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    <title>Fotomenschen - Fotobeweis</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Fotobeweis&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
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            <title>Das U-Boot von Loch Ness</title>
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            <description>Das Ungeheuer von Loch Ness hat in der Welt der zweifelhaften Fotobeweise Celebrity-Status.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Das Ungeheuer von Loch Ness hat in der Welt der zweifelhaften Fotobeweise Celebrity-Status. Besonders auch deswegen weil es 60 Jahre dauerte bis das Foto mit dem seine Existenz &#8222;bewiesen&#8220; wurde als Fälschung erkannt wurde.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seeungeheuer" target="_blank">Seeungeheuer</a></li><li>Ungeheuer von Loch Ness (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ungeheuer_von_Loch_Ness" target="_blank">Deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Loch_Ness_Monster#Surgeon's_photograph" target="_blank">Englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Kenneth_Wilson" target="_blank">Robert Kenneth Wilson</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/M._A._Wetherell" target="_blank">M. A. Wetherell</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kryptozoologie" target="_blank">Kryptozoologie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/On_the_Track_of_Unknown_Animals" target="_blank">On the Track of Unknown Animals</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cryptids" target="_blank">List of cryptids</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Elwetritsch" target="_blank">Elwetritsch </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bundeswehr-journal.de/2016/seemonster-und-uboote-was-weiss-die-bundesregierung/" target="_blank">Seemonster und Uboote: Was weiß die Bundesregierung?</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220505190712/https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/-mythen-und-monster--loch-ness-100.html" target="_blank">ZDF &#8211; Mythen und Monster: Loch Ness</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.photoscala.de/2007/10/03/wie-das-beruehmteste-nessie-foto-gefaelscht-wurde/" target="_blank">Wie das berühmteste „Nessie“-Foto gefälscht wurde</a></li><li><a href="https://web.archive.org/web/20201203125634/http://100photos.time.com/photos/loch-ness-monster">The Loch Ness Monster</a> (Time)</li></ul>

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<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Nenne mir ein Fabelwesen und ich finde eine Community, die danach sucht. Das gilt buchstäblich für jegliches Wesen, das irgendwann schon mal der Gegenstand von Geschichten war. Die Liste dieser Wesen ist lang. Darauf sind altbekannte wie der Yeti genauso drauf, wie blutrünstige Würmer, die angeblich 1,20 Meter lang werden und in der Wüste Gobi leben. Örtlich ist man auch nicht festgelegt. Den Elwetritsch zum Beispiel kann man in Bayern oder der Pfalz suchen. Der Nunda kommt aus Tansania. Den gruseligen Chubacabra findet man zum Beispiel in Südamerika. Dann gibt es noch eine schier unüberschaubare Anzahl an Seemonstern, beim Kraken angefangen bis hin zum berühmtesten aller Seemonster, dem Monster von Loch Ness. Wenn man mal ganz ehrlich ist, kennen viele wahrscheinlich gar keine anderen Seemonster, als Nessie. Dabei gibt es derart viele sagenhafte Seeungeheuer, dass die Kryptozoologie eine eigene Fachrichtung, nämlich die Dragontologie ins Leben gerufen hat, nur um sich mit den verschiedenen Wasserkryptiden auseinanderzusetzen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die Blütezeit der Kryptozoologie mit der ersten großen Blüte der Hobby Fotografie zusammenfällt, in der eben auch das eine oder andere verwackelte, verwaschene Foto von wahlweise Spuren oder den Ungeheuern höchstselbst auftauchten. </p>

