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    <title>Fotomenschen - Model</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Model&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Sun, 30 Jan 2022 16:22:07 GMT</lastBuildDate>
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            <title>Die Schöne und das Biest?</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/die-schoene-und-das-biest.html</link>
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            <description>1981 waren der Fotograf Richard Avedon und die Schauspielerin Nastassja Kinski auf den Höhepunkten ihrer Karrieren und trafen sich zu einem Fotoshooting in dem eine berühmtesten Aufnahme entstand die...</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>1981 waren der Fotograf Richard Avedon und die Schauspielerin Nastassja Kinski auf den Höhepunkten ihrer Karrieren und trafen sich zu einem Fotoshooting in dem eine berühmtesten Aufnahme entstand die bis heute immer wieder nachgeahmt wird. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://magazine.artland.com/stories-of-iconic-artworks-nastassja-kinski-the-serpent/" target="_blank">Stories of Iconic Artworks: Nastassja Kinski &amp; the Serpent, Beauty and The Beast</a> (Artland)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Avedon" target="_blank">Richard Avedon</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nastassja_Kinski" target="_blank">Nastassja Kinski</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.independent.co.uk/life-style/interview-nastassja-kinski-still-a-daddy-s-girl-1241160.html" target="_blank">Interview: Nastassja Kinski &#8211; Still a Daddy&#8217;s Girl</a> (Independent)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/kultur/kino/article108564873/Seine-Frau-und-ich-schreiben-uns-regelmaessig.html" target="_blank">Kinski über Polanski &#8211; ”Seine Frau und ich schreiben uns regelmäßig”</a> (Welt)</li><li><a href="https://nastassja.kinski.us/nastassja-and-the-serpent/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nastassja and the Serpent</a> (nastassja.kinski.us)</li></ul>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="674" src="https://fotomenschen.net/assets/s-l1600-1024x674.jpg" alt="Eine Frau liegt mit zwei Schlangen, die über ihren Körper drapiert sind." /></figure>

<div class="yt-facade" data-yt="OlPCeufl6_I" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_OlPCeufl6_I.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Eigentlich wollte Richard Avedon Poet werden. Zumindest versuchte er das zu studieren an der Columbia University. Geboren und aufgewachsen in New York hatte er durch seine Eltern schon früh Zugang zur Modeindustrie und er war 12 als er zum ersten Mal eine Kamera in die Hand gedrückt bekam. Schriftsteller wollte er eigentlich auch werden, auf jeden Fall etwas mit Kunst. Naja, von all diesen Disziplinen wissen wir ja heute, wurde es letztlich die Fotografie, und zwar speziell die Modefotografie.</p>

<p>Mitte des 20. Jahrhunderts, waren die Bildstrecken in großen Magazinen mit eine der Haupteinnahmequellen für Fotograf/-innen. Entertainment und Mode waren große Geschäftszweige und wer es schaffte sich entweder in Werbefotografie, in Modefotografie oder in dem großen Feld der <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> zu etablieren konnte gutes Geld verdienen.</p>

<p>Richard Avedon entschied sich früh für Mode, Magazine wie Vogue, Harper&#8217;s bazaar oder Life beauftragten ihn und es dauerte nicht lange und er fotografierte Stars und Sternchen. Seine Models waren lebhafter, dynamischer als der damals überwiegende Stil, der in den Magazinen gepflegt wurde.</p>

<p>Er versuchte seinen Models nahezukommen, etwas Wahres, ein Stückchen ihrer Seele zu fotografieren und Richard Avedon war der Überzeugung, dass das geht. Dadurch wurden aus seinen Bildern allerdings Kunstwerke, es ging nicht nur noch um den Verkauf von Mode oder Accessoires oder um das Darstellen von Sternchen, sondern er versuchte einzigartige Motive zu schaffen. Diese Ideen trugen ihn über 5 Jahrzehnte Fotografie hinweg, Richard Avedon hatte Marylin Monroe und Hilary Clinton vor der Kamera. Und es entstanden viele berühmte Fotos. Für die Episode heute geht es mir um ein Foto, dass er 1981 machte. Avedon war von Vogue beauftragt worden, eine der heißesten Starletts der damaligen Zeit zu fotografieren: Nastassja Kinski. Die hatte mit ihren damals gerade mal 21 Jahren schon eine recht illustre Karriere und diverse Skandale hinter sich. Mit nur 13 Jahren hat sie ihre erste große Rolle in einem Film von Wim Wenders und macht Schlagzeilen, denn in diesem Film ist sie, als 13-jährige, oben ohne zu sehen.</p>

