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    <title>Fotomenschen - Zweiter Weltkrieg</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Zweiter Weltkrieg&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Wed, 01 Jun 2022 15:59:44 GMT</lastBuildDate>
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            <title>Lee Miller - Eine Frau, viele Leben</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/lee-miller-eine-frau-viele-leben.html</link>
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            <description>Lee Miller hatte ein Leben das atemlos macht: Befreundet mit dem who is who der Surrealisten-Szene des 20.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Lee Miller hatte ein Leben das atemlos macht: Befreundet mit dem who is who der Surrealisten-Szene des 20. Jahrhunderst, berühmtes Fashionmodel, erfolgreiche Fashionfotografin, Journalistin, Kriegskorrespondentin, Sterneköchin und Weltbürgerin sind nur einige ihrer Rollen. </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Miller" target="_blank">Lee Miller</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudo-Solarisation" target="_blank">Pseudo-Solarisation</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/lee-miller-kriegsberichterstatterin-in-hitlers-badewanne-fotostrecke-126109.html" target="_blank">Kriegsberichterstatterin Lee Miller &#8211; Die Schöne und der Krieg</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/lee-miller-model-partyloewin-fotografin-und-kriegskorrespondentin-a-1031017.html" target="_blank">Lee Miller: Model, Partylöwin, Fotografin und Kriegskorrespondentin</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/title/tt12281602/" target="_blank">Lee Miller &#8211; A Life on the Front Line</a> (IMDb)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220930164210/https://kwerfeldein.de/2013/09/02/blickfang-hitlers-badewanne/" target="_blank">kwerfeldein &#8211; Hitlers Badewanne</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunk.de/lee-miller-ein-supermodel-als-kriegsfotografin-100.html" target="_blank">Ein Supermodel als Kriegsfotografin</a> (Deutschlandfunk)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/geschichte/article214733286/Kriegsfotografin-Lee-Miller-Fotos-aus-dem-KZ-Buchenwald.html" target="_blank">Lee Miller &#8211; Fotos aus dem KZ Buchenwald</a> (Welt)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-lee-miller-100.html" target="_blank">WDR Zeitzeichen &#8211; 21.7.1977 &#8211; Kriegsfotografin Lee Miller stirbt in Chiddingly</a></li>
</ul>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B09Q3FGPYJ" target="_blank" rel="noopener">The Lives of Lee Miller (English Edition)</a></p>