<p>Das wichtigste <a "/tags/fotobeweis.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="7" title="Fotobeweis">Beweisfoto</a> ist als the surgeon‘s fotograph, also das Chirurgen Foto bekannt. Das heißt so, weil der ursprüngliche Fotograf <a "/tags/robert-kenneth-wilson.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="47" title="Robert Wilson">Robert Kenneth Wilson</a> von Beruf Chirurg war, seinen Namen aber nicht in der Zeitung auftauchen sehen wollte. Erzählen wir die Geschichte vielleicht lieber von vorne. Nessie ist das Ungeheuer von Loch Ness. Loch ist schlicht und ergreifend ein anderes Wort für See. Die Seen in Schottland haben so manche Sagen, die oft auch was mit Ungeheuern zu tun haben. So hat nicht nur Loch Ness sein eigenes Ungeheuer. Sondern praktisch jeder größere See in Schottland hat eine Geschichte, die ganz ähnlich gestrickt ist. Loch Ness ist ein See in der Nähe der Stadt Inverness. Die erste Sichtung des Seeungeheuers von Loch Ness wird auf das Jahr 565 datiert. Sie taucht in der Lebensgeschichte eines irischen Missionars auf. Der soll nicht im See, sondern im Fluss Ness einem Ungeheuer begegnet sein, das versucht hatte, einen Wanderer, der des Weges gekommen war, zu fressen. Der Mönch hatten dann einfach das Kreuzzeichen in die Luft gemalt und dem Tier entgegengerufen, dass es sich in Gottes Namen von Dannen machen sollte und gefälligst keine Gottesfürchtigen Menschen fressen sollte. Davon war das Ungeheuer so beeindruckt, dass es sich sofort vom Acker machte. Die ganze Geschichte wird 100 Jahre später von einem Abt ausgeschrieben. Jeder darf jetzt selbst darüber nachdenken, wie glaubwürdig so ein Bericht ist. Über die Jahrhunderte hinweg gibt es immer wieder mal einzelne Berichte. Mal steigt ein großes Tier aus den Fluten und erschlägt Arbeiter am Ufer. Mal berichtet ein Mönch davon, dass der Loch Ness für seine schwimmenden Inseln bekannt wäre. </p>

<p>Bisher war das Monster von Loch Ness eine Lokalsage, für die sich außerhalb von Inverness und Loch Ness selbst wahrscheinlich niemand interessiert hat. Das ändert sich am 2. Mai 1933, als zum ersten Mal eine regionale Zeitung von der Sichtung eines Ungeheuers berichtete. Die Zeitung Inverness Currier brachte einen Artikel über Einheimische, die ein riesiges, im Loch tauchendes Tier gesichtet hätten. Dieser Artikel schlug derartige Wellen, dass es zu einer Mediensensation wurde. Londoner Zeitungen entstanden Reporter nach Schottland. Ein Zirkus soll sogar eine Summe von 20 Tausend Pfund für das Monster geboten haben. Es ist also dieses Klima, in dem mehr und mehr Menschen auf die Suche nach Spuren gehen. Bei so viel Wirbel finden sich natürlich auch findige Leute, die dabei helfen, entsprechende Beweise zu finden. Marmaduke Weatherell, Mitarbeiter der Londoner Zeitung Daily Mail war jemand, der solchen Beweisen auf den Leim ging, wenn ich das so sagen soll. Er kam nämlich mit Abdrücken zurück, die so groß waren, dass sie eigentlich nur von einem Monster stammen konnten. Die waren so gefälscht, dass sich Weatherell nicht nur zum Gespött der Leute machte, sondern auch von seinem Arbeitgeber Daily Mail öffentlich bloßgestellt wurde. Man suchte und suchte also, bis letztlich im April 1934 die endgültige Sensation gefunden war. Daily Mail hatte seinen Beweis gefunden. <a "/tags/robert-kenneth-wilson.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="47" title="Robert Wilson">Robert Kenneth Wilson</a> hatte zwei Fotos gemacht, auf denen ganz unzweifelhaft der Hals eines unbekannten Wassertieres zu sehen war. Der Daily Mail war es 100 Pfund wert. Die Bedingung, den Namen nicht zu nennen, war ihnen gerade recht. The Surgeon’s Fotograph ist das Bild, das also 60 Jahre als Beweis für die Existenz Nessies herhalten sollte und war in der Welt. </p>