<p>Was sie dann zwei Jahre später mit 15 in einem anderen Film durch eine komplette Nacktszene noch übertraf. Es muss auch dieses Jahr gewesen sein als sie Roman Polanski auf einer Party kennenlernt. Der rät ihr sich mit Method Acting zu beschäftigen, einer Schauspieltechnik, bei der man sich komplett in die Rolle fallen lässt und versucht diese auch im Alltag relativ intensiv weiter zu leben. Es kam das Gerücht auf, dass der damals 45 jährige Roman Polanski mit der gerade 15 Jahre alten Nastassja Kinski eine Liebesbeziehung anfing, eine Behauptung, die zu dem, was wir über Roman Polanski zu wissen glauben passt, die aber von beiden immer wieder bestritten wird.</p>

<p>Nastassja Kinski jedenfalls reitet die Welle, sie ist nicht nur ein auftseigender Star in Hollywood und räumt einen Preis nach dem anderen ab, sie ist auch der feuchte Männertraum ihrer Generation. &#8222;Sex sells&#8220; denkt sie sich, &#8222;Sex sells&#8220; denken sich die Männer um sie herum und so wird sie gnadenlos von einer sexualisierten Industrie ausgenutzt, wobei die Grenze zwischen Ausnutzen und einer von ihr aktiv mit voran getriebenen Sexualisierung schwer zu ziehen ist.</p>

<p>Sie ist jedenfalls auf dem Höhepunkt ihrer Modeling, Schauspiel und ihrer Sexsymbol Karriere als sie eben 1981 auf Richard Avedon trifft. Sie hatten zwei Stunden geplant und in diesen zwei Stunden mussten originelle Fotos entstehen und nach allem über diesen Fotoshoot hört und liest muss es erstmal ziemlich öde gewesen sein. Richard Avedon hat natürlich Ressourcen, die andere nicht haben und so gab es anscheinend einen ganzen Zoo von verschiedenen Tieren, die er für diesen Fotoshoot bereitgehalten habe. Sie würde, so die Idee, mit Modeaccessoires und eben diesen verschiedenen Tieren posieren und dabei idealerweise nackt sein.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;We brought in all kinds of animals, like monkeys, two snakes and a papagei and you know theses big birds and all of that.&#8220;</p>

<p>Und keins dieser Bilder schien wirklich so richtig erfolgreich zu sein, irgendwann schlug Nastassja dann vor, dass eine der am Set anwesenden Schlangen, eine Boa constrictor, doch vielleicht das ideale Tier für den Fotoshoot wäre. Und eine Boa constrictor ist eine gewaltige Schlange, bis zu 3,60m wird die lang. Nastassja Kinski legte sich also nackt auf den Betongboden und die Schlange wurde ihr auf den Körper drapiert, außer einem meiner Meinung nach ziemlich hässlichem Armreif hat sie nichts an. Auf dem Bild ist eine brillante Komposition zu sehen, die Schlange schlängelt sich an ihren Beinen über ihren Scharm hinweg bis zu ihrem Ohr und Richard Avedon schaffte es genau die Millisekunde festzuhalten, in der die Schlang in Nastassja Kinskis Ohr zu züngeln scheint.</p>

<p>Sie schaut dabei völlig ruhig in die Kamera.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Did it frighten you to be engolved in the Snake, to be wrapped up &#8211; No, no &#8211; didn&#8217;t frighten you? &#8211; No, I think it was more frightened than I was, she was very afraid of every movement my body did, so as soon as I did a movement she would do a movement and we would keep on moving and we would never, you know, sort of get to each other. &#8222;</p>

<p>Auf die Frage, ob sie Angst gehabt hätte sagt Nastassja Kinski: &#8222;Ne, eigentlich garnicht&#8220;, sie ist der Meinung, die Schlange hatte eigentlich mehr Angst vor ihr als umgekehrt, immer wenn sie sich bewegte oder irgendwas an dem Set sich veränderte, schien die Schlange zu erschrecken und zuckte sich oder bewegte sich, anders als der Bildaufbau es eigentlich nahelegen würde. Und so bastelte man mit dem Tier an dem Set herum, bis es eben genau diesen einen perfekten Augenblick gab und ein Foto schuf, von dem alle, die den Abzug sahen, sofort wussten, das ist ein Winner.</p>

<p>Vogue kaufte das Bild, es wurden Poster gedruckt und das Motiv ging um die Welt, Nastassja Kinski war sowieso schon Sexsymbol, ab jetzt hing sie als nackte Schönheit mit Schlange in den Teenagerzimmern der Welt. Und natürlich kommt hier viel zusammen, da ist einmal ihr wirklich ruhiger und kontrollierter Blick, die Erotik, die dieses Bild ausstrahlt, die Assoziation mit der Schöpfungsgeschichte, mit der Schlange, die Eva verführt, sie züngelt ihr ja ins Ohr. Und dann kommt noch dazu, dass Schlangen, besonders diese, die sich um Frauenkörper winden, ein Jahrtausende altes Fruchtbarkeitssymbol sind.</p>

