aufnahmen in der Frühzeit der Fotografie sehr, sehr selten sind.<br>Die lange Belichtungszeit ist sicherlich ein Grund.<br>Ein anderer ist, dass das Verfahren, die Dagerotepie, Einzelstücke produziert.<br>Teure Einzelstücke.<br>Wenn man für eine einzelne Aufnahme in etwa den Gegenwert von einem Wochenlohn hinlegen muss<br>und dabei dann auch noch in Gefahr gerät, gegen das Gesetz zu verstoßen,<br>überlegt man sich das vermutlich mehrmals.<br>Und so waren frühe Aktaufnahmen auf Dagerotepien nur etwas für sehr wohlhabende Menschen<br>und entsprechend selten.<br>Zu Mitte des 19. Jahrhunderts tauchen dann die ersten, auch professionelleren Fotostudios auf,<br>die Aktstudien und Aktfotografie betreiben.<br>Das liegt unter anderem daran, weil ein neues Verfahren aufgekommen ist.<br>Das Collodion-Nassplattenverfahren.<br>Statt wie bei der Dagerotepie Einzelstücke zu produzieren, kann man jetzt ein Negativ haben,<br>von dem sich beliebig viele Positive fertigen lassen.<br>Wir sind im viktorianischen Zeitalter.<br>Und deswegen ist die Rechtslage in Sachen Aktfotografie in England, aber auch in Frankreich, schwierig.<br>Aber man hat ein Schlupfloch gefunden, einen legitimen Zweck, um Akte zu fotografieren.<br>Und dieses Schlupfloch hat viel mit der bis dato führenden visuellen Kunst der Malerei zu tun.<br>Als die Dagerotepie aufkam, hatten viele ja noch das Ende der Malerei angekündigt.<br>Andere hatten aber sofort das Potenzial erkannt.<br>Wollte man vor der Entwicklung der Fotografie Menschen malen, dann war man auf Modelle angewiesen.<br>Menschen, die bezahlt werden wollten dafür, dass sie stundenlang, ohne sich zu bewegen,<br>für den Maler posierten.<br>Das war teuer.<br>Wie viel einfacher war es dagegen, sich eine Fotografie anfertigen zu lassen<br>und die als Vorlage für ein Gemälde zu nutzen.<br>Und so entstand sehr schnell eine lukrative Einkommensquelle für Fotostudios.<br>Vorlagen für Maler fotografieren.<br>Im Kontext unserer Nacktfotografien waren das sogenannte Akademien, also Studien.<br>Die fotografierten Modelle waren nach wie vor entweder Prostituierte oder zumindest Menschen,<br>die auf das Geld wirklich angewiesen waren.<br>Und man fotografierte sie in mehr oder weniger klassischen Posen.<br>Gerne auch aus verschiedenen Perspektiven, aus verschiedenen Distanzen.<br>Und so entstehen ganze Bildreihen, die zu dem Zweck vermarktet wurden,<br>den Malern als Vorlage zu dienen.<br>Es gab eigene Magazine in Frankreich und in Großbritannien, die man abonnieren konnte,<br>in denen nichts anderes als Akte in verschiedensten Situationen abgedruckt wurden.<br>Um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, gab es mehrere Regeln, die einzuhalten waren.<br>So durften natürlich keine Genitalien zu sehen sein.<br>Und ganz besonders schamhaar galt es zu vermeiden oder zu retuschieren.<br>Während einerseits all diese Regeln existierten und Menschen sehr wohl zu hohen Strafen,<br>manchmal auch Gefängnis verurteilt werden konnten, wenn sie dagegen verstießen,<br>war das gleichzeitig die Zeit, in der große Ausstellungen gemacht wurden,<br>mit zum Teil Tausenden von Aktfotos.<br>Edward Muybridge machte zu der Zeit seine Bewegungsstudien.<br>Und Gustav Reiländer erstaunte die Welt mit einem Werk namens &#8222;Two Ways of Life&#8220;,<br>in dem nicht weniger als sieben Akte zu sehen waren.<br>Und er verkaufte dieses Bild ausgerechnet an Queen Victoria.