<p>Wie immer gab es natürlich von Anfang an auch Zweifler. Zum Beispiel war nicht ganz klar, wie groß das Tier gewesen sein sollte, das man fotografiert hatte. Je nachdem, wie nah man an das Tier ran schnitt war es entweder ein kleines Tier über ruhigem Wasser oder ein großes Tier mit ordentlichen Wellen außen rum. Alles, das man wusste, war die Geschichte, die der Fotograf <a "/tags/robert-kenneth-wilson.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="47" title="Robert Wilson">Robert Kenneth Wilson</a> angegeben hatte. Demnach wäre er mit einem Freund Maurice Chambers zum Fischen an Loch Ness gewesen. Er hätte seine Kamer dabei gehabt, wie es seine Gewohnheit war. Als er dann dieses Tier auftauchen sah, riss er die Kamera hoch und machte mehrere Aufnahmen. Zwei waren auch scharf genug, dass sie als Beweis für die Existenz Nessies herhalten konnten. So war dann auch die Geschichte. Das Bild wurde vielfach untersucht. Es gab Zweifel an seiner Authentizität. Niemand konnte aber erklären, was da eigentlich zu sehen war. So richtig unglaubwürdig war ein Chirurg auch nicht. Er war nicht aus der Region. Er hatte ein bisschen Geld, aber auch kein Vermögen mit dem Foto verdient. Warum sollte ein Chirurg lügen? Er hatte nicht einmal Ruhm gesucht, obwohl er hätte berühmt werden können. Dieses Foto war nicht nur ein Eckstein für die Disziplin der Kryptozoologie, sondern auch gleichzeitig der Startpunkt einer Loch Ness Monster Industrie. Es gibt Nessie Merch, es gibt Nessie Entdecker Reisen, es gibt Nessie Forscher, es gibt Nessie Historical Tours, es gibt Nessie Sagen und Bücher und so weiter. Man schätzt die Nessie zu verdankenden Einnahmen, die zusätzlich in die Region fließen auf ungefähr 30 Millionen Euro jährlich. Das Foto hat definitiv geprägt, wie uns ein Seeungeher vorstellen, nämlich wahlweise wie eine große Seeschlange. Am allerliebsten aber als eine Art Dinosaurier. Das ist auch eine der beliebtesten Theorien. Ein Tier der Urzeit, ein großer Wasserdino, hat überlebt und treibt in Loch Ness sein Unwesen. Deswegen ist man irgendwann mit Sonarschiffen über den See geschippert und hat nichts gefunden. </p>

<p>60 Jahre alt war das Foto, als sich die Geschichte letztendlich aufklärte. Als Robert Kenneth Wilsons Freund Maurice Chambers stirbt, hinterlässt er diverse Aufzeichnungen und Tagebuch Einträge, die die komplette Geschichte erzählen. Spoiler Alert: An dem Foto stimmt genau nichts. Das fängt schon bei dem angeblichen Fotografen Robert Kenneth Wilson an. Der war nämlich gar nicht an der Kamera. Es fängt nochmal mit Marmaduke Weatherell an. Das war der Mann, der die Fußabdrücke gefunden hatte und sich dann öffentlich bloßstellen lassen musste. Der fand das gar nicht lustig und überlegte, wie er das dem Daily Mail heimzahlen konnte. Marmaduke Weatherell war eigentlich Filmmacher. Eins war deswegen schnell klar. Was ist besser, als Fußabdrücke? Ein <a "/tags/fotobeweis.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="7" title="Fotobeweis">Beweisfoto</a>. Es braucht dafür jemanden, der ein Talent für Skulpturen hat, wie beispielsweise der eigene Schwiegersohn Christian Sperling. Der findet den Plan großartig und konstruiert das Modell auf Basis eines Spielzeug Uboots. Sein Sohn Ian Weatherell war natürlich auch mit an Bord. Das war der Hobby Fotograf der Gruppe, der später das Foto machte. Die brachten für die eigentlichen Aufnahmen auch neue Freunde, nämlich Robert Kenneth Wilson und Maurice Chambers. Allen war klar, dass die Bilder nicht zu gut werden durften. Es musste ja spontan aussehen. Erwischt werden wollte man auch nicht. Die Gruppe Männer trifft sich also am See und beginnt, ihre Aufnahmen zu machen. Um ein Haar wäre es komplett schief gegangen. Kaum hatte man das Uboot zu Wasser gelassen und mit den ersten Aufnahmen begonnen, näherte sich ein Patrouillen Boot. So kam es, dass das original Nessie, das für das berühmte Foto Modell gestanden hat, immer noch im See sein muss. Denn Weatherell gab dem Ding einfach einen beherzten Tritt, sodass das Ding versank, bevor sie auffliegen konnten. Um endgültig Weatherells Beteiligung an dem Foto zu verschleiern, war dann Robert Wilson derjenige, der offiziell das Foto der Daily Mail anbot und damit eine Ikone geschaffen hatte. </p>