<p>Das Foto wird jedenfalls so ikonisch, dass es danach immer wieder zitiert und nachgeahmt wird, so ließ sich beispielsweise Jennifer Lawrence von dem Fotografen Patrick Demarchelier mit einer Boa Constrictor liegend, nur mit einem Armband bekleidet fotografieren.</p>

<p>Und mal ganz ehrlich Leute, irgendwie ist es doch bizarr, oder? Ich meine wie stelle ich mir die Planung für so einen Fotoshoot vor: &#8222;Ja also wir dachten wir machen einen künstlerischen Akt, einen Akt der die Unabhängigkeit und die kraftvolle Selbstbestimmung unseres Models betont. Sie wird nackt auf dem Bauch liegen und die Kamera und damit den Betrachter direkt fixieren und für den künstlerischen Ausdruck dachten wir, bringen wir noch eine animalische, erotisierende Komponente ins Bild, wie wäre es, wenn eine Boa constrictor über ihren Körper schlängelt? [ Einspieler Applaus]</p>

<p>Allerdings muss ich zugeben, gerade wenn ich diese beiden Fotos, die ich heute erwähnt habe, also die Aufnahme von Nastassja Kinski und die von Jennifer Lawrence vergleiche, wird schon klar, warum &#8222;Nastassja Kinski and the serpent&#8220; von Richard Avedon die berühmtere Aufnahme ist.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 30 Jan 2022 16:22:07 GMT</pubDate>
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            <title>Len(n)a, The First Lady of the Internet</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/lenna-the-first-lady-of-the-internet.html</link>
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            <description>Diesmal geht es um die Geschichte die jedes Foto auf unseren Handies mit einem schwedischen Playmate verbindet.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Diesmal geht es um die Geschichte die jedes Foto auf unseren Handies mit einem schwedischen <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playmate</a> verbindet. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wired.com/story/finding-lena-the-patron-saint-of-jpegs/" target="_blank">Wired &#8211; Finding Lena, the Patron Saint of JPegs</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://onezero.medium.com/a-nude-playboy-photo-has-been-a-mainstay-in-testing-tech-for-decades-b8cdb434dce1" target="_blank">A Nude ‘Playboy’ Photo Has Been a Mainstay in Testing Tech for Decades</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.vice.com/en/article/meet-lenna-the-first-lady-of-the-internet-2/" target="_blank">Lena, the First Lady of the Internet</a> (VICE)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lena_(Testbild)" target="_blank">Len(n)a Testbild</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lena_Fors%C3%A9n" target="_blank">Lena Forsén, neé Söderberg</a> (English, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/politik/vom-playmate-zur-first-lady-a-b2c451d2-0002-0001-0000-000008719750?context=issue" target="_blank">Vom Playmate zur First Lady</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/schaerfstes-farbbild-der-welt-zeigt-playmate-lena-soederberg-a-849622.html" target="_blank">Schärfstes Farbbild der Welt zeigt schwedisches Playmate</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/codelikeagirlau/videos/985614161797010/" target="_blank">&#8222;Losing Lena&#8220; &#8211; sehr sehenswerte 30 minütige Dokumentation</a> auf Facebook Watch</li><li><a href="https://www.losinglena.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Losing Lena</a> Webseite</li></ul>

<p class="has-small-font-size">Bildquelle: By Original full <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a>: &#8222;<a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playmate</a> of the Month&#8220;. <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playboy</a> Magazine. November 1972, photographed by Dwight Hooker.This 512&#215;512 electronic/mechanical scan of a section of the full <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a>: Alexander Sawchuk and two others[1] &#8211; The USC-SIPI image database, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=20658476</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Na, heute schon ein Foto gemacht? Wahrscheinlich, wenn die Antwort jetzt gerade ja war, waren das Dateien im JPEG Format. Ja und heute werde ich erzählen, was das mit dem Playboy zu tun hat.</p>

<p>Zwei Bildformate dominieren die moderne Technologiewelt. Das JPEG und das GIF. Beide lösen für sich ein ganz bestimmtes Problem besonders gut, nämlich die Frage, wie ganz bestimmte Inhalte am besten platzsparend abgespeichert werden können. Bis es soweit war, dass man an dieser Stelle angekommen war, sind allerdings Jahre von Forschung und Jahre von Tests nötig gewesen. Und die nehmen ihren Anfang irgendwo in den 60er, 70er Jahren. Das ist die Zeit, in der Computer mehr und mehr auch grafische Aufgaben erledigen und damit die Notwendigkeit entsteht, ordentliche, austauschbare Grafikformate zu entwickeln und sich deswegen entsprechende Arbeitsgruppen formen.</p>