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<pre>Episodenbild: U.S. Army Official Photograph - http://astro.temple.edu/~gurwin/hist.0690syb2005.html, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77888314</pre>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Tänzerin, Model, Werbefotografin, Journalistin, Kriegsreporterin, Sterneköchin.<br>Lee Miller hat eine Biografie, die mich völlig atemlos zurückgelassen hat.<br>Und ihr habt sie mir gleich mehrfach empfohlen.<br>Ich grüße jetzt hier mal stellvertretend Silke, deren E-Mail ich vor kurzem in meiner<br>Inbox fand, und Boris, der mich beide auf das erste Foto, das ich von Lee Miller je<br>gesehen habe, hinwies, das den Titel &#8222;Die Dame in Hitlers Badewanne&#8220; trägt.<br>Lee Miller heißt eigentlich Elizabeth Miller, später dann Lady Elizabeth Penrose, und wird<br>1907 im Bundesstaat New York geboren.<br>Ihr Vater war ein Ingenieur, ihre Mutter eine Krankenschwester und sie hatte zwei Geschwister.<br>Schon die kleine Lee war eher umtriebig und schwer zu bändigen, aber ihr Vater unterstützte<br>das.<br>Und so wurden mit den Geschwistern Seifenkisten gebaut und Rennen gefahren, Dinge erklommen<br>und Gerätschaften ausprobiert.<br>Und wie um die Zeit nicht ganz unüblich, besonders für einen Ingenieurshaushalt, wurde<br>durchaus auch schon fotografiert.<br>Der Vater war begeisterter Amateurfotograf und so konnte die kleine Lee schon sehr früh<br>erste Gehversuche mit damals üblichem Gerät, wie zum Beispiel der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, machen.<br>Der Vater war ambitionierter Fotoamateur und entdeckte seine ungewöhnlich hübsche Tochter<br>früh als Fotomodell.<br>Er fotografiert Porträts und Akte und Lee steht für beides Modell.<br>Schon früh prägt sich bei Lee jedenfalls Interesse für die schönen Künstler heraus<br>und sie überlegt eventuell Tänzerin werden zu wollen.<br>Ihre Schulzeit jedenfalls war mühsam.<br>Sie wird über die Jahre aus praktisch jeder Schule geworfen, in der ihre Eltern sie eintragen.<br>Mit 18 zieht sie nach Paris und studiert Bühnenbildnerei, Kostümdesign und Bühnenbeleuchtung und kehrt<br>1926 nach New York zurück.<br>Diesmal zieht sie nach Manhattan.<br>Hier will sie Malerei und Zeichnung studieren.<br>Als sie eines Tages auf dem Heimweg war und gedankenlos auf die Straße geht, wird sie<br>beinahe von einem LKW überfahren.<br>In letzter Sekunde reißt sie einen Passant, der sie beobachtet hat, auf den Gehweg zurück<br>und Lee, die zu Tode erschrocken ist, sinkt erstmal ohnmächtig in seine Arme.<br>Und diese Anekdote ist wirklich folgenreich, denn der Mann, der sie da vor dem sicheren<br>Tod gerettet hatte, war niemand anderes als Condé Nast, dem Herausgeber von Zeitungen<br>wie Vogue, The New Yorker oder Vanity Fair.<br>Der hält jetzt also plötzlich eine elegant gekleidete, fließend französisch sprechende,<br>wunderschöne junge Dame in den Armen und sieht in ihr das perfekte Gesicht für das<br>nächste Titelblatt der Vogue.<br>Denn zu der Zeit wurde nach dem perfekten, modernen Mädchen gesucht als Titelfigur für<br>Magazine wie Vogue.<br>Und Lee Miller entsprach dieser Idee bis aufs Haar.<br>Und deswegen startet Lee ihre Modelkarriere mit einem Knall, mit einem Titelbild auf der<br>Vogue.<br>Die nächsten zwei Jahre machen sie dann zu einem der meisten gesuchten Models in ganz<br>New York.<br>Und sie arbeitet mit allem, was Rang und Namen hat.<br>Es kommt zu mir klar, als der Fotograf Edward Steichen eine Aufnahme Millers verwendet,<br>um eine Werbekampagne für Damenbinden zu bebildern.<br>Das beendet ihre Karriere als Fashionmodel, allerdings hatte sie darauf inzwischen sowieso<br>immer weniger Lust gehabt und nach Gelegenheiten gesucht, um auf Reisen zu gehen.<br>Die bot sich, als ihr einen Fashiondesigner anbot, in seinem Auftrag nach Paris zu reisen<br>und Designskizzen von Renaissance-Gemälden zu fertigen.<br>Also die Kleidung zu skizzieren, die man dort sieht.<br>In Paris passieren mehrere Dinge.<br>Erstens, Lee Miller war in Sekunden von dieser Aufgabe zu Tode gelangweilt.<br>Schon ihr ganzes Leben lang war sie bekannt dafür, dass sie sich zu nichts hinreißen<br>ließ, wenn es ihr keinen Spaß bereitete.<br>Und Renaissance-Gemälde abmalen gehörte eindeutig in diese Kategorie.<br>Außerdem war Lee Miller ein Partygirl.<br>Innerhalb kürzester Zeit netzwerkt sie sich einmal kreuz und quer durch die künstlerische<br>Szene Paris.<br>Sie war ungebunden, sie war trinkfest, sie war sexuell aufgeschlossen und sah umwerfend<br>aus.<br>Also macht sie das, was ihr als Tochter ihres Vaters als erstes in den Sinn kommt.<br>Sie besorgt sich eine Kamera und statt die Kleidungsstücke abzuzeichnen, macht sie einfach<br>Fotos davon.<br>Und was mit dem Abfotografieren von Gemälden anfängt, hört dann erstmal nicht mehr auf.<br>Sie fotografiert die Menschen um sich herum und experimentiert mit der Fotografie als<br>künstlerischer Ausdruck, als surreales Medium.<br>Wir haben das Jahr 1929.<br>Lee Miller beschließt jetzt, ernsthaft ihr Glück als <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> zu suchen.<br>Alles, was ihr fehlt, ist ein Lehrer, der ihr die Techniken der künstlerischen Fotografie<br>nahe bringen kann.<br>In Paris wird sie auch schnell fündig.<br>Der berühmte Fotograf und Künstler Man Ray wäre der perfekte Lehrmeister.<br>Sie sucht seinen Kontakt und bietet sich ihm als Model an.<br>Er will eigentlich keine Studenten aufnehmen, aber Lee war noch nie gut darin, &#8222;Nein&#8220;<br>als Antwort zu akzeptieren.<br>Der Widerstand kann auch nicht lange angedauert haben, denn sie zieht relativ schnell praktisch<br>bei ihm ein, wird eines seiner häufigsten Models, eine Mitarbeiterin in seiner Dunkelkammer<br>und in seinem Studio allgemein, seine Muse und seine Liebhaberin.<br>Die beiden arbeiten in der Zeit so eng zusammen, dass bei einer Menge Aufnahmen gar nicht ganz<br>klar ist, ob das nun Aufnahmen von Lee Miller oder von Man Ray waren.<br>Die Fotografien, die sie schaffen, sind sehr künstlerisch und surreal.<br>Und das liegt unter anderem auch an der ausgefeilten Verfremdung, die in der Dunkelkammer stattfindet.<br>Es wird mit vielen Techniken experimentiert und eine der wichtigsten, stilprägendsten<br>Techniken, die die beiden perfektionieren, ist die sogenannte Solarisation.<br>Ich werde das jetzt hier nicht detailliert ausführen, aber es ist so eine Art gezielte<br>Überbelichtung.<br>Bilder, die auf die Art entstehen, sehen sehr prägnant und eigentümlich aus, sehr kontrastreich.<br>Und in den 60er Jahren wird es ein sehr weit verbreiteter und beliebter künstlerischer<br>Bildeffekt.<br>Für die Surrealisten, zu denen Lee Miller und Man Ray ja damals gehörten, war an diesem<br>Effekt besonders wichtig, dass er praktisch durch einen Zufall entstand und dass die Ergebnisse<br>nur sehr vage kontrollierbar waren.<br>Über den Freundeskreis von Man Ray und die Partys, die auch dort reichlich stattfanden,<br>lernt Lee Miller jedenfalls das Who is Who der damaligen Künstlerszene kennen.<br>Leute wie Jean Cocteau oder eben auch Pablo Picasso gehen ein und aus und zählen zu ihren<br>Freunden.<br>Über die Jahre fertigt Pablo Picasso sechs Gemälde von Lee Miller an und wird wieder<br>und wieder von ihr fotografiert.<br>So produktiv ihre Zusammenarbeit mit Man Ray auch ist, schnell hat sie das Bedürfnis,<br>ein eigenes Studio aufzubauen und wird in kürzester Zeit zu einer etablierten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a><br>in Paris.<br>Ein Faktor mag hier auch gewesen sein, dass es zwischen Man Ray und Lee Miller auch reichlich<br>und regelmäßig krachte.<br>Denn Man Ray, der eigentlich ja offene Beziehungen und freie Liebe propagierte, hatte so seine<br>Probleme, dass die schöne Lee sich nicht in einer monogamen Beziehung einsperren ließ.<br>Und so zofften die beiden sich regelmäßig, bis es irgendwann einfach auch mal zu viel<br>war.<br>1932 ist ihr die Szene in Paris ganz allgemein zu langweilig geworden.<br>Sie kehrt wieder nach Manhattan zurück und beschließt, den Erfolg des Fotostudios in<br>Paris in New York zu wiederholen.<br>Erfolgreich, innerhalb kürzester Zeit ist sie eine der gefragtesten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> der<br>Stadt.<br>Und nach nur drei Monaten zurück hat sie ihre erste große Ausstellung, in der es nur um<br>ihre Arbeiten geht.<br>Aber auch ihr zweites erfolgreiches Fotostudio hält sie nicht lange.<br>Als sie den Ägypter Aziz Bey kennenlernt und sich in ihn verliebt, beschließt sie<br>kurzerhand, ihr Leben in New York zu beenden und mit ihm nach Ägypten zu ziehen.<br>Die beiden heiraten und für Li beginnt eine Zeit, in der sie offiziell weder als Fotografe<br>noch sonst irgendwie professionell tätig ist.<br>Ihr Alltag besteht aus Reisen und Expeditionen in die Wüste und das Umland Ägyptens oder<br>aus Partys.<br>Nach wie vor ist Li trinkfest.<br>Sie gilt als fantastische Gastgeberin, wenn auch ein bisschen launisch, immer zwischen<br>glücklich und depressiv hin und her schwankend.<br>Die Fotografien, die sie in der Zeit fertig gehören, mit zu ihren künstlerischsten.<br>1937 war sie dann endgültig das Leben in Ägypten leid.<br>Eine Ausstellung brachte sie nach Paris, wo sie den Maler und Kurator Roland Penrose kennenlernte.<br>Was zunächst eine Kollaboration war, wurde schnell eine Affäre und so zog sie mit Billigung<br>ihres Ehemanns nach London in ein gemeinsames Apartment.<br>Und hier ist Li, als die Deutschen damit beginnen, London zu bombardieren.<br>Roland war einer der Freiwilligen, der während den Bombenangriffen der Deutschen die Stadt<br>patrouillierte und nach Brandherden Ausschau hielt und Li begleitete ihn.<br>Und die Lebensgefahr, die andere vielleicht dazu gebracht hätte, sich zu vergriechen,<br>war für sie wie ein Lebenselixier.<br>Ihr war sofort klar, sie wollte dahin, wo die Action war.<br>Die Gefahr nicht meiden, sondern die Gefahr suchen.<br>Freunde und Familie war entsetzt.<br>Aber wie schon bei Man Ray, ließ Li sich nicht von einem einmal gefassten Plan und<br>einer Entscheidung abbringen.<br>Sie begann damit, praktisch täglich bei Vogue anzufragen, ob die nicht Verwendung für eine<br>Kriegskorrespondentin hätten.<br>Und beginnt damit auf eigene Faust die Bombenangriffe während dem sogenannten Blitz zu dokumentieren.<br>Es sind ihre Fotos und ihre Hartnäckigkeit, die er dann letztlich eine Akkreditierung<br>als offizielle <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a> für die Condé Nast Publishing Group einbringt.<br>Es gab einige Frauen, die für die US Army fotografierten, aber es waren nicht viele.<br>Und Action zu sehen war fast ausgeschlossen, denn die US Army hatte ganz grundsätzlich<br>die Regel, dass Frauen nicht in Kriegshandlungen geschickt wurden.<br>Und so fotografiert sie zunächst die Soldaten, die im Einsatz am D-Day gewesen waren und<br>jetzt in einem Übergangslazarett auf ihren Abtransport warteten.<br>Sie lernt den Time-Live-Fotografen David E.<br>Sherman kennen, der auch für eine Weile dann ihr Lebensgefährte werden soll, und beschließt,<br>dass sie dahin will, wo gekämpft wird.<br>Zur Not wird sie hintrampen.<br>Und genau diesen Plan setzen die beiden dann auch in die Tat um.<br>Nicht lange und Lee hat sich einen Ruf bei den Soldaten als mindestens so kampferprobt<br>und kampffest wie ihre Kameraden eingehandelt.<br>Und so wird ihr forsches Vorgehen von der Armee geduldet.<br>Sie und Sherman sind es dann auch, die zum Beispiel den ersten Einsatz von Napaim in<br>Europa dokumentieren.<br>Sie dokumentiert die Befreiung von Paris oder die Einnahme von Adolf Hitlers Berghof auf<br>dem Obersalzberg im Berchtesgaden.<br>Ihre Fotos entwickelt sie selbst in der Badewanne.<br>Und besonders die US-Vogue widmet ihr große Artikelstrecken, deren Bilder sie beisteuert<br>und deren Text sie komplett verfasst.<br>Und jetzt kommen wir zu dem Foto, das ich in der Einleitung erwähnt habe.<br>Es ist der 30.<br>April 1945.<br>Lee Miller und David Sherman sind in München.<br>Die Stadt ist praktisch dem Erdbodengeich gemacht.<br>Aber es gibt ein Haus, in dem noch fließendes, warmes Wasser ist.<br>Und so beschließen die beiden, dort ein Bad zu nehmen.<br>Als sie das Haus betreten, finden sie auch heraus, warum es das einzige Haus weit und<br>breit mit fließendem, warmen Wasser und Strom ist.<br>Denn es handelt sich um ein Privathaus von Adolf Hitler persönlich.<br>Und so beschließen die beiden nicht nur ein Bad zu nehmen, sondern dieses Bad auch fotografisch<br>zu dokumentieren.<br>Die Aufnahme zeigt Lee Miller in der Badewanne sitzend.<br>Es gibt ein analoges zweites Bild, in dem David Sherman auch ein Bad nimmt.<br>Auf den ersten Blick könnte man diese Aufnahme für einen Schnappschuss halten.<br>Aber auf den zweiten Blick wird klar, dass Lee Miller ihre Fotos als die Künstlerin,<br>die sie war, gezielt komponiert hat.<br>Und dieses Bild ist keine Ausnahme.<br>So steht zum Beispiel ein Foto Adolf Hitlers mit an der Badewanne.<br>Das bekannteste Bild des Diktators.<br>Aber noch viel wichtiger, direkt vor der Badewanne hat sie ihre US-Army-Stiefel abgestellt.<br>Und diese Kombi aus dem per Foto anwesenden Führer und den abgestellten US-Boots machen<br>aus diesem Foto eben mehr als nur einen Schnappschuss.<br>Das ist ein Foto, das nur Sieger machen können.<br>Es dokumentiert eine Machtumkehr.<br>Die Aufnahme von David Sherman zeigt außerdem noch den Duschkopf über ihm.<br>Sherman selbst ist Jude und der Duschkopf steht symbolisch für die als Gemeinschaftsduschen<br>getarnten Gaskammern der Nazis.<br>Und die hatte Lee Miller inklusive der Gräuel, die in den KZs zu sehen waren, nur zu Genüge<br>dokumentiert.<br>Sie ist vor Ort, als die KZs Buchenwald und Dachau befreit werden.<br>Während diesen Befreiungsaktionen sind ja einige Fotografinnen und Fotografen mit dabei<br>und dokumentieren.<br>Aber die meisten versuchen sich vor dem Grauen zu schützen und halten Abstand.<br>Lee geht mit ihrer Rolleiflex-Kamera ganz nah ran und macht Fotos, die sich ins Gehirn<br>brennen.<br>Lee macht diese Fotos, um die Deutschen zum Hinschauen zu zwingen und den Amerikanern<br>zu zeigen, dass sie das Richtige getan haben, als sie sich in den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> eingemischt haben.<br>Als der <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> vorbei ist, kehrt Lee nach England zurück.<br>Ihr Lebensgefährte aus der Anfangszeit des Krieges, Roland Penrose, hatte seinen Wehrdienst<br>überlebt und die beiden nehmen den Faden da auf, wo er durch die Kriegsgeschehnisse<br>abgetrennt worden war.<br>Sie ziehen aufs Land, erst in ein Cottage, dann in eine Farm.<br>Roland Penrose hatte sich immer vorgestellt, wie es denn sein würde, als Farmer unabhängig<br>von anderen zu sein.<br>Hatte allerdings keinerlei Begabung oder Wissen in dem Bereich.<br>Außerdem ist er ja zunächst mal Galerist, Kunstsammler und Kurator und gibt diesen Beruf<br>auch nicht auf.<br>Und so wird aus der Farm weniger ein Agrarbetrieb, als eher eine Art Künstlerkolonie mit Menschen,<br>die außerdem noch wissen, wie man einen Garten anlegt.<br>Die beiden heiraten und 1947 wird der Sohn Anthony geboren.<br>Die zieht sich komplett aus dem <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Bildjournalismus</a> zurück.<br>Sie fotografiert zwar hin und wieder, aber nicht mehr in offizieller Funktion.<br>Überhaupt hatten die Kriegsjahre tiefe Spuren bei ihr hinterlassen.<br>Sie hatte schon immer eine Tendenz zur Depression und Schwierigkeiten mit Leistungsdruck umzugehen.<br>Beides bekämpfte sie oft mit Alkohol und Partys und in den ersten Jahren nach dem Krieg<br>wird es ein Strudel, der sie zu verschlingen droht.<br>Was hilft, ist ihr Freundeskreis.<br>Inklusive ihrer ehemaligen Liebhaber.<br>Man Ray oder Aziz kommen regelmäßig vorbei.<br>Pablo Picasso geht in dem Haushalt ein und aus.<br>Und immer wenn Besuch da ist oder wenn Lee eine Party schmeißen kann,<br>blüht Lee auf und zeigt ihr charmantes Gewinnendes selbst.<br>Und es ist diese Zeit, in der Lee ein weiteres Mal beschließt, sich neu zu erfinden<br>und eine neue Leidenschaft entdeckt, nämlich das Kochen.<br>Ab jetzt dokumentiert sie mit ihren Reisen keine Kriegshandlungen mehr<br>oder fotografiert mit künstlerischem Anspruch.<br>Ab jetzt sind ihre Reisen dafür da, neue Rezepte zu lernen, neue Zutaten kennenzulernen,<br>Kochbücher zu kaufen, Gerichte zu testen.<br>Sie beschäftigt sich mit ihrem Kräutergarten mit geradezu religiösem Eifer<br>und die vielen Besucherinnen und Besucher freuen sich über regelmäßige Gelage und originelle Speisepläne.<br>Als sie mit ihren eigenen Gerichten anfängt, an Wettbewerben teilzunehmen,<br>ist sie wieder auf Titelseiten zu sehen.<br>Diesmal als Köchin.<br>Und sie gewinnt Preise für ihre Gerichte.<br>Anthony und Lee haben in der Zeit eine komplizierte Beziehung.<br>Aber später schreibt er in der Biografie über seine berühmte Mutter,<br>dass es diese Zeit als Köchin war, die sie vor dem endgültigen Absinken in Alkoholismus und Depression bewahrt hat.<br>Als Erwachsenes selbst heiratet und mit seiner jungen Frau in die Nähe zieht,<br>normalisiert sich die Beziehung der Mutter und des Sohnes.<br>Es wird freundlich respektvoll.<br>Was aber beim Lesen der Biografie wirklich faszinierend ist,<br>er selbst kannte seine Mutter gar nicht als Fotografin.<br>Er kannte seine Mutter als seine Mutter und als Köchin.<br>Und so schreibt er, dass er völlig überrascht davon war, wie viele Leben seine Mutter gelebt hat.<br>Ein Leben als Supermodel, bekannt über die Grenzen New Yorks hinaus.<br>Ein Leben als surreale Künstlerin, die mit Man Ray zusammen,<br>einem der berühmtesten Vertreter des Genres, stilprägend war.<br>Ein Leben als Unternehmerin und Fotografin in der Werbebranche,<br>mit mehreren nacheinander gegründeten erfolgreichen Fotostudios.<br>Ein Leben als Kriegsreporterin und als Journalistin.<br>Eine Frau, die die ganze Welt ausführlich bereist hat und der ein Leben in Ägypten,<br>in Saus und Braus nicht genug war, sondern die dann regelrechte Expeditionen in die Wüste organisiert hat.<br>Eine Frau, die mit Picasso eng befreundet war und sechsmal von ihm gemalt wurde.<br>Eine Frau, die immer ihrem Herz und ihrer Leidenschaft folgte<br>und damit für viele andere, die ihr nachfolgten, auch den Weg freigeräumt hat.<br>Lee stirbt am 21. Juni 1977 an Krebs.<br>Ihre Asche wird über dem Kräutergarten der Farm ausgestreut.<br>Und die Farm existiert bis heute.<br>Ihr Sohn Anthony hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Nachlass zu verwalten.<br>Und die Farm und das Anwesen ist das Kernstück.<br>Sie ist umgeben von einem Skulpturengarten und enthält einige Räume, die im Originalzustand belassen wurden.<br>Hier lagert Lee&#8217;s komplettes Bildarchiv und die beeindruckende Kunstsammlung des Ehepaars.<br>Da gehören natürlich Werke von Picasso dazu, aber auch Bilder von Miró, Man Ray natürlich, Max Ernst und andere.<br>Was bleibt, ist die Geschichte einer faszinierenden Frau.<br>Einer Frau, der es offensichtlich nicht gereicht hat, sich mit nur einem Lebensweg zu begnügen.<br>[Musik]<br>FotoMenschen<br>[Musik]<br>Leute, was für ein Ritt.<br>Ich habe jetzt 17 Minuten lang versucht, den Überblick über Lee Millers Leben zu geben<br>und dabei viele, viele Anekdoten ausgelassen.<br>Ihr Sohn Anthony hat eine ganz großartige Biografie mit vielen Originalzitaten aus Briefen<br>und anderen Dokumenten zusammengestellt.<br>Und ich habe auf YouTube einen einstündigen Vortrag von ihm gefunden, der das zusammenfasst,<br>den ich euch natürlich wie immer verlinken werde.<br>Ihre Fotografie und ihre Texte sind faszinierend.<br>Die Geschichte ihrer Beziehungen, besonders die spektakuläre Beziehung, die sie mit Man Ray zusammen hatte<br>und deren gemeinsames Werk.<br>Jedes einzelne Kapitel dieses Lebens könnte Bücherregale füllen.<br>Und deswegen hier nochmal der Aufruf, surft doch bei FotoMenschen.net vorbei.<br>Ich packe in die Notizen zur Sendung, wie immer, Hinweise auf Startpunkte, also Artikel, Videos, Bücher etc.<br>Wer schon mal da ist, kann ja gerne einen Kommentar hinterlassen.<br>Ich freue mich immer über Rückmeldung.<br>Und wer mir auf Social Media folgen will, wird auf FotoMenschen.net auch da fündig.<br>Da sind die Links zum Twitter-Kanal, zum Mastodon-Kanal, zu meiner Pixel-Fat-Fotosammlung etc. etc.<br>Ich finde übrigens, von all diesen Kanälen ist vermutlich der Mastodon-Kanal der reichhaltigste,<br>aber wählt einfach selbst.<br>Ansonsten, wer jetzt mehr Lust auf Geschichts-Inhalte oder auf Wissenschaftsinhalte hat,<br>da noch in eigener Sache Hinweis auf die zwei Netzwerke, in denen der Foto-Menschen-Podcast auch mitgeht ist,<br>nämlich einmal geschichtspodcast.de und wissenschaftspodcast.de.<br>Da gibt es mehr großartigen Podcast-Content, als ihr hören könnt.<br>Auch diese Links natürlich in der Webseite.<br>Und jetzt bleibt gesund, passt auf euch auf, danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Wed, 01 Jun 2022 15:59:44 GMT</pubDate>
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            <title>Leicht angeschmolzene Negative</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/leicht-angeschmolzene-negative.html</link>
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            <description>Robert Capa hieß eigentlich Endre Friedmann und als Gründungsmitglied von Magnum Photos und bedeutendsten Kriegsfotograf des letzten Jahrhunders hinterließ er tiefe Spuren im Medium.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p><a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> hieß eigentlich Endre Friedmann und als Gründungsmitglied von Magnum Photos und bedeutendsten <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotograf</a> des letzten Jahrhunders hinterließ er tiefe Spuren im Medium. In dieser Folge geht es um sein Leben und darum warum die Geschichte seines berühmtesten Fotos so nicht gewesen sein kann.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Capa" target="_blank">Robert Capa</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerda_Taro" target="_blank">Gerda Taro</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Neptune" target="_blank">D-Day</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Magnificent_Eleven" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Magnificent Eleven</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210620190512/https://petapixel.com/2019/02/16/debunking-the-myths-of-robert-capa-on-d-day/" target="_blank">Debunking the Myths of Robert Capa on D-Day</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Soldat_James_Ryan" target="_blank">Der Soldat James Ryan</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" "/posts/die-kleine-blonde.html" target="_blank">Fotomenschen #7 &#8211; Dirk kleine Blonde</a> (Podcast)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/podcast/gerda-taro-die-erste-kriegsreporterin/" target="_blank">HerStory &#8211; Gerda Taro</a> (Podcast)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/kriegsfotograf-robert-capa-berlin-in-der-stunde-null-a-b086849b-3d5c-4c9d-bbb6-fd53be455736" target="_blank">Kriegsfotograf Robert Capa</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/last-man-to-die-raetsel-um-kriegsfotografie-von-robert-capa-a-951037.html" target="_blank">Das Rätsel des unbekannten Soldaten</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603162820/http://100photos.time.com/photos/robert-capa-falling-soldier" target="_blank">The falling soldier</a> (Time &#8211; 100 Fotos)</li></ul>