<br>Es ist auch eine Zeit, in der beispielsweise Nacktbaden in Großbritannien oder Frankreich<br>völlig normal und legitim war.<br>Kurz, es war eine Zeit der Widersprüche.<br>In der Öffentlichkeit hingegen war man eindeutiger Meinung.<br>Nacktfotografie war Schmuddelkram.<br>Und damit sind wir ja bei einer Frage, die man sich durchaus stellen kann,<br>wenn man sich damit beschäftigt.<br>Zu welchen Zwecken wird denn Aktfotografie eigentlich gemacht?<br>Die Akademies haben wir ja schon erwähnt, Vorlagen, die also für Maler erzeugt wurden.<br>Die gingen natürlich je nach Pose und je nach Detailgrad fließend in reine erotische Fotografie über.<br>Fotos, bei denen die Erotik im Vordergrund stand, die Schamhaare oder gar sexuelle Akte zeigten,<br>waren zum Teil mit sehr hohen Strafen belegt, was einfach nur hieß,<br>dass man die unter der Ladentheke verkaufen musste.<br>Und dieser Verkauf unter der Ladentheke nahm zum Teil gewaltige Ausmaße an.<br>So gibt es einen gerichtskundigen Fall, in dem 1874 ein Mann festgenommen wurde,<br>nachdem man in seinem Haus über 130.000 obszöne Fotos gefunden hatte.<br>Er hatte ein regelrechtes Familienunternehmen gegründet.<br>Seine Frau, seine erwachsenen Söhne, deren Familien waren alle damit beschäftigt,<br>erotische Fotografie zu produzieren.<br>Und die gab es nicht nur als einzelne Aufnahmen, sondern auch als Stereoskope,<br>also als 3D-Aufnahmen, für die es eigene Betrachtungsgeräte gab.<br>Wir haben also die Akademien, wir haben die erotische Fotografie<br>und dann gab es auch schon sehr früh den dritten großen Bereich,<br>nämlich Fotografie aus ästhetischen oder künstlerischen Gründen.<br>Den könnte man noch unterteilen.<br>Mal eben die Fotografie, in der der menschliche Körper als ästhetische Form abgebildet wird<br>und dann die Fotografie, in der die Nacktheit als Metapher oder als Inhalt<br>selbst zur Bildaussage beiträgt.<br>Reiländer beispielsweise konnte man nicht vorwerfen,<br>dass er die Fotos aus pornografischen Gründen gemacht hatte.<br>Er wollte ein klassisches Gemälde nachempfinden.<br>Andere bekannte Fotografen aus der Zeit, Lewis Carroll zum Beispiel,<br>hatten sich auf die damals im viktorianischen Zeitalter sehr beliebten Kindergemälde spezialisiert<br>und er fotografierte regelmäßig Akte von kleinen Mädchen und kleinen Jungs.<br>Er ist bis heute in dem Verdacht, eventuell auch pädophile Neigungen gehabt zu haben.<br>Allerdings muss man festhalten, dass Lewis Carroll immer mit Wissen der Eltern,<br>oft auch in ihrer Gegenwart fotografierte.<br>Und rechtlich gesehen war das, was er da tat, auch erlaubt.<br>Im England des 19. Jahrhunderts galten Mädchen ab dem 13. Lebensjahr als konsensfähig.<br>Erst 1885 hob man das Alter auf 16 an.<br>Trotzdem darf man annehmen, dass auch Lewis Carroll sich seiner Sache nicht ganz sicher war<br>und durchaus schuldig fühlte, so viele Nacktfotos von Kindern produziert zu haben.<br>Denn in seinem Testament verfügte er, dass seine Negative zerstört werden sollten.<br>Irgendwann war aber auch diese Mode, Kinder nackt zu fotografieren, wieder vorbei.<br>Die schienen sowieso in erster Linie ein angelsächsisches Phänomen gewesen zu sein.<br>Brich außerhalb Englands gibt es kaum Beispiele für <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen,<br>die ein ähnlich großes Werk an Akten von Mädchen und Jungs hinterlassen hätten.<br>Inzwischen befinden wir uns am Ende des 19. Jahrhunderts.