<p>Manche Universität leistet sich gar einen kompletten eigenen Arbeitsbereich, der sich mit Signal- und Imageprocessing beschäftigt. So zum Beispiel die University of Southern California. Und wie alle derartigen Gruppen beschäftigten die sich mit zwei Dingen: 1. Bilder bearbeiten, 2. Bilder abspeichern.</p>

<p>Jetzt gab es natürlich ein Problem. Man musste ja mit irgendwas testen. Und anders als heute gab es damals noch keine unendliche Auswahl von Testfotografien. Wenn man also ein Testbild brauchte, um zum Beispiel einen Algorithmus zu prüfen, ja, dann musste man für ein entsprechendes Testbild sorgen, also ein Foto nehmen und es scannen. Ja, und dann gab es da diesen denkwürdigen Tag 1973, an dem genau diese Aufgabe anstand und einer der Mitarbeiter der Arbeitsgruppe in der University of Southern California es für eine gute Idee hielt, den zufällig herumliegenden Playboy zu nehmen und da drin ein geeignetes Bild auszusuchen. Eins mit schönen, gleichmäßigen Flächen, wo die Farben nicht so wild durcheinander sind.</p>

<p>Zum Beispiel dem Centerfold. Wer mit dem Begriff Centerfold jetzt nichts anfangen kann, kein Problem, gemeint ist das doppelseitige Poster in der Mitte jedes Playboys, das das Playmate des Monats in unserem Beispiel des Monats November 1972 zeigt. Miss November 1972 war die Schwedin Lena Söderberg.&nbsp;</p>

<p>Die war zu der Zeit in den USA als au pair für ein Familienmitglied und hatte wie die meisten 21-jährigen chronische Geldprobleme. Weil sie aber wirklich hübsch war, begann sie zu modeln. Katalogfotos, Werbung für Schmuck und später, nachdem sie nach New York umgezogen sein sollte, würde sie auch als <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Girl Werbung für Kameras und Fotografie machen. Es war jedenfalls das Jahr 1972, der Anfang ihrer Modelkarriere, in dem sie dann auch einen Fotografen kennenlernte, der Nacktbilder für den Playboy machte. Für welches Magazin der jetzt nun genau diese Bilder machte, war Lena freilich egal. Das Geld war gut und sie hatte sowieso kein Problem damit, sich für ästhetische Fotos auszuziehen. Schweden war auch schon damals etwas entspannter mit Nacktheit als die Amerikaner.</p>

<p>Zurück zu unserer Arbeitsgruppe. Die waren happy mit den Ergebnissen und sie dokumentierten und demonstrierten ihre Arbeit und reichten damit auch in schöner Regelmäßigkeit Lenas Bild weiter. Und so wurde Lena dann, ohne es zu wissen, zum Vorzeigeobjekt in diesem Imaging Lab. Und nicht nur da. Die Algorithmen, die Arbeit, die Leute, die beteiligt waren. Die zogen ja auch weiter.&nbsp;</p>

<p>Jetzt darf er sich das nicht so vorstellen, als würden da dauernd Nacktbilder herumgereicht werden. Die Arbeitsgruppe hatte ja das obere Drittel des Centerfolds genutzt und es war nichts anderes als ein Porträt von Lena. Für den unwissenden Betrachter zeigte das Bild einfach eine junge brünette Frau, die über eine nackte Schulter hinweg Richtung Betrachter blickt.&nbsp;</p>

<p>Und dann kam es so, wie es kommen musste. Wenn immer dasselbe Testbild verwendet wird, wird es irgendwann zu einer Art de facto STANDARD. Und so wurde Lena in Lehrbüchern abgedruckt, in Informatikveröffentlichungen als Beispielbild gezeigt, verwendet, um neue Algorithmen mit den Ergebnissen der alten Algorithmen zu vergleichen und so weiter. Lena wurde eine Art kleine Berühmtheit.&nbsp;</p>

<p>Der Playboy bekam natürlich auch irgendwann mal Wind davon, dass eins ihrer Bilder zirkulierte und ist auch dafür bekannt, normalerweise relativ hart einzuschreiten. Hier war es dann allerdings so, dass es anscheinend so viele Verstöße gab, dass die Rechtsabteilung des Playboy irgendwann aufgab. Ganz offiziell hat der Playboy irgendwann mal beschlossen, dieses Bild nicht zu ahnden, weil es eine Art kulturelles Phänomen wäre und man deswegen beschlossen hatte, das zuzulassen, dass dieses Bild verwendet wird.&nbsp;</p>