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<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Von Anfang an schicken mir meine Hörerinnen und Hörer für den Fotomenschenpodcast Themenvorschläge und manchmal sind das Vorschläge für berühmte <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen. Und ein Name kam da überdurchschnittlich oft.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>(<a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> wird von mindestens 5 verschiedenen Stimmen gesagt)</p>

<p>Ja, oder eigentlich Endre Friedmann. Und der ist eine schillernde Figur. Ein Mann, der unser Verständnis davon, was <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportagefotografie</a> und <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a> sind, wie kaum ein anderer geprägt hat. Und warum das so ist und was auch vielleicht nicht ganz so ist, wie es immer erzählt wird, das will ich mir heute anschauen.</p>

<p>Wenige Fotografen sind so ikonisch wie <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>. Und das hat natürlich eine ganze Reihe von Gründen. Ganz vorne ist da das Genre, das sich Robert gewählt hat. Er wurde bekannt für seine <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a>. Das war längst nicht das einzige Genre, in dem Robert Capa unterwegs war, allerdings muss man zugeben: Für seine Reisereportagen oder die Fotostrecken über Kinder interessieren sich einfach wesentlich weniger Leute als für die berühmten Kriegsfotos aus dem Indochinakonflikt, dem Zweiten Weltkrieg oder dem Spanischen Bürgerkrieg.</p>

<p>Dann kommt noch der Look, den Robert Capas Bilder haben. Er ist nicht der einzige, der diesen Look prägt, aber er ist einer der ersten. Und der Look ist von Technik getrieben. Die kleinen Messsucherkameras von Leica, Contax und anderen haben gerade ihre Blütezeit. Messsucherkameras im Vergleich zu allem, was man vorher hatte, sind klein, kompakt und können schnell und einfach überall hin mitgenommen werden. Und dadurch wird die Fotografie viel weniger geplant. Fotografie passiert jetzt. Im Geschehen. Und anders als mit den Kloppern, die Kameras vorher waren, sind die jetzt in Mode kommenden, kleinen Messsucherkameras so unauffällig, dass die Fotografierten oft gar nicht bemerken, dass sie festgehalten wurden.</p>

<p>Das ganze fällt zusammen mit dem Aufkommen von immer schneller belichtbarem Film. Und der Blütezeit der Fotomagazine. Life, Time, wie sie alle heißen. Diese Magazine spielen eine Rolle, die später das Fernsehen haben wird. Sie sind das Fenster in die Welt für die Menschen. Und so geben Bildmagazine Unsummen aus, um die besten Fotostrecken, die besten Bildessays drucken zu können.</p>

<p>Dritter technischer Baustein sind die verwendeten Objektive. Kleine Kameras verlangen nach kleinen Objektiven. Und deswegen sind die Objektive an Messsucherkameras eher weitwinklig. Und wer weit weg vom Geschehen ist, macht dann weniger eindrucksvolle Bilder. Robert Capa kann man alles vorwerfen, aber nicht, dass er nicht nah genug herangegangen wäre. Es gibt ein berühmtes Zitat von ihm, ist das Foto nicht gut genug, warst du nicht nah genug dran.</p>

<p>Und seinen Bildern sieht man diese Philosophie an. Robert Capa trug seine Messsucherkameras in Kriegsgebiete und machte dann Fotos aus der Nähe, mitten in Kriegshandlungen. Das sind Aufnahmen, wie man sie zum Teil damals nie gesehen hatte. Bilder, die intensiv, emotional und dynamisch sind. Die uns aufrütteln. Bis heute. Diese Art der Fotografie ist zu der Zeit Robert Capas Mode und zieht sich quer durch alle Genres. So zieht ein Henri Cartier-Bresson durch Paris und hält mit ganz ähnlichen Methoden die Absurditäten des Alltags fest.</p>

<p>Und dann ist die Berühmtheit Robert Capas natürlich auch noch ein Ergebnis von hervorragender Vermarktung. Und die Vermarktung nahm Robert Capa selbst in die Hand. 1947 gründet er zusammen mit 6 anderen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen die ikonische Pressebildargentur Magnum Photos und macht damit einige der talentiertesten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen der damaligen Zeit unabhängig von den großen Bildmagazinen. Besagter Henri Cartier-Bresson ist zum Beispiel eines der Gründungsmitglieder und Robert Capa wird später auch Director von Magnum Photos sein und damit alle Hebel in der Hand halten, um sein eigenes Image in der Öffentlichkeit auszugestalten. Ungewöhnlich mutig, außerhalb der Fotografie allerdings wenig diszipliniert, ein bisschen augenzwinkernd, gerne mal einen über den Durst trinkend, spontan draufgängerisch, also genau die Art Mann, die sich spontan und freiwillig zu Kriegseinsätzen meldet, um der Welt Fotos über diese Erfahrung zu schicken.</p>

<p>Über diesen Mythos ist der echte Robert Capa kaum noch wiederzuerkennen. Und das liegt unter anderem auch daran, dass praktisch alles Biografische, was über Robert Capa bekannt ist, aus seiner eigenen Feder oder von Mitgliedern der von seiner eigenen Familie gegründeten Stiftungen und Unternehmen stammt. Man muss also oft seine Bilder für sich sprechen lassen und das sind dann dynamische Aufnahmen mit großartigem Gespür für Komposition, einem Anspruch für Authentizität und dem Bedürfnis, Menschen darzustellen.</p>

<p>Robert Capa kommt als Endre Friedmann 1918 in Ungarn auf die Welt. Endre ist politisch sensibel und als Aktivist an politischen Protesten in Ungarn beteiligt und muss deswegen im Sommer 1931 das Land verlassen. In Berlin will er Journalismus studieren und bessert sich seine Finanzen bei der Bildagentur Dephot als Assistent auf. Dort lernt er das Handwerk, das er dann als er nochmal, diesmal vor dem Hitlerregime fliehen muss, in Paris zum Einsatz bringt, um sich dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen.</p>

<p>Paris ist zu der Zeit ein Schmelztiegel der Intelligenzija. In Europa wird damals aus Sicht der Intellektuellen der Welt ein großer Kampf ausgetragen, Faschismus gegen Freiheit, und so kommen Aktivisten, Journalisten und Künstler von überall her nach Europa. In Paris kennt Endre dann Gerta Pohorylle kennen. Auch sie ist Flüchtling aus Deutschland und versucht, sich in Paris mit Schreibarbeiten und Vermittlungsarbeiten über Wasser zu halten. Die beiden haben einen überlappenden Freundeskreis und durch ihre Arbeit bei einer Bildagentur kann Gerta Endre helfen, Aufträge zu ergattern. Die beiden werden ein Paar und Endre bringt Gerta bei, zu fotografieren.</p>

<p>Die Pariser der 30er Jahre sind nicht gerade begeistert von so vielen Fremden in der Stadt und Gerta und Endre merken das an den Preisen, die sie erzielen können. Und so hat Gerta eine Idee. Sie schlägt vor, in Zukunft die Fotografie der beiden unter einem Künstlernamen zu vermarkten. Sie würde als Agentin des berühmten amerikanischen Fotografen Robert Capa auftreten. Und die beiden sind hochgradig erfolgreich.</p>

<p>Schon der Anfang Robert Capas Karriere ist also ein einziger Mythos. Eine große Geschichte mit einer großen, tragischen Liebe. In Folge 7 mit dem Titel &#8222;Die kleine Blonde&#8220; habe ich diese Geschichte schon mal etwas ausführlicher erzählt. Sie endet leider damit, dass Gerta bei den Kriegshandlungen, die sie dokumentiert, ums Leben kommt. Und wer weiß, welchen Weg Robert eingeschlagen hätte, wenn das nicht passiert wäre.</p>

<p>Aus dieser Zeit, dem Spanischen Bürgerkrieg, gibt es ein Foto, das heute in Rückschau eines der berühmtesten Bilder von Robert Capa ist. Der gefallene Soldat. Es zeigt angeblich einen Soldaten in dem Augenblick, in dem eine Kugel sein Herz trifft. Und schon um dieses Bild dreht sich eine Kontroverse. Es ist nicht klar, ob es überhaupt den Tod eines Soldaten zeigt, ob es nicht bei einer Übung statt in Kampfhandlung aufgenommen wurde und auch der Ort, an dem es angeblich gemacht wurde, wurde immer wieder mal infrage gestellt und obendrein gibt es auch noch Menschen, die Zweifel anmelden, ob dieses Bild nicht eigentlich von jemand anders als Robert gemacht wurde.</p>

<p>Für mich spielt das alles eigentlich gar keine Rolle. Denn die Tatsache bleibt, dass dieses Bild bis heute die Menschen beschäftigt, bis heute die Gemüter erhitzt. Und es einen Krieg vermenschlicht, der bis dahin sehr abstrakt und weit entfernt war.</p>

<p>Am Ende des spanischen Bürgerkriegs ist Robert Capa ein berühmter Kriegsfotograf. Aber Kriege ist nicht das einzige, das er fotografiert. Zwar zieht er erstmal vom spanischen Bürgerkrieg weiter nach China, wo die Japaner gerade damit beschäftigt sind, das Reich zu überfallen, aber er macht auch eine <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> über Waisenkinder, eine andere über die Tour de France und eine Reihe von Fotoessays über die Arbeiterklasse in Belgien.</p>

<p>Inzwischen hat es ihn nach England verschlagen. Dort arbeitet er als Korrespondent für Life Magazine und für diverse andere große Publikationen. Und da ist er auch, als die Alliierten endgültig in den Zweiten Weltkrieg eintreten. D-Day. Die berühmte Landung an der Normandie. Life Magazine schickt den damals berühmtesten Kriegsfotografen seiner Zeit los, Robert Capa. Vielleicht hat er sich auch freiwillig gemeldet. Sicher ist: Wer da die ersten Fotos liefern kann, hat es geschafft. Der Strand, an dem die Truppen landen würden, trug den Codenamen &#8222;Omaha Beach&#8220; und die Deutschen erwarteten diesen Angriff. Sie hatten den gesamten Küstenabschnitt befestigt. Überall waren Bunker, im Wasser waren riesige Stahlungetüme, um zu verhindern, dass man direkt anlanden konnte, das ganze Ding war eine Todesfalle.</p>

<p>Robert Capa hatte mindestens zwei, wahrscheinlich sogar mehr Kameras dabei. Er landete mit den Truppen an. In einem der ganz regulären Truppentransporter. Und für die Geschehnisse, die ich jetzt gleich kurz beschreiben werde, gibt es im Wesentlichen zwei Quellen: Nämlich einmal Robert Capa selbst, der 1947 eine kurze Biografie namens &#8222;Slightly out of focus&#8220; herausgibt und da drin eben genau diesen Tag beschreibt und John Morris, der als Bildeditor bei Life an diesem Tag dafür zuständig ist, die Bilder von Robert Capa entgegenzunehmen, zu entwickeln und von London in die USA zu schicken, damit sie in der nächsten Ausgabe von Life Magazine zusammen mit einer <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> erscheinen können.</p>

<p>Es ist der 6. Juni 1944. Das Wetter ist nicht ideal, sagen wir mal so. Es herrscht hoher Seegang und macht die Anlandung der Truppen zusätzlich schwer. Wer den Film &#8222;Der Soldat James Ryan&#8220; gesehen hat und dort die Einstiegsszene, der kann sich wahrscheinlich ganz gut vorstellen, wie das gewesen sein muss. Die alliierten Truppen dringen so weit sie können an den Strandabschnitt vor, während im Hinterland ein Luftangriff für Verwirrung sorgen soll. Je nachdem, an welchem Strandabschnitt man da in dieser ersten Welle landet, hat man mit viel oder mit sehr viel Gegenfeuer zu kämpfen. Und die ersten Soldaten, die es nach vorne schaffen, haben einen Auftrag, nämlich die Stahlbarrieren wegzusprengen, die da im Weg liegen.</p>

<p>Robert Capa ist bei dieser allerersten Welle mit dabei. Kurz, bevor sich das Tor zum Strand öffnet, befreit er seine Contax 2 Kameras von ihrem Wasserschutz und fängt an, Fotos zu machen. Das Tor öffnet sich und er fotografiert darauf los. Ein hinter ihm stehender Soldat vermutet in ihm einen Kameraden mit plötzlicher Panikattacke und stößt ihn beherzt ins Wasser. Robert Capa schafft aber, seine Kamera über Wasser zu halten und ans Ufer zu kommen, wobei er immer wieder fotografiert. Zusammen mit einigen anderen nimmt er Deckung. Er knipst von beiden Kameras beide Filme voll. Als er seine Kamera nachladen will, zittern seine Hände so stark, dass er dazu nicht in der Lage ist und er macht sich auf den Weg zu dem Schiff, das ihn wieder zurückbringen soll.</p>

<p>90 Minuten wird er an dem Strand verbracht haben und auf dem Weg zurück entstehen Aufnahmen von Sanitätern, die verwundete Soldaten versorgen.</p>

<p>Wieder in London müssen die Fotos so schnell wie möglich ins Büro von Life Magazine kommen. Capa schickt 4 Rollen Film los an das Büro von Life in London. Der Bildeditor John Morris kaut sich schon die Nägel nach diesen Bildern ab. Die Welt wartet auf die Reportage mit den Fotos von der Landung in der Normandie. Und die Zeit drängte, denn die Bilder konnten nicht in London bleiben, sondern mussten noch in die USA verschickt werden. Der Kurier braucht so ein bisschen und so wird es 6 Uhr abends, bevor die Filme im Labor ankommen.</p>

<p>John Morris macht Druck. Er muss die Bilder ja auch noch sehen und auswählen, er möchte Kontaktabzuge haben, das Labor soll sich beeilen. Er selbst erzählt das so:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;So I told the dark room to rush, rush development so can have contacts for editing.&#8220;</p>

<p>Er hat Stress gemacht. Schnell solls gehen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;A few minutes later, an almost hysterical young lad named Dennis Banks came rushing into my office, saying: &#8218;John, the films are ruined!'&#8220;</p>

<p>Wenige Minuten später stürmt ein praktisch hysterischer Laborassistent namens Dennis Banks in John Morris Büro und schreit: &#8222;Die Filme sind ruiniert! Sie sind ruiniert!&#8220;</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;I said, &#8218;what do you mean&#8216;, he said, you were in such a hurry that I put them in the locker to dry, which was normal, but closed the doors and there was too much heat and the emultion ran&#8220;</p>

<p>Die Filme wären zum Trocknen in ein Trockengerät gepackt worden, sagt er, und er hatte die Tür geschlossen, versehentlich, und die Hitze war zu hoch eingestellt und daraufhin sind die Filme geschmolzen. Morris stürmt los. Die vielleicht wichtigsten Fotos seiner Karriere ruiniert? Er findet noch eine Rolle mit verwertbaren Fotos. 11 Bilder sind da drauf. Und diese Bilder sind dann die Bilder, die Life Magazine dann später drucken wird. Bilder, die wegen der Hitze etwas verwaschen und körniger aussehen und deswegen, da ist sich irgendwie jeder einig, auch dynamischer wirken.</p>

<p>Es sei ja ein Zettel mit dabei gewesen mit ein paar Notizen für die Aufnahmen und die sind dann die Grundlage für das Life Magazine, entsprechende Bildunterschriften zu drucken. Da ist ein Bild, in dem sich Soldaten vor feindlichem Feuer hinter den Stahlbarrikaden verbarrikadieren. Oder ein anderes Bild, in dem man einen Soldaten ans Ufer schwimmen sieht. Alle sind sich einig, dass Robert Capa unglaublichen Mut bewiesen hat, indem er vor diesen Soldaten geschwommen ist, um dieses Bild zu machen und schnell ist auch der Soldat identifiziert, der da drauf angeblich zu sehen ist.</p>

<p>Und ist das nicht eine großartige Geschichte? Das ist ziemlich genau die Geschichte, wie ich sie bisher immer wieder gehört und gelesen habe. Ich habe mir hier mal den Spaß gegönnt, loszuziehen und alle Bücher zusammenzutragen, in denen Fotos von der Normandie zusammen mit dieser Geschichte abgedruckt sind. Und ich habe inzwischen 6 Versionen von dieser Geschichte hier in meiner kleinen Minibibliothek gefunden. Plus die Variante von Robert Capa selbst in &#8222;Slightly out of Focus&#8220;, die ich als Hörbuch habe und die Interviews von John Morris. Hammer. Nur sehr wahrscheinlich so nicht ganz richtig.</p>

<p>Über 70 Jahre lang wird diese Geschichte so erzählt. Und nie ist jemandem etwas sehr offensichtliches aufgefallen: Wie viel Hitze eigentlich notwendig ist, um Filme zu schmelzen. Aber bevor wir dazu kommen; fangen wir doch mal ganz von vorne an. Wie viele Ungereimtheiten tauchen in dieser Geschichte auf, wenn man sie sich genau anschaut?</p>

<p>Der Fotograf, Autor und Journalist A. D. Coleman hat sich vorgenommen, diesen Mythos mal auf Herz und Nieren zu prüfen und hat darüber eine ganze Reihe an Artikeln geschrieben. Es fängt damit an, dass er die Beobachtung aufstellt, dass diese Geschichte ausschließlich von Leuten erzählt wird, die keine Dunkelkammererfahrung haben. Es stellen sich nämlich ein paar Fragen. Das geht schon damit los, dass John Morris behauptet, dass die gesamte Entwicklung- und Trockenaktion wenige Minuten gedauert hätte. Es geht aber dann mit dem angeblichen Unfall gleich weiter. Da sei es ja so gewesen, dass diese Trockenkammer aus Versehen geschlossen worden sei und dann zu heiß wurde, da tauchen mehrere Fragen auf:</p>

<p>Frage Nummer eins: Ja, solche Kammern sind eigentlich immer geschlossen, weil Filme, die feucht sind, Staub anziehen. Und genau das gilt es zu verhindern. Und dann ist es auch so, dass diese Kammern jetzt nicht gerade astronomisch heiß werden, denn es geht ja nur darum, Feuchtigkeit zu trocknen. Da ist keine Herdplatte darin. Ich habe hier übrigens obendrein noch ein kleines Experiment gemacht und Kodakfilm auch eine glühende Herdplatte gelegt und ich kann sagen: Die angeblich so behandelten Filme, die ja dann gar kein Bild mehr gezeigt haben sollen, na ja, das kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Weil Film schmilzt zwar und verzieht sich auch, aber ich konnte hier auf meinen Negativen nach wie vor Bilder sehen. Und zwar ordentlich. Gut, in den 40er Jahren waren die Filme vielleicht anfälliger, was weiß denn ich, aber ich glaube auch, dass meine Ceranherdplatte etwas heißer ist als das Heizelement, das üblicherweise zum Trocknen von feuchtem Film verwendet wird. Also wie heiß soll das denn bitte da drin gewesen sein, dass in wenigen Minuten 4 Rollen Film ruiniert sind?</p>

<p>An anderer Stelle wird dann auch gesagt, dass die Emulsion sich zusammengezogen hätte und deswegen sieht man an den Negativen, dass die Stanzungen mit in den belichteten Teil hereinragen. Das wäre so ein Beweis für die Hitze, die da gewirkt hat. Stimmt auch nicht. Kontakts 2 Kameras waren dafür bekannt, dass die ausgeleuchtete Kammer etwas in den Rand hineinragte, das heißt, Fotos, die mit diesen Kameras gemacht wurden, sahen eigentlich immer so aus.</p>

<p>Von da ausgehend stellte sich Coleman die Frage, was eigentlich noch seltsam an dieser Geschichte sein könnte. Und da tauchen auch mehrere Dinge auf. Die erste Frage, die einem in den Sinn kommt, ist: Warum genau wurden die Filme eigentlich per Kurier verschickt? Wenn Robert Capa doch nach London zurückkehrte, warum hat er diese Filme nicht selbst zum Entwickeln gebracht? Und wie kann es eigentlich sein, dass es Filme von vor der Landung und nach der Landung gibt, die völlig unproblematisch entwickelt worden waren? Nur die Rollen von der Landung selbst sollen ein Problem gehabt haben?</p>

<p>Und mit diesen Fragen im Kopf hat sich dann Coleman mit den Fotos näher auseinandergesetzt und versucht, den Ort zu identifizieren, an dem Robert Capa an Land gegangen ist. Seiner eigenen Schilderungen nach ist er praktisch mitten im Kampfgeschehen angelandet, gleich um 6:30. Und das kann nach Coleman eigentlich nicht sein. Es gibt mindestens ein Bild, auf dem kann man anhand sichtbarer Erkennungsmarken identifizieren, wer auf dem Foto abgebildet ist. Und die Soldaten, die dort abgebildet sind, sind weder um 6:30 angelandet, noch war es der hart umkämpfte Strandabschnitt, den Robert Capa angeblich besucht haben will. Stattdessen war es ein eher ruhiger Abschnitt. Also, ruhiger, nicht unbedingt ungefährlich, aber doch nicht so hart umkämpft wie die anderen Bereiche. Und die Leute, die angeblich laut Life Magazine Bildunterschrift hinter einem Stahlgerüst in Deckung gehen, sind auch keine Soldaten, die dort in Deckung gehen, sondern Soldaten mit dem Auftrag, diese Stahlgerüste wegzusprengen, das heißt, die sind da absichtlich und bringen Sprengladungen an. Damit ist natürlich auch der einzelne Soldat, den Robert Capa in dem berühmtesten dieser 11 Fotos aufgenommen hat und von dem man glaubte, zu wissen, wer es ist, jemand ganz anderes gewesen.</p>

<p>Fassen wir also zusammen: Es sieht so aus, als wäre Robert Capa später als angegeben und an einer anderen Stelle als behauptet zur action an Omaha Beach zugestoßen. Da war die erste Welle schon vorbei. Da waren die größten Kampfhandlungen wahrscheinlich schon erledigt. Und obendrein war es ein Stück vom Strand, an dem weniger Gegenfeuer zu erwarten war. Den Dunkelkammerunfall hat es womöglich so nie gegeben.</p>

<p>Stellt sich nur die Frage, warum John Morris das denn behauptet, da hilft es, zu wissen, dass John Morris selber eigentlich keine Ahnung hat, was so ein Fotolabor alles macht. Also entweder ist irgendein Unfall passiert und er gibt es falsch wieder, oder womöglich hat Robert Capa nie 4 Rollen Film produziert, sondern einfach nur 10 Mal abgedrückt und danach in Panik das Schiff zurückgenommen und deswegen hat John Morris einen Mythos erfunden. Vielleicht war es auch ganz anders. Die Unternehmen aber, die an dem Mythos, dem Ruhm und natürlich auch dem finanziellen Wert des Mythos Robert Capa arbeite, also Magnum Photos oder auch das international Center of Photography oder die Capa Stiftung, die haben alle kein Interesse daran, dabei zu helfen, diese Fragen abschließend aufzuklären. Denn dieser Mythos wird jedes Mal, wenn D-Day in ein rundes Jubiläum geht, aufs neue wieder und wieder erzählt.</p>

<p>Und diese Bilder sind eindrücklich. Und ähnlich wie vorhin bei dem Bild des gefallenen spanischen Soldaten denke ich mir auch hier: Es ist eigentlich egal. Klar, mit journalistischer oder dokumentarischer Ethik hat diese Anekdote wahrscheinlich nicht viel zu tun. Aber die Wahrheit ist: Diese Soldaten, die in diesen Aufnahmen gezeigt werden, haben ihr Leben an Omaha Beach riskiert. Capa hat sein Leben dort riskiert, auch wenn er es vielleicht nicht ganz so sehr riskiert hat, wie der Mythos uns glauben machen will.</p>

<p>Die Bilder sind eindrücklich, auch heute noch. Sie sind übrigens auch unscharf. Nehmt das, ihr Schärfefanatiker da draußen! Und ob die Unschärfe nun, wie er selbst in seiner Biografie schreibt, durch seine zitternden Hände zustande gekommen ist oder durch einen Laborunfall, ist doch eigentlich auch völlig egal.</p>

<p>Was bleibt, ist allerdings trotzdem die Feststellung: An Robert Capa ist praktisch nichts echt. Der Name ist erfunden, der Spanische Soldat kommt mit einer Menge Fragezeichen daher, die D-Day Fotos sind anders entstanden, als uns erzählt wird und für mich werfen sich damit Fragen auf, wie wer war Robert Capa eigentlich wirklich und wie oft schauen wir uns Bilder an, von denen wir glauben, zu wissen, was sie zeigen, die mit der Wirklichkeit nicht ganz so viel zu tun haben, oder anders formuliert: Was schauen wir uns beim Blick auf die Fotos vom D-Day an? Unsere eigenen Überzeugungen, Robert Capas Bildgestaltung oder ein Abbild der Wirklichkeit?</p>

<p>Robert Capas Werk ist sehr real. Es sind großartige Aufnahmen aus den verschiedensten Kontexten und er ist für mich ein gutes Beispiel, wie Fotografinnen und Fotografen manchmal auf ein oder zwei Dinge reduziert werden.</p>

<p>Nach dem Krieg wird Robert Capa amerikanischer Staatsbürger. 1947 kommen seine Kriegsmemoiren &#8222;Slightly out of focus&#8220;, eine Anspielung auf die zitternden Hände, die seiner Aussage nach für die Unschärfe in den D-Day Fotos verantwortlich war, auf den Markt und wird ein Bestseller. Er gründet Magnum Photos und lässt es erstmal etwas ruhiger angehen. Reisebücher, Sozialreportagen und dazwischen immer wieder wichtige Fotoessays. Er besucht Israel, wo er die dortige Unabhängigkeitsbewegung und dann die Flüchtlingsströme dokumentiert.</p>

<p>Er ist in Japan, um dort eine Reportage über Kinder zu machen, als ihm von Life Magazine ein Auftrag angetragen wird: Er soll einspringen. Ein Fotograf war ausgefallen, der in Indochina den dort herrschenden Krieg dokumentieren sollte und Capa wurde gefragt, ob er nicht dafür verfügbar wäre. Es ist sein letztes Assignment. Bei dem Versuch, eine Gruppe Soldaten beim Vormarsch zu fotografieren, tritt er auf eine Landmine.</p>

<p>Das war nun also meine Folge zu den D-Day Fotos von Robert Capa. Und in vielerlei Hinsicht ist diese Episode eine Art Fortsetzung von Folge 7, &#8222;Die kleine Blonde&#8220;, in der ich die Geschichte von <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> erzählt habe, ohne die uns der Name Robert Capa nie untergekommen wäre. Der Mann ist ein Mythos und die Figur, die wir mit Robert Capa verbinden, existiert so nicht. Und die Geschichten, die an seinen Bildern hängen, zum Teil auch nicht.&nbsp;</p>

<p>Was bleibt, ist ein Bildstil, den Robert Capa geprägt hat. Eine Branche, die er nicht zuletzt durch die Gründung von Magnum Photos uneinholbar verändert hat. Politische Bewegungen, die er zum Teil mit seinen fantastischen Fotografien ausgelöst hat. Und ein Talent für Fotos, die uns bis heute berühren können. &#8222;Ist es nicht gut genug, bist du nicht nah genug dran&#8220;. Das ist das berühmte Zitat von ihm. An ihn selbst kommt man allerdings nur sehr sehr schwer.&nbsp;</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 17 Apr 2021 13:45:42 GMT</pubDate>
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            <title>Die beste Fotografin der Welt</title>
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            <description>Margaret Bourke-White meisterte gleich mehrere Fotogenres und wurde durch ihre Furchtlosigkeit und ihr Talent zu einer Fotografin mit Celebrity-Status und Vorbild.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Margaret Bourke-White meisterte gleich mehrere Fotogenres und wurde durch ihre Furchtlosigkeit und ihr Talent zu einer <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> mit Celebrity-Status. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Bourke-White" target="_blank">Margaret Bourke-White (Wikipedia)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/us-kriegsberichterstatterin-bourke-white-die-frau-die-auf-den-mond-wollte-a-951014.html" target="_blank">Frau unter Feuer (Spiegel)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/margaret-bourke-white-in-berlin-in-schwindelnder-hoehe-vor-grausigem-abgrund-12034877.html" target="_blank">In schwindelnder Höhe, vor grausigem Abgrund (FAZ)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20111008102721/http://persephonemagazine.com/2011/02/badass-ladies-of-history-margaret-bourke-white/" target="_blank">Badass Ladies of History: Margaret Bourke-White</a></li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="717" src="https://fotomenschen.net/assets/original-1024x717.jpg" alt="Ein Mann steht auf einer geschwungenen, metallischen Dachstruktur mit Blick auf eine nebelverhangene Großstadt." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="559" height="559" src="https://fotomenschen.net/assets/1dced44560a0db80255f34ba63247049.jpg" alt="Eine Frau in Uniform sitzt im Freien mit einer Vintage-Kamera vor sich auf einem Tisch und ist von mehreren Gepäckstücken umgeben." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="416" height="594" src="https://fotomenschen.net/assets/bourke-white_six_stacks_otis-steel-cle.jpg" alt="Eine lange Reihe industrieller Schornsteine steht unter einem bewölkten Himmel und verjüngt sich nach hinten, wobei kleine Figuren am basischen Rauch sichtbar sind."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="882" height="680" src="https://fotomenschen.net/assets/Ghadi.jpg" alt="Ein glatzköpfiger Mann sitzt auf einem Bett und arbeitet an Papieren, neben ihm steht eine große Speichenradkonstruktion." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="372" src="https://fotomenschen.net/assets/margaret-bourke-white-moscow-bombing-july-1941.jpg" alt="Mehrere Feuerwerke explodieren am Nachthimmel über einer dunklen Stadtsilhouette."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="338" height="450" src="https://fotomenschen.net/assets/bourke_foundry-molten-metal1.jpg" alt="Wasser fließt aus einem vertikalen Rohr in ein Becken und bildet einen Schleier aus herabstürzendem Wasser und Dampf."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="400" height="322" src="https://fotomenschen.net/assets/114514.jpg" alt="Eine Gruppenaufnahme zeigt viele Männer in formeller Kleidung, die nebeneinander posieren."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="1000" src="https://fotomenschen.net/assets/ALABAMA-CHANIN-WOMEN-WHO-INSPIRE-MARGARET-BOURKE-WHITE-PHOTO-CREDIT-TIME-MAGAZINE-1.jpg" alt="Ein junger Mensch in Uniform und Mütze blickt durch eine große Kamera, die er auf einem Geländer hält." /></figure></li></ul></figure>

<div class="yt-facade" data-yt="TbLytLCZroc" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_TbLytLCZroc.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<div class="yt-facade" data-yt="EdiFfTFCesI" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_EdiFfTFCesI.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B01KUGU72O" target="_blank" rel="noopener">Portrait of Myself (English Edition)</a></p>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>1942, eine junge, gutaussehende Frau schleppt mehrere große, schwere Kisten vollgestopft mit Kameraequipment an Board eines Militärschiffs. In ihrer Tasche: Die hochoffizielle Genehmigung, dass sie im Auftrag des Life Magazine an der hochgeheimen Invasion in Nordafrika teilnehmen darf. Als [?] journalist. Als <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> will sie die Landung der Truppen festhalten.</p>

<p>Diese Genehmigung überhaupt zu bekommen, hat sie Monate hartnäckiger Arbeit gekostet und es ist ein absolutes Novum. Noch nie wurde offiziell eine weibliche Fotografin in den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> geschickt. Es gibt sowieso kaum weibliche <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>. Geschweige denn weibliche <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalistinnen</a>.</p>

<p>Der Großteil der Truppen kommt mit dem Flugzeug als Truppentransporter. Margaret Bourke-White wollte eigentlich auch in so einem Flugzeug sitzen, wurde aber in letzter Minute von einem diensthabenden Offizier davon abgehalten. &#8222;Unsere Flugzeuge haben keinen Platz für eine Frau! Nehmen Sie das Schiff.&#8220;</p>

<p>Ja, scheiße. Damit war es das wohl gewesen mit dem Auftrag, die Landung der Truppen zu dokumentieren, denn das Schiff braucht natürlich deutlich länger. Ihre männlichen Kollegen haben dieses Problem nicht, die fliegen selbstverständlich mit den Truppen mit. Aber sie lässt sich nicht entmutigen. Sie wird halt mit dem arbeiten, was sie vorfindet.</p>

<p>Die Tage auf See ziehen sich endlos. 2 Tage noch, dann wird sie auch endlich da sein, so wie ihre Kollegen. [Dumpfes Knallgeräusch]</p>

<p>Das Torpedo ist ein Volltreffer. Margaret greift in Panik noch schnell ihre Schwimmweste, versucht noch, eine Kamera mitzunehmen, aber die Dinger sind groß und schwer und so lässt sie sie zurück. Sie rennt zu dem ihr zugeteilten Rettungsboot und sieht dann, zusammen mit den anderen 16 Insassen zu, wie sich das Kriegsschiff, das sie an die Küste bringen sollte, langsam neigt und in den Fluten versinkt. Sie wird später in ihre Biografie schreiben, dass sie nie mehr Angst hatte, als in diesem Moment und außerdem grenzenlos bereute, keine kleineren Kameras mitgenommen zu haben. Was für großartige Bilder hätte sie machen können? Was für eine Killerreportage wäre das geworden? Jetzt, mit Rettung ungewiss und deutlicher Verspätung, wer weiß, ob da überhaupt noch etwas daraus wird? Solche oder ähnliche Gedanken müssen ihr durch den Kopf gegangen sein, als britische Kampfflugzeuge die Schiffbrüchigen aufspürten und die Rettung veranlassten.</p>

<p>Und dass da nicht nur Soldaten, sondern auch eine Frau mit an Board gewesen war, eine Fotoreporterin noch dazu, war sofort eine Sensation. Als Margaret Bourke-White dann endlich an ihrem Ziel ankam, war die Geschichte schon auf dem Weg um die Welt und sie eine Berühmtheit. Die furchtlose amerikanische Kriegsreporterin, die einen Torpedoangriff überlebte, um davon berichten zu können. Das war eine Nachricht, die allen anderen die Schau stahl. Eine ihrer männlichen Kollegen begrüßt sie grimmig: &#8222;Ich sitze hier stundenlang rum und warte darauf, dass ich endlich mal zur Action darf und dann kommt da diese Tussi daher und hat auch noch das Glück, einen Torpedoangriff zu überleben.&#8220;</p>

<p>Aber nicht nur das, eigentlich wollte Margaret Bourke-White ja sowieso da hin, wo die Action ist. Es ging ja um die US Airforce. Also musste man ihrer Meinung nach mindestens ein Mal auch bei einem Angriff mitgeflogen sein. Bisher hatte man ja dafür die Genehmigung verweigert. Aber nach dem überstandenen Torpedoangriff hat der Befehlshaber ein Einsehen:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Maggy, do you still want to go on a bombing mission?&#8220;</p>

<p>Er fragt sie, ob sie immer noch an einem Einsatz teilnehmen will.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;I do, but I don&#8217;t want to make a pest of myself, begging.&#8220;</p>

<p>Aber sie will nicht immer betteln, sagt sie.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Well, if you&#8217;ve been torpedoed, you might as well go through everything. And he reached for the telephone and called the 97 bomb group. They were stationed then in the garden of [unverständlich] in the middle of the Sahara desert. And he told them I had permission.&#8220;</p>

<p>&#8222;Jetzt hast du ein Torpedo überlebt, jetzt kannst du den Rest auch sehen&#8220;, sagt er und greift zum Telefon und erteilt die notwendigen Genehmigungen. Und so geht Margaret Bourke-White aus dieser Anekdote mit der Genehmigung heraus, einen Bombenangriff begleiten zu dürfen. Mit Kamera. Für Life Magazine.</p>

<p>Und als ob sie zu dem Zeitpunkt nicht schon berühmt genug wäre, gilt sie jetzt als Sensation. Die erste amerikanische, akkreditierte Kriegsreporterin überhaupt. Die erste Frau, die bei einem Bombenangriff teilnehmen darf. Und die erste Fotografin, die einen Torpedoangriff überlebt. Und wie sie da hingekommen ist und was sie dann ab da noch alles gemacht hat, das erzähle ich gleich.</p>

<p>Wem die Geschichte in ihren Grundzügen bekannt vorkam, der ist vielleicht Filmfan. Alfred Hitchcock drehte nämlich den Film &#8222;Lifeboat&#8220; mit einer Geschichte, die ganz eindeutig von dieser Anekdote inspiriert war. Und ich glaub, wer sich mit der Geschichte Margaret Bourke-Whites beschäftigt, der kann wahrscheinlich gar nicht anders, als einen Film drehen zu wollen, da gibt es so viel zu entdecken, so viele firsts, so viele Stationen, die ungewöhnlich sind.</p>

<p>Geboren wird sie 1904 in der Bronx in New York. Sie hat eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder und erbt von ihrem Vater die Leidenschaft für Technologie, speziell Großtechnologie hat es ihr angetan, aber der Vater ist auch Hobbyfotograf und hat diverses Equipment daheim. Ihre Eltern verbindet eine Leidenschaft für die Natur und der unerschütterliche Glaube, dass man alles erreichen kann und vor nichts Angst haben sollte.</p>

<p>Von ihrem Vater übernimmt sie das Interesse an Technologie und die absolute Disziplin. Von ihrer Mutter, so schreibt sie später selber, lernte sie, sich nicht mit dem einfachen Ergebnis zufriedenzugeben. Außerdem haben die Eltern den Ehrgeiz, ihren Kindern jegliche Ängste zu nehmen und so wächst Margaret mit Reptilien und Klettereien in großer Höhe auf.</p>

<p>Zunächst sieht es so aus, als ob die Reptilien ihre Zukunft werden würden. Sie will Reptilienkunde studieren und schreibt sich in der Columbia University ein. Der Vater stirbt, kaum dass sie ein Jahr lang studiert hatte und sorgt dafür, dass die Familie deutlich weniger Finanzmittel zur Verfügung hat. Für sie ist das der Beginn einer kleinen Odyssee durch verschiedene Universitäten und nebenbei der Beginn ihrer Fotokarriere, denn sie beginnt, kleinere Aufträge entgegenzunehmen und damit ihr Einkommen aufzubessern.</p>

<p>Nach 7 verschiedenen Universitäten und diversen Kursen erwirbt sie an der Cornell University den Bachelor of Arts und zieht letztlich nach Cleveland, Ohio, wo sie dann auch ihr erstes offizielles Fotostudio eröffnet. Architektur und große Industrieanlagen haben es ihr angetan. Das war eine Liebe, die sie von ihrem Vater übernommen hatte.</p>

<p>Industrieanlagen fotografieren kann unglaublich öde sein, aber Margaret hat ein Händchen für die perfekte Perspektive. Sie findet Wiederholungen und Muster. Sie schafft es, ungewöhnliche Positionen einzunehmen und vor allem hat sie ein ungewöhnliches Talent, mit den doch in Industrieanlagen sehr schwierigen Lichtverhältnissen umzugehen.</p>

<p>Als einer ihrer ersten Klienten gewinnt sie die Otis Steel Company. Sie überzeugt den Chef, ihr die Genehmigung zu erteilen, in seinen Werken fotografieren zu dürfen. Der rechnete wahrscheinlich damit, dass sie als Fotografin zwei, drei Mal auftauchen würde und Aufnahmen machen und dann irgendwann mit einem Portfolio bei ihm auftauchte, mit der Hoffnung, er wird es ihr abkaufen. Er erteilt ihr also die Genehmigung und geht auf eine Europareise.</p>

<p>Womit er wahrscheinlich nicht gerechnet hatte, war, dass Margaret Bourke-White besessen von dem perfekten Foto war und in dem halben Jahr, in dem er auf Reisen war, praktisch jeden Tag in seine Fabriken fuhr, um dort Aufnahmen zu machen. Hier beschreibt einer ihrer Assistenten, wie sie typischerweise vorging:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;She would take a picture over and over and over again, to the point of absolute boredom. Especially with me, working with her. But also the people who had to sit still for it.&#8220;</p>

<p>Sie war Perfektionistin und irgendwann war ja auch klar, dass gerade in Stahlwerken die Lichtverhältnisse so anspruchsvoll waren, dass sie spezielles Filmmaterial und künstliche Beleuchtung brauchte. Und so fing sie an, Magnesiumfackeln mit in die Fabriken zu bringen, um zu beleuchten. Hatten die Stahlarbeiter anfangs Angst, eine Frau würde vielleicht in Ohnmacht fallen, wenn sie der Hitze ausgesetzt war oder sich in Gefahr bringen, wurde schnell klar, dass Margaret Bourke-White mit einer schlafwandlerischen Sicherheit in diesen Werken herumkletterte und für das richtige Bild vor genau gar nichts Angst hatte.</p>

<p>Es entstehen fantastische Aufnahmen. Aufnahmen, die auch heute noch modern aussehen. Und sie wird diese Aufnahmen nicht nur verkaufen, sondern es sind diese Aufnahmen, die ihr dann die ersten Türen öffnen.</p>

<p>Und ihre Arbeit ist auf vielen Ebenen vollkommen ungewöhnlich. Einmal ist es so, dass in den 1930er Jahren Frauen sowieso kaum mit Kameras unterwegs waren. Es ist die Zeit der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie wird speziell für Frauen beworben und zeichnet sich dadurch aus, dass man nichts einstellen muss, nichts wissen muss, &#8222;You press the button, we do the rest&#8220; war der Slogan der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Company.</p>

<p>Und hier kommt Margaret Bourke-White, eine attraktive, junge, kleine Person und hantiert nicht nur mit Maschinen, um Fotos zu machen, sondern fotografiert auch noch bevorzugt riesige Industrieanlagen. Stahlwerke. Häfen. Schlachthöfe. Und sie ist energiegeladen und furchtlos. Und zielstrebig. Sie nötigt den Männern, die mit ihr zu tun haben, absoluten Respekt ab. Sie nimmt sich Dinge heraus und sie will erfolgreich sein. Ihre Aufnahmen sind jedenfalls außergewöhnlich genug, dass nicht nur die Otis Steel Company ihre Bilder kauft, sondern sie Ausstellungen damit bestreitet und weit über die Grenzen ihres Heimatbundesstaates bekannt wird.</p>

<p>Sie geht zurück nach New York, um dort ein Studium zu eröffnen und bekommt dort den Auftrag, das gerade im Bau befindliche Chrysler Building zu fotografieren. Auch diese Arbeiten sind ein absoluter Erfolg. Sie macht Aufnahmen, die von den Perspektiven her absolut ungewöhnlich sind; Sie klettert draußen am Dach herum und liebt die Architektur des Gebäudes. Besonders die 4 gigantischen Gargoyles, die am Dach angebracht sind, haben es ihr angetan.</p>

<p>Sie beschließt: Sie will eine der wenigen Mieterinnen in diesem Gebäude werden. Mindestens ihr Studium möchte sie im Chrysler Building haben, wenn möglich dort auch wohnen. Sie setzt sich das so sehr in den Kopf, dass sie sich als Hausmeisterin für das Gebäude bewirbt. Das ist allerdings eine Stelle, die jemandem anders zugeschlagen wird. Überhaupt sieht es eine Weile danach aus, als wenn sie noch nicht mal ihr Studio dort mieten darf, denn die Vermieter sind skeptisch: Sie ist eine junge, hochgradig attraktive, bekannte Frau. Da wird es doch mit dem Teufel zugehen, wenn die nicht irgendwann mal heiratet, Kinder kriegt und plötzlich keinen Job mehr hat und dann auch die Miete nicht mehr bestreiten kann.</p>

<p>Zumindest dieses Problem hatte sich allerdings erledigt, als Margaret Bourke-White das Angebot erhält, das neu gegründete Fortune Magazine als Fotografin zu begleiten. Sie war die einzige Frau in der gesamten Belegschaft und Fortune würde als neu gegründetes Bildmagazin die Geschichte der jungen, aufstrebenden Industriekultur in Amerika und weltweit begleiten. Ein Job wie für sie geschaffen.</p>

<p>Sie bekommt also ihr Studio mit Blick auf die Gargoyles und eine Terrasse, auf der sie eigentlich nichts zu suchen hat, auf der sie aber praktisch Besuche empfängt und in einem abgetrennten Bereich zwei kleine Alligatoren hält. Es gab ja mal eine Zeit, da wollte sie Expertin für Reptilien werden. Diese Liebe hat sie nie so richtig abgelegt.</p>

<p>Es gibt diverse Anekdoten, wo Margaret auf Geschäftsreisen nicht nur ihre Kamera, sondern auch noch Reptilieneier, die zum Schlüpfen bereit waren, von irgendwelchen Eidechsen oder anderen Tieren, dabei hatte.</p>

<p>Schlafen darf sie nicht in diesem Studio. Aber sie ist besessen von ihrer Arbeit und so verbringt sie jede freie Minute und oft Tag und Nacht mit Blick über New York City. Und sie fotografiert auch viele Male diesen Blick. Es gibt ein sehr bekanntes Foto von ihr, wo sie raus auf die Terrasse und einen der Gargoyles geklettert war, um eine Aufnahme von Manhattan zu machen, die man sonst nirgendswo so machen konnte. Ihr Assistent, in der Sicherheit des Studios, hält die Kamera auf sie und hält damit ein ikonisches Bild von ihr fest. Und dieses Bild zeigt sie in ihrem Element. Furchtlos und bereit, alles für das richtige Bild zu tun.</p>

<p>Als Mitherausgeberin, Fotografin und Autorin des Fortune Magazins reist Margaret Bourke-White jetzt um die Welt. Sie besucht Deutschland und fotografiert da die IG Farben und in Hamburg den Hafen. Und sie ist die erste westliche Fotografin, die die Genehmigung erhält, in der Sowjetunion die dort neu gebauten Industrieanlagen zu fotografieren.</p>

<p>Die Sowjetunion sah sich im Wettlauf mit den USA und hatte einen mehrere Jahrzehnte andauernden Vorsprung aufzuholen. Margaret fotografiert Großbaustellen, Dämme, Kraftwerke, gigantische Industrieanlagen und zunehmend auch die Arbeiterinnen und Arbeiter.</p>

<p>Inzwischen ist die Mitte-30-jährige eine weltweite Celebrity. Man kennt sie. Sie ist regelmäßig im Radio, um Interviews zu geben und bekannt für ihren extravaganten Lebenswandel. Wenn sie nicht gerade unterwegs ist, weiß sie, wie man sich das Leben angenehm macht. Und sie wird zu einem Vorbild für Mädchen und junge Frauen. Nicht lange und sie steht für die moderne amerikanische Frau. Die weiß, was sie will, die alles erreichen kann. So wird zumindest behauptet.</p>

<p>1936 ist auch das Jahr, in dem ein weiteres ikonisches Magazin gestartet wird: das Life Magazine. Margaret Bourke-White schreibt die erste Titelgeschichte und macht das erste Titelbild des Life Magazines.</p>

<p>1936 ist in der Mitte der Great Depression, also der Weltwirtschaftskrise. Die Not ist unter der arbeitenden Bevölkerung groß in den USA. Und Margaret sieht das. On assignment for fortune and life kommt sie im gesamten Land herum und ihre Fotografie wandelt sich: Die berühmte Industriefotografin wird zu einer gefeierten <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalistin</a>.</p>

<p>1941 reist sie im Auftrag des Life Magazine nach Moskau. Sie ist die einzige westliche Reporterin in der Stadt, als die Deutschen ihren Luftangriff auf Moskau beginnen. Als die Sirenen losheulen und sich alle in Sicherheit bringen, greift sie sich ihr Stativ und ihre Kamera und rennt auf das Dach der Botschaft, von wo aus sie einen hervorragenden Blick auf den Kreml hat. Sie vermutete, das würde das Hauptangriffsziel der deutschen Streitkräfte sein. Und sie würde fotografieren, was immer fotografierenswertes zu sehen war.</p>

<p>Heraus kommen einzigartige Kriegsaufnahmen. Und Margaret fotografiert nicht nur in der Nacht, sondern auch am nächsten Tag. Die Spuren der Zerstörung. Und ist die einzige Reporterin, die diese Aufnahmen machen konnte und in die westliche Welt zurückbrachte.</p>

<p>Als Amerika sich dazu entschließt, in den Zweiten Weltkrieg einzutreten, ist es für Margaret der Startschuss, um eine Akkreditierung als <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalistin</a> anzustreben. Und die amerikanischen Behörden stellen sich erst mal quer. Es ist schon ungewöhnlich genug, dass eine Frau eine bekannte Fotojournalistin ist. Und auch, wenn akzeptiert ist, dass Margaret Bourke-White weiß, mit Risiko umzugehen, ist es dann trotzdem noch ein Riesenschritt, sie offiziell als <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a> anzuerkennen. Fotografie als Männerdomäne. Krieg als Männerdomäne. <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a> als Machomännerdomäne.</p>

<p>Margaret ist zwar nicht die einzige Frau, die im Krieg fotografiert, aber sie ist die einzige Amerikanerin und sie ist die einzige, die es schließlich schafft, offiziell als Fotojournalistin mit den Truppen mitgesendet zu werden.</p>

<p>Das ist der Punkt, an dem sie sich aufmacht, um die Invasion in Nordafrika zu begleiten, einen Torpedoangriff überlebt und die Genehmigung bekommt, bei einem Bombenangriff mitzufliegen. Und auch von dieser Reise wieder einzigartige Aufnahmen mitzubringen.</p>

<p>1945 verliert Deutschland den Krieg. Und Margaret ist wieder unterwegs. Im Gefolge von General George S. Patton reist sie durch Deutschland und ist bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und des Zwangsarbeiterlagers Leipzig-Thekla dabei. Sie macht mehrere berühmte Fotos zu diesen Gelegenheiten. Ihr Bild &#8222;Die lebendigen Toten von Buchenwald&#8220; von 1945 ist eine der berühmtesten und beeindruckendsten Fotografien des 20. Jahrhunderts.</p>

<p>In ihrer Biografie beschreibt sie ausführlich, wie es sich angefühlt hat, das von den Nazis angerichtete Leid zu sehen und diese Menschen zu fotografieren und die Leichenberge. Sie ist dankbar für die Kamera. Sie hält sie nicht nur beschäftigt, sondern ist wie ein Schild, das sie vor sich halten kann, um das Bild, das sich ihr bietet, aushalten zu können.</p>

<p>Auch nach dem Sieg der Alliierten fotografiert Bourke-White weiterhin für die Truppen. Im Herbst 45 erhält sie den Auftrag, die Zerstörung deutscher Städte mit Luftbildern zu dokumentieren.</p>

<p>Zu dem Zeitpunkt gilt Margaret bereits in mehreren Disziplinen als eine der besten Fotografinnen, wenn nicht die beste Fotografin der Welt. Moderne Architekturfotografie, Industriefotografie, Kriegsfotografie, <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportagefotografie</a>, zwischendurch Werbefotografie und Portraits berühmter Persönlichkeiten gehören zu ihrem Portfolio. Berühmte Menschen ihrer Zeit wie Franklin D. Roosevelt, Stalin, Winston Churchill oder Marlon Brando wurden von ihr portraitiert.</p>

<p>1946 reist sie im Auftrag des Life Magazines nach Indien. Das Land ist in politischer Aufruhr. Sie hat den Auftrag, Gandhi zu fotografieren und zu interviewen. Gandhi hat wenig Lust, sich von ihr interviewen zu lassen, so lässt es ihr ausrichten, er würde sie nur als Fotografin zulassen, wenn sie lernen würde, ein Spinnrad zu bedienen. Also lernt Margaret Bourke-White, wie man ein Spinnrad bedient. Sie macht eines der bekanntesten Fotos ihrer Karriere, wenige Stunden vor der Ermordung Mahatma Gandhis fotografiert sie ihn, wie er schweigend vor einem Spinnrad sitzt.</p>

<p>Spätere Reportagereisen wird Margaret dazu nutzen, um zum Beispiel die Teilung Indiens zu dokumentieren. Sie bereist auch Südafrika während der Apartheid und nimmt am Koreakrieg als Korrespondentin teil. Korea ist auch das Land, wo ihr zum ersten Mal auffällt, dass ihre Gelenke, Arme und Beine steif sind.</p>

<p>Daheim lässt sie sich untersuchen und bei ihr wird Parkinson diagnostiziert. Es ist diese Krankheit, die sie dann Mitte der 60er dazu zwingt, ihren Beruf aufzugeben und sich zurückzuziehen. 1963 erscheint ihre Autobiografie und ist über Wochen hinweg auf den Bestsellerlisten der New York Times.</p>

<p>Sie stirbt 1971 im Alter von 67 Jahren. Sie war zwar einmal kurz verheiratet, aber Familie hatte sie nie gegründet und deswegen hinterließ sie auch keine Kinder und keinen trauernden Ehemann. Sie war Wegbereiterin für eine ganze Generation junger Reporterinnen und Fotografinnen.</p>

<p>Ihre Fotografie prägte mehrere Genres, nicht nur eines. Die meisten Fotografen versuchen, ein Genre wirklich gut zu beherrschen. Margaret Bourke-White schien zu meistern, was immer sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Sie hatte eine Gabe, Menschen zu sehen und sie im Bild festzuhalten, wie kaum eine andere und ihre Karriere in einer der turbulentesten Zeiten der Menschheitsgeschichte bot ihr wieder und wieder die Gelegenheit, ikonische Aufnahmen zu machen. Und sie ergriff jede einzelne davon.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 30 Jan 2021 22:33:05 GMT</pubDate>
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