<p>Ich hatte schon an anderer Stelle erwähnt, dass mein persönlicher Test für ikonische Fotos meine Teenager Kids sind. Wenn ich denen ein Bild hinhalte, das sie kennen, dann ist es für mich zumindest ein Indiz, dass ein Foto im kollektiven Popkultur Gedächtnis gelandet ist. ich glaube, Marmaduke Weatherell war es recht. Als er das Foto gemacht hatte, konnte er nicht absehen, wie sehr es einschlagen würde. Ich finde es aber bemerkenswert, dass 60 Jahre lang diese Gruppe von fünf Männern komplett dichtgehalten hat. Die müssen über die Jahre einen Mordsspaß gehabt haben. Inzwischen hat dieses Bild ein Eigenleben, das sowieso nicht mehr einzuholen ist. Es spielt keine Rolle, dass es eigentlich ein Spielzeug Uboot ist, das hier fotografiert wurde. Nur weil das einzige Foto, das wir vom Monster von Loch Ness haben eine Trickaufnahme ist, heißt es ja nicht, dass es nicht trotzdem ein Seeungeheuer in Loch Ness geben könnte.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 03 Apr 2021 21:38:11 GMT</pubDate>
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            <title>Mug Shots a la Bertillon</title>
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            <description>Die polizeiliche und forensische Fotografie gehört zu den großen Bereichen der Fotografie überhaupt.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Die polizeiliche und forensische Fotografie gehört zu den großen Bereichen der Fotografie überhaupt. Tatortbilder, Beweisfotos und Portraits Verdächtiger gehören heute zum Alltag was aber längst nicht schon immer so war. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/alphonse-bertillon-und-die-vermessung-der-verbrecher-a-1142837.html" target="_blank">Ein Bild und seine Geschichte: Mann am Kreuz</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutsches-spionagemuseum.de/2020/07/16/geschichte-der-biometrischen-datenerfassung-1-koerpermasse-fingerabdruecke" target="_blank">Geschichte der biometrischen Datenerfassung</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alphonse_Bertillon" target="_blank">Alphonse Bertillon</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bertillonage" target="_blank">Bertillonage </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_auf_Abraham_Lincoln" target="_blank">Attentat auf Abraham Lincoln</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210417071116/https://coololdphotos.com/hanging-the-lincoln-conspirators/" target="_blank">Hanging the Lincoln Conspirators; A photographic timeline</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wired.com/2015/12/burden-of-proof-exhibition-crime-photography/" target="_blank">The Grisly, Fascinating History of Crime Photography</a> (Wired)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210411042042/https://www.history101.com/30-famous-mugshots-youve-never-seen-before/" target="_blank">30 famous mugshots you’ve never seen before</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.addictivetips.com/windows-tips/what-is-outlook-2010-people-pane-and-how-to-disable-it/" target="_blank">What Is Outlook 2010 People Pane And How To Disable It</a></li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/40/Bertillon%2C_Alphonse%2C_fiche_anthropom%C3%A9trique_recto-verso.jpg/1920px-Bertillon%2C_Alphonse%2C_fiche_anthropom%C3%A9trique_recto-verso.jpg" alt="Ein historisches Identifikationsformular für M. Bertillon mit zwei Porträts von ihm und zahlreichen Feldern für Messungen und Beschreibungen."/></figure>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="471" height="415" src="https://fotomenschen.net/assets/image-2.png" alt="Zwei Porträts einer Person nebeneinander und darunter eine Benutzeroberfläche eines Computers, die die Meldung „There are no items to show in this view.“ anzeigt."/></figure></div>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="582" height="212" src="https://fotomenschen.net/assets/image-1.png" alt="Fünf gelbe Sterne, das Datum 09.11.2020, der Titel „Grandios“ und ein deutscher Textbeitrag mit einem Emoji am Ende."/></figure></div>

<p class="has-small-font-size">Bild: Von Alphonse Bertillon (1853-1914) &#8211; Michel Frizot, Serge July, Christian Phéline, Jean Sagne&nbsp;: Identités&nbsp;: de Disderi au photomaton, éditions Photo Copies &#8211; Centre National de la Photographie, Paris, 1985, p.61., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10074659</p>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>In einer Welt, in der jeder und jede von uns Fotograf sein kann und auf jeden Fall schon fotografiert hat, ist es schwierig, die rein professionellen Ecken ausfindig zu machen, in denen Fotografie nur noch Mittel zum Zweck ist. Die sogenannte forensische Fotografie ist so ein Bereich.</p>

<p>Vom Beginn der Fotografie an war eins völlig klar: Es gab unendlich viele Anwendungsfälle dieser neuen Kulturtechnik. Schon die Väter der Fotografie (es waren alles Väter) schlugen die unterschiedlichsten Richtungen ein. Wir hatten die wissenschaftliche Anwendung, also das systematische Dokumentieren z.B. von Gegenständen oder Architektur, aber gleichzeitig hatten wir den Versuch, Aufnahmen zu schaffen, die wie klassische Gemälde aussahen. Und wo wir schon bei klassischen Gemälden sind: Da wissen wir ja, oft sind da Nackte drauf zu sehen. Und auch das zog natürlich sofort in die Fotografie ein, genauso wie es relativ früh Versuche gab, über fotografische Verfahren Geld zu fälschen.&nbsp;</p>

<p>Wie es so oft ist: Eine neue Technologie wird eingeführt. Es herrscht eine gewisse Gesetzlosigkeit und die wird zunächst von den Menschen der Gesellschaft ausgenutzt, die von Gesetzlosigkeit Vorteile haben. Ihnen dicht auf der Spur: Die Polizeiarbeit.&nbsp;</p>

<p>Allerdings ist die Polizeiarbeit zu der Zeit noch sehr, sehr jung. 1839, als die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a>, also das erste kommerziell erfolgreiche fotografische Verfahren der Welt zum Geschenk gemacht wird, ist die Polizeistation in London gerade mal zehn Jahre alt. Die ganze Disziplin der Kriminalistik hat gerade mal 40 Jahre auf dem Buckel.&nbsp;</p>

<p>Denn die erste Polizeidienststelle überhaupt geht auf einen Parlamentsbeschluss der Stadt Glasgow aus dem Jahr 1800 zurück. Damals hat man sich eingestanden, dass das bisherige System von Freiwilligen, unbezahlten Konstablern oder Söldnern nicht dazu geeignet ist, um wirklich Recht und Ordnung durchzusetzen. Und so beschloss man, einen neuen Berufsstand zu schaffen. Und es funktionierte zwar so gut, dass es überall nachgemacht wurde, aber es war natürlich weder abgestimmt noch überall auf demselben Qualitätsniveau.</p>

<p>Aber zwei Probleme hatten alle Polizeidienststellen gemeinsam: Erstens mussten sie Menschen finden können und zweitens mussten sie zur Aufklärung von Verbrechen Beweise dokumentieren und Hinweise festhalten können.&nbsp;</p>

<p>Die ersten Kriminalisten versuchten sich da meistens im Karteikartensystem. Je nachdem, wer mit einem jeweiligen System angefangen hatte, waren die dann gerne mal alphabetisch nach Tatort, nach Jahreszahl, nach Namen der Verdächtigen, was auch immer, sortiert und in dem Berg an Daten, den ein durchschnittlicher Polizeialltag produzieren kann, eigentlich nicht mehr auffindbar. Wenn es um die Fahndung von Menschen ging, kam noch dazu, dass die Beschreibung von Personen nicht standardisiert war. Man blickte also recht früh hoffnungsfroh auf die ersten fotografischen Aufnahme- und dann auch später Druckverfahren.&nbsp;</p>

<p>Die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> war da relativ unhandlich, denn sie produzierte Einzelstücke auf Metall, noch dazu Einzelstücke auf Metall, die relativ empfindlich waren und gut gelagert werden wollten. Trotzdem fingen vor allen Dingen in den USA relativ früh Porträtstudios an, ihre Dienste auch in der Nähe von Polizeistationen anzubieten.</p>

<p>Als er Mitte der 1850er Papierbasierende Negativverfahren die Fotografie eroberten, also die Möglichkeit auftauchte, Fotos zu machen und beliebig oft zu vervielfältigen, hob auch die Zusammenarbeit zwischen Fotografen und Polizeidienststellen ab. So fing man zum Beispiel in den USA an, Alben von Tatverdächtigen anzulegen. Die sahen besonders anfangs allerdings