<p>Ist wahrscheinlich auch einfach verdammt gute Werbung für den Playboy, kann ich mir vorstellen. Denn in der ganzen Zeit konnte man, wenn man wollte, sehr wohl rausfinden und wissen, woher dieses Bild stammt.</p>

<p>Lena hat es dann irgendwann auch mal erfahren und hatte damit wahrscheinlich auch erst einmal kein Problem. Es wurde ihr auch über die Jahre immer wieder mal Verehrung zuteil und man lud sie ein, z.B. zum 50-jährigen Jubiläum der für Bildverarbeitung zuständigen Arbeitsgruppe im i triple e. Da machten dann Informatiker mit ihrer Selfies und sie bekam eine Plakette überreicht auf der stand &#8222;First Lady of the Internet&#8220;. Denn sie konnte von sich behaupten, dass das erste überhaupt im Internet kopierte JPEG vermutlich ihr Bild gezeigt hatte. Das ist grundsätzlich jetzt schon mal cool.</p>

<p>Allerdings machten sich dann ab den 90ern auch immer mehr kritische Stimmen Luft, denn man kann ja mal festhalten, dass es ja trotzdem noch ein Centerfold ist. Und stellen wir uns doch mal für einen Moment vor, wie es sich angefühlt haben muss, wenn man als eins von wenigen Mädchen in einer Klasse mit ganz vielen Jungs sitzt, um sagen wir mal zum Beispiel über künstliche Intelligenz oder Bildverarbeitung oder was auch immer zu sprechen und dann feststellt, dass das Foto, das als Beispiel verwendet wird, ein Centerfold, ein Nacktbild also ist. Wenn also eine Horde unter Umständen auch noch pubertierende Jungs Nacktfotos von Frauen googeln, während man selber als Mädchen dazwischen sitzt, kann man sich finde ich auch mal ausgeschlossen fühlen.&nbsp;</p>

<p>Und das ist tatsächlich so ein Hauptproblem. Gerade diese Beiläufigkeit, diese Folgenlosigkeit, mit der so ein Bild jahrzehntelang als Testfoto erhielt, gab dann doch einigen zu denken. Und es war sogar noch 2012 so, dass eine Arbeitsgruppe aus Singapur der Welt schärfstens Farbfoto mit einem Foto von Lena demonstrierte. Deswegen gründete sich irgendwann eine Initiative mit dem Ziel, die Nutzung von Lena als Standardbeispielfoto abzulösen. Es ist ja längst nicht mehr so, dass wir nicht ausreichend Beispielfotos hätten, mit denen man Algorithmen testen kann. Und in immer mehr Szenarien brauchen wir auch diese Vergleichbarkeit gar nicht, die damals ebenso hochgehalten wurde.&nbsp;</p>

<p>Lena selbst unterstützt deswegen die Aktion Losing Lena. Denn sie möchte nicht mit einen Beitrag dazu leisten, dass Frauen und Mädchen sich von der Informatik oder generell den Stem Field Wissenschaften ausgeschlossen fühlen.&nbsp;</p>

<p>Die Welt ist nämlich hoffentlich nicht mehr so chauvinistisch, wie sie unter Umständen in den 70er Jahren noch war. Und auch wenn man Lena jetzt nicht aus der Geschichte streichen muss, finde ich es dann doch wichtig, dass wir Dinge heute vielleicht anders machen würden und vor allen Dingen auch anders bewerten als damals.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 11 Oct 2020 17:51:10 GMT</pubDate>
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            <title>Lebe Deinen Traum...</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/lebe-deinen-traum.html</link>
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            <description>Mark Reay ist Model, Schauspieler und Fotograf in New York und lebt ein überraschendes Doppelleben.</description>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Mark Reay ist Model, Schauspieler und Fotograf in New York und lebt ein überraschendes Doppelleben.</p>

<p>Notizen zur Sendung: </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/vermischtes/article145026868/Das-geheime-Doppelleben-des-obdachlosen-Models.html" target="_blank">Das geheime Doppelleben des obdachlosen Models</a> (Welt)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/title/tt4164462/" target="_blank">Homme Less Documentary</a> (IMDB)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/fashion/2015/aug/06/homeless-model-mark-reay-odd-double-life-never-been-lonely" target="_blank">The fashion photographer who was homeless for six years</a> (The Guardian)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20201022211931/http://www.markreay.net/index.html" target="_blank">Mark&#8217;s Webseite</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/name/nm4788482/" target="_blank">Mark auf IMDB</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://vimeo.com/ondemand/hommeless" target="_blank">&#8222;Homme Less&#8220; komplett auf Vimeo on Demand</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<p><a href="https://player.vimeo.com/video/96111593?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

<div class="yt-facade" data-yt="ORuMJntcgd4" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_ORuMJntcgd4.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="0kKHBPrAAAs" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_0kKHBPrAAAs.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<ul><li>Weitere Hörempfehlung &#8211; &#8222;<a href="https://fyyd.de/podcast/unter-freiem-himmel-obdachlos-in-berlin/0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unter freiem Himmel</a>&#8222;:</li></ul>

<p class="has-text-align-center">
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        </p>

<p class="has-small-font-size">Episodenbild: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.homme-less.com" target="_blank">homme-less.com </a></p>

<p class="has-large-font-size"><strong>Transkript</strong></p>

<p>Vor einigen Monaten hab ich einen Podcast entdeckt, der auch eine absolute Hörempfehlung ist, namens unter freiem Himmel. Dort erzählt ein ehemals Obdachloser, wie leicht es auch in Deutschland ist, die Obdachlosigkeit zu geraten. Da spricht er freilich von Obdachlosen, wie wir sie alle kennen. Menschen, denen man schon von weitem ansieht, dass sie Probleme haben. Was aber, wenn es noch eine weitere Art von Obdachlosigkeit gäbe? Was, wenn jemand oberflächlich gesehen alles im Griff zu haben scheint, Beruf, teure Elektronik, einen gepflegten Anzug trägt, aber nachts dann unter freiem Himmel schlafen muss?</p>

<p>Der österreichische Dokumentarfilmer Thomas Wirthensohn hat 2014 mit dem Film “Homme less” eine Dokumentation veröffentlicht, die genauso einen Fall beschreibt; er folgt zwei Jahre lang Mark Reay, einem Mann, der aussieht wie George Clooney und in New York versucht, mit Schauspielerei, Modelling und Fotografie durchzukommen.</p>

<p>Nun ganz im Ernst: Man sieht Mark Reay nicht an, dass er auf der Straße lebt. Das ist ihm auch wichtig. Von dem wenigen Geld, was er im Monat zur Verfügung hat, investiert er 120 Dollar Monat für Monat für seine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Das sichert ihm nicht nur einen Platz im Spind, wo er seine Habseligkeiten unterbringen kann, es sorgt auch dafür, dass er sich regelmäßig im Warmen körperlich betätigen kann. Das hält ihn gesund und außerdem gibt es im Fitnessstudio natürlich Duschen und die Möglichkeit, Sachen zu waschen, sodass Mark auch tagsüber immer aussieht, wie aus dem Ei gepellt.</p>

<p>Und Mark ist ein gutes Beispiel für die Art von Geschichten, die wir uns gerne gegenseitig erzählen. Wäre er erfolgreich, wäre er das klassische Beispiel für eine inspirierende Stargeschichte. Der Mann, der schon früh wusste, dass er Fotograf und Schauspieler werden wollte. Den nichts aufhielt. Der dranblieb. Der früh dann schon aufbrach, um Europa als Backpacker zu bereisen, dort dann erste Modeljobs annahm und fotografieren begann und dann den großen Durchbruch erlebte und jetzt als Millionär in Kalifornien lebt.</p>

<p>Naja, dieser letzte Teil, der hat halt nie stattgefunden. Mark modelte zum Beispiel für Brands wie Versace, aber wer nicht als Kampagnengesicht gebucht wird, der verdient tatsächlich in der Branche wenig mehr als die Spesen. Dafür hat er dann einen relativ teuren Lifestyle mit Menschen, die wesentlich mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen.</p>

<p>Aber besonders am Anfang ging das schon. Er kam immer so bei plus minus null raus. Das war auch die Zeit, in der Mark anfing, die Schauspielschule zu besuchen, in seine Karriere zu investieren, erste Rollen als Extra bei irgendwelchen Produktionen annehmen konnte und anfing zu fotografieren. Das war eigentlich in erster Linie ein Hobby. Zwar hatte er Zugriff auch Models und war natürlich auch immer wieder Mal auf Veranstaltungen, auf denen es interessant ist, zu fotografieren, aber im Wesentlichen hatte er Spaß an der Kamera, bis er irgendwann mal auf die Idee kam, und das scheint eine sehr amerikanische Idee sein; damit muss man doch auch irgendwie Geld verdienen können.</p>

<p>Mark überlegte sich einige coole Fotoprojekte: Dinge, von denen er glaubte, damit könnte der große Durchbruch in Reichweite kommen, und eine der Ideen, die er hatte, war, nach Südfrankreich zu reisen, dorthin, wo die reichen und Superreichen Urlaub machen und seine Dienste als privater Fotograf anzubieten. Die Idee wäre sozusagen, die Superreichen nehmen ihn mit auf einen ihrer Urlaubstrips und er würde für die Urlaubserinnerungen sorgen.</p>

<p>Klingt großartig, muss ich sagen. Praktisch Luxusurlaub und gleichzeitig dem Hobby Fotografie nachgehen, was könnte da nur schiefgehen. Naja, so ziemlich alles.</p>

<p>Als Mark seine Ersparnisse endgültig verbraucht hatte, war dann in der Nähe von Saint-Tropez das Ende seiner Finanzen erreicht und da schlief er dann zum ersten Mal unter freiem Himmel.</p>

<p>Damals hat er auch entdeckt, dass das Äußere einen riesen Unterschied macht: solange er darauf achtet, dass er ordentlich aussieht, konnte immer noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Manchmal kaufte er sich billigen Roséwein im Supermarkt, schlich sich dann mit dem Wein in der Tasche in eine der fancy Bars in Saint-Tropez, klaute sich ein Glas vom Tresen, setzte sich einfach an irgendeinen Tisch und trank dann Wein mit den Reichen und Superreichen, ohne dass irgendjemand jemals auf die Idee gekommen wäre, er gehörte da irgendwie nicht hin.</p>

<p>Und das ist natürlich auch ein Rezept dem er in New York folgt: Sein Äußeres ist schon wichtig. Und sieht ja einem Anzug niemand an, dass er auf der öffentlichen Herrentoilette gewaschen wurde.</p>

<p>Lassen wir es uns doch mal kurz von ihm selbst erzählen:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “Like, I’m really in touch with the… Kinda the basics of life and uh… I mean but I also like the finer things. I mean, these shoes, I think they’re really beautiful and they look like money, but I got them for just under 200 bucks. But at least I give the impression like I’m doing okay, I’m well off and uh.. You know… I am doing okay, I’m physically fit and most of the time I’m happy, uh…&nbsp; (sighs)&nbsp; Most of the time.“</p>

<p>Das Absurde ist ja, wenn man sich diese Dokumentation ansieht; Mark hat ja durchaus Einkommen. Er fotografiert für ein Magazin als Staff Photographer auf Veranstaltungen wie der Fashion Week, er wird eingeladen zu allen möglichen sozialen Ereignissen, manchmal als Fotograf, manchmal als Teilnehmer, weil man ihn halt kennt, er fotografiert Models auf der Straße, er fotografiert für Stock Agencies, er selbst hat immer wieder Engagements als Schauspieler und modelt auch durchaus selber noch. Aber die 30000 $, die da im Jahr so grob für ihn zusammenkommen, reichen nun mal nicht, um sich in New York tatsächlich auch ein Dach überm Kopf zu gönnen und es ist anscheinend diese Karriere, die in da dann festhält.</p>

<p>Vermutlich hat er das Gefühl, er kann einfach nichts anderes oder er will einfach nichts anderes, er will einen Lebensstil pflegen können, der ihn in der Stadt bleiben lässt und er möchte fotografieren, schauspielern und modeln. Das ist irgendwie auch eine sehr, sehr amerikanische Idee, dieses pursue your dreams. Da kommt er dann später auch mal selber darauf.</p>

<p>Wenn er dann müde genug ist, vom Bilder editieren bei Starbucks, fotografieren auf der Straße oder bei den verschiedenen Terminen, die er einzuhalten hat, ja, dann versucht er, sich zu seinem Schlafplatz durchzuschlagen. Ein Freund gab ihm mal einen Wohnungsschlüssel, um, während er im Urlaub war, seine Wohnung zu benutzen und diesen Schlüssel hat er noch. Und diesen Schlüssel benutzt er nicht, um bei dem Freund in der Wohnung zu schlafen, sondern, in dem Mietshaus aufs Dach zu kommen. Dort hat er sich eine Ecke zurechtgelegt, in der er unter einer Plane Nacht für Nacht schläft.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “So I’m a little nervous right now because I’m about to enter my friend’s building.” (he quietly walks into the building. He waits for a little while and listens.) (whispers) “I don’t hear any footsteps so that’s good. So the thing is I have a key to this building because it’s my friend’s place and he gave me a key to use to get into his apartment when he’s away on long trips to… “ (he opens a door) “Here comes the money” (he walks faster and opens the door to the rooftop) “I hate when that happens, when I’m on the fourth floor and I hear someone leaving, then I have to run down all these steps and then I have to climb back up again.. “</p>

<p>Über sechs Jahre hat er da oben gelebt, bevor dieser Dokumentarfilm in die Kinos kam. Und dieses Leben, ich weiß gar nicht, ich würde ihn so viel fragen wollen.</p>

<p>Eine Frage, die ich ihm stellen wollen würde, ist, ob ihn Optimismus, also der unverbesserliche Glaube, dass es irgendwann mal funktionieren muss, bei diesem Leben gehalten hat, oder Verzweiflung. Also konnte er nicht anders oder hatte das Gefühl nicht anders zu können oder wollte er nicht anders. Ich meine im Film kommt er manchmal tatsächlich auch recht depressiv rüber, wobei da auch viel Zweckoptimismus mitschwingt.</p>

<p>Wir werden einfach auch von unserer Umgebung dahin gedrängt, selber Verantwortung für uns zu übernehmen. Wir sind die Schmiede unseres Glücks. Wenn alles super funktioniert, dann haben wir natürlich dafür gesorgt, dass es funktioniert. Wenn es schiefgeht, ja, dann haben wir es auch irgendwie selbst versaut. Folge deinen Träumen. Bleib einfach dran. Zusammen mit dieser unerschütterlichen Annahme, es muss immer alles irgendwie auch in Geld verwandelbar sein.</p>

<p>Ich bin ja leidenschaftlicher Podcaster und leidenschaftlicher Fotograf und bei beiden wurde ich immer wieder mal gefragt, ob ich damit nicht auch Geld verdiene oder wenn ich schon nicht Geld verdiene irgendwann mal Geld verdienen will. Nein will ich nicht, aber ich habe natürlich auch eine Luxussituation. Ich habe ein geregeltes Einkommen. Ich verdiene Geld. Ich kann es mir leisten, als Liebhaberei in Mikrofone zu sprechen und meine Kameras spazieren zu tragen.</p>

<p>Für Mark ist es sicherlich nicht so einfach. Da ist sein ehemaliges Hobby die vielleicht einzige Möglichkeit, hin und wieder mal ein bisschen Geld zu verdienen oder zu versuchen, seinen Traum wahr werden zu lassen.</p>

<p>Hier noch ein letztes Mal Mark im Originalton. Vielleicht eine der Stellen, die mir am stärksten in Erinnerung geblieben sind.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “You know, Joseph Campbell I’m a big fan of and he talks about [Unterständlich]<strong> </strong>and how to live your life better and his mantra for living well is ‘follow your bliss and when you do that, if you’re on the right path, unseen hands will open closed doors for you’. So, I follow my bliss, several, you know, professions and those unseen hands have yet to open the lucrative doors. And being a little cynical, I am, I kind of amended his phrase. ‘Follow your bliss but be prepared to live your nightmare’.”</p>

<p>Ja. Joseph Campbells Originalzitat war geringfügig anders. Ich glaube die Idee ist ähnlich, Joseph Campbell sagte nämlich &#8222;Wenn du auf den richtigen Weg bist, werden dir unsichtbare Hände zu Hilfe kommen”.</p>

<p>Und das ist natürlich 1A Survival Bias. Wir interessieren uns nicht für die Leute, die es nicht schaffen, wir konzentrieren uns auf die, die es schaffen. Und natürlich hat ein Joseph Campbell immer das Gefühl gehabt, auf dem richtigen Weg zu sein und für ihn haben sich durch unsichtbare Hilfe Türen geöffnet.</p>

<p>Und das bezieht sich auf alle Aspekte im Leben. Für jeden weltbekannten Musiker gibt es tausende und abertausende, die vielleicht sogar bessere Musiker wären aber nicht bekannt geworden sind, denen des Leben irgendwelche Steine in den Weg gelegt hat.</p>

<p>Dieser Spruch stimmt vielleicht einfach gar nicht. Vielleicht stimmt dieser Spruch nur für die, die es durch irgendwelche absurden Zufälle nach oben geschafft haben und dann in Rückschau das Gefühl haben, alles lief wie am Schnürchen.</p>

<p>Mark hat nicht sehr viel online über sich. Ich habe nach der Dokumentation mal geguckt, was ich noch alles finden kann, ich habe ein paar Interviews gefunden, die jetzt allerdings im jüngsten Fall schon mehr als drei Jahre alt sind, aber zumindest damals schien Mark von dem Dach runter zu sein. Der Film hat seiner Geschichte natürlich eine gewisse Aufmerksamkeit gegeben und ich glaube, dass das wahrscheinlich endlich auch mal eine dieser unsichtbaren Hände waren, die ihm geholfen haben.</p>

<p>Und mich lässt das ganze eben mit einer Frage zurück: sind solche Geschichten amerikanische Geschichten oder gibt es das bei uns vielleicht auch? Kann man eventuell auf der Straße Menschen begegnen, die ganz normal und vielleicht sogar fröhlich aussehen, deren Leben aber unter freiem Himmel stattfindet, weil sie sich kein Dach über dem Kopf leisten können? Und dann noch diese andere Frage: warum glauben wir eigentlich, es müsste alles immer irgendwie auch zu Geld machbar sein?</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Mon, 24 Aug 2020 08:57:39 GMT</pubDate>
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