<br>Und man kann die 1880er und 1890er Jahre als Durchbruchjahre für die Fotografie festhalten.<br>Und die Akzeptanz als Kunstform steigt zunehmend.<br>Und mit dieser Akzeptanz gibt es auch immer mehr <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen,<br>die sich künstlerisch mit dem Akt auseinandersetzen.<br>Etablierte Fotografen wie zum Beispiel Alfred Stieglitz fertigen ganz selbstverständlich Aktstudien an<br>und veröffentlichen die auch.<br>Es ist die zweite Blüte des sogenannten Piktorialismus,<br>also einer Phase, in der Fotografie versucht, ähnlich wie Malerei auszusehen.<br>Und so entstehen Aufnahmen, in denen Frauen dank gezielter Unschärfen fast schon träumerisch aussehen.<br>Auffällig auch in dieser Zeit, meistens sind es Frauen, die fotografiert werden.<br>Und außerdem schauen sie meist von der Kamera weg, nicht in die Kamera hinein.<br>Manches Mal scheint es Absicht des Fotografen zu sein,<br>die Nacktheit an sich losgelöst von der Person darstellen zu wollen.<br>Ziemlich oft drängt sich aber der Verdacht auf,<br>dass entweder der Fotograf oder das Model Bedenken hatten, in einem Bild erkennbar zu sein.<br>Als in Europa der Zweite Weltkrieg ausbricht,<br>lässt sich bei den <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen ein sehr interessanter Shift beobachten.<br>Fast alle, die bis dahin als Piktorialisten eher unscharfe,<br>mit Metaphern durchtränkte künstlerische Motive fotografiert haben,<br>schwenken hin zu einem neuen Realismus.<br>Bilder sind jetzt scharf.<br>Es ist die Hochzeit des Fotosjournalismus.<br>Und auch unter den künstlerischen Fotografen geht es in erster Linie darum,<br>sich mit dem Medium auszudrücken, nicht mehr darum, ein anderes Medium nachahmen zu können.<br>Und die hauptsächlich künstlerische Fotografie wird geprägt von vielen Surrealisten,<br>wie zum Beispiel Man Ray oder der frühen Lee Miller.<br>Die Surrealisten drücken sich ja in erster Linie selbst aus,<br>versuchen ihr Innenleben aufs Medium zu bringen.<br>Und sie waren besessen von Sexualität.<br>Und so entstehen in dieser Zeit eine große Zahl zum Teil sehr expliziter Akte,<br>die aber auch oft erkennbar nicht für erotisches Vergnügen gedacht sind.<br>Nacktheit wird oft als Nacktheit an sich dargestellt.<br>Es geht um die Darstellung von Verwundbarkeit<br>oder auch um die Abwertung der dargestellten Figuren.<br>Der Weg, über den Fotografie hauptsächlich verbreitet wird, sind Magazine und Bücher.<br>Das ist ein Trend, der sich in den 20er und 30er Jahren aufgebaut hatte<br>und der in den 40er Jahren zu gleich mehreren Trends führt, die bis heute Geltung haben.<br>So fängt man in Hollywood beispielsweise an,<br>aus der frühen Fashion-Fotografie die Glamour-Fotografie zu entwickeln.<br>Es geht im Endeffekt darum, die Stars und Sternchen<br>möglichst glamourös und beeindruckend abzulichten.<br>Die ersten sechs Symbole tauchen auf<br>und mit ihnen natürlich die dazu passenden Bilderwelten.<br>Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt das Ganze einen regelrechten Boom.<br>Man spricht oft von den sogenannten &#8222;permissive years&#8220;.<br>In anderen Worten, fast alles geht und fast alles wird ausprobiert.<br>Die einzige harte Grenze, die bis zu den 60ern hält, ist Schamhaar in der Fotografie.<br>Das ist ein Tabu, von dem ich mir auch gar nicht so sicher bin, ob es eigentlich schon gefallen ist.<br>Denn man sieht schon sehr, sehr selten Schamhaar, auch in zeitgenössischer Aktfotografie.<br>1951 markiert einen weiteren Meilenstein,<br>nämlich die erste farbige Aktfotografie in einem amerikanischen Hochglanzmagazin.<br>Die &#8222;Vogue&#8220; hatte sich ein Bild des Fotografen Norman Parkinson gegriffen und es veröffentlicht.<br>Farbe im Hochglanzmagazin-Format.<br>Es ist praktisch die Geburtsstunde des <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playboy</a>.<br>1953 kommt die erste <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playboy</a>-Ausgabe auf den Markt,<br>mit einem skandalträchtigen Poster in der Mitte.<br>Marilyn Monroe, ein damals schon einigermaßen bekanntes Hollywood-Sternchen,<br>hatte sich Jahre zuvor für einen Kalender und unter zugesicherter Anonymität fotografieren lassen.<br>Hugh Hefner hatte das Bild und die Veröffentlichungsrechte gekauft<br>und beschlossen, Marilyn in den Centerfold zu packen.<br>Die Innovation im Playboy war nicht, dass es ein Magazin mit Nacktbildern in Farbe gab.<br>Das gab es zu der Zeit schon mehrfach.<br>Die Innovation war, dass solche Magazine in den USA aus gesetzlichen Gründen<br>sehr schwer vertreibbar waren und Hugh Hefner hatte die Idee gehabt,<br>ein Abo-Modell aufzusetzen und den Leuten die Magazine einfach nach Hause zu schicken.<br>Eine Idee, die, wie wir heute wissen, spektakulär erfolgreich war<br>und Playboys Erfolg auf Jahrzehnte hinweg zementierte.<br>Ja, und wo stehen wir jetzt heute mit der Aktfotografie?<br>Ich glaube, ganz allgemein haben sich gar nicht so viele Dinge geändert.<br>Wie vorhin schon mal erwähnt, Schamhaar sieht man auch heute fast nicht mehr.<br>Was verschwunden ist, sind die Akademien.<br>Eigentlich kommt es nur noch selten vor, dass zu dem Zweck,<br>eine Malvorlage zu haben, fotografiert wird.<br>Aus den Erotikfotos unserer Vorfahren entstanden eine ganze Reihe von Genres.<br>Eigentlich kann man festhalten, für nahezu jedes große Genre gibt es eine Variante,<br>in der es um Erotik geht und eine Variante, die ins Pornografische abgleitet.<br>So als Beispiel Fashionfotografie, in der es im Wesentlichen darum geht,<br>Kleidung und Stil zu transportieren, wurde in Hollywood relativ schnell zur Glamour-Fotografie,<br>in denen eben mehr oder weniger berühmte Stars und Sternchen abgelichtet wurden.<br>Und aus der Glamour-Fotografie entwickelte sich dann eine spezielle Geschmacksrichtung von Pin-Ups.<br>Und Pin-Ups konnten mal mehr, mal weniger bekleidet sein,<br>aber flirteten ganz grundsätzlich mit den Betrachtenden und unter Umständen auch sehr eindeutig.<br>In der künstlerischen Fotografie kann man grob zwei Richtungen festmachen.<br>Die einen fotografieren den nackten Körper einfach aus ästhetischen Gründen,<br>weil er gut aussieht sozusagen.<br>Je nach individuellen Vorlieben der fotografierenden Person<br>kann es dann mal mehr, mal weniger suggestiv und mal mehr, mal weniger nackt oder erotisch werden.<br>Aber herausgehoben wird eben die ästhetische Qualität des Aktes.<br>Fotos von nackt Tanzenden fallen in diese Kategorie.<br>Oder sinnliche Aktaufnahmen, die eine gewisse intime Aufnahmesituation nahe legen sollen.<br>Und dann gibt es noch diejenigen, die Akte fotografieren, um ihre Formen zu studieren.<br>Das sind dann manchmal auch nur Teilaufnahmen von nackten Körpern oder stark stilisierte Aufnahmen.<br>Da geht es dann oft um das Spiel von Licht und Schatten oder den Kontrast zwischen den weichen Kurven<br>einer nackten Frau und dem harten Gestein, vor das sie posiert wurde.<br>Oder Menschen werden in spektakulär absurde Positionen gezwängt,<br>in denen es dann oft mehr um Geometrie als um die eigentliche Nacktheit geht.<br>Damals wie heute ist es außerdem auffällig, dass es meistens Frauen sind.<br>Jetzt kann man da viele Gründe für vermuten.<br>Ein Grund ist sicherlich, dass es auch sehr viele männliche Fotografen sind,<br>die uns diese Werke bescheren und viele von denen als heteros einfach lieber Frauen ansehen als Männer.<br>Allerdings hilft es da nicht, dass auch aktfotografierende Frauen gerne auf weibliche Models zurückgreifen.<br>Imogen Cunningham oder Ruth Bernard sind Beispiele von fantastischem Können<br>und einer Vorliebe für den weiblichen Körper.<br>Vielleicht, so behauptet ein mancher, ist der weibliche Körper einfach attraktiver zu fotografieren.<br>Und das, meine Lieben, halte ich persönlich ja einfach für eine gesellschaftliche Prägung.<br>Wir sind in einer patriarchisch geprägten Gesellschaft aufgewachsen.<br>In anderen Worten, wir sind es irgendwie alle gewohnt,<br>dass wir es eher den Männern als den Frauen recht machen.<br>[Musik]<br>Fotomenschen<br>Ich muss ja ein Geständnis machen.<br>Ich kann mit den meisten Aktfotos genau gar nichts anfangen.<br>Für mich fallen die nämlich oft in eine von zwei Schubladen.<br>Schublade 1 betitel ich jetzt mal mit &#8222;zu wenig Aussage im Bild&#8220;.<br>Das scheint ein unglaublich verbreitetes Phänomen zu sein.<br>Es gibt eine wahnsinnige Menge an Fotos von attraktiven Menschen.<br>Mit mal mehr, mal weniger Kleidung, die mal mehr, mal weniger erotisch aussehen sollen,<br>in denen mir eigentlich in erster Linie nichts anderes als ein nackter Mensch gezeigt wird.<br>Wo ich mir die Frage stelle, was ist die Aussage des Bildes?<br>Die zweite mentale Schublade betitel ich mal mit &#8222;demonstrativ künstlerisch&#8220;.<br>Frauen haben im Namen der Fotografie schon die absurdesten Verrenkungen hingelegt.<br>Es wurden Detailaufnahmen ihres Körpers gemacht, nur um zu zeigen,<br>dass die Rundung ihres Ellenbogens so ähnlich ist wie die Rundung ihrer Brust.<br>Und eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin, fehlt es auch da oft einfach mal an der Bildaussage.<br>Und in beiden Fällen kann man zusammenfassen, was mich langweilt ist,<br>wenn die Nacktheit der eigentliche Bildgegenstand ist.<br>Zum Glück gibt es auch hier Ausnahmen, aber das ist vielleicht irgendwann mal Gegenstand einer anderen Foto-Menschen-Folge.<br>Wer jetzt weiter in das Thema eintauchen möchte, ich habe wie immer Links, Videos,<br>Empfehlungen für Bücher und so weiter in den Notizen zur Sendung hinterlegt.<br>Einfach auf fotomenschen.net vorbeisurfen, da ist dann alles zum Nachlesen und Nachverfolgen bereit.<br>Und wer dann da schon mal ist, ich freue mich über Feedback zur Sendung.<br>Die Kommentarfunktion ist unglaublich einfach zu bedienen.<br>Oder falls jemand hier zuhört, der zufällig bei Apple Podcasts seine Podcasts hört,<br>da kann man Kommentare mit einer Fünf-Sterne-Wertung kombinieren.<br>Auch etwas, über das ich mich sehr freue.<br>Ansonsten ist und bleibt es hier ein nicht kommerzielles Projekt.<br>Wer mich trotzdem unterstützen möchte, tut es am besten durch Weiterempfehlungen,<br>insbesondere auf den eigenen Social-Media-Kanälen.<br>Podcasts werden durch Mund-zu-Mund-Propaganda gefunden und dieser Podcast ist da sicherlich keine Ausnahme.<br>Auf jeden Fall lieben Dank fürs Zuhören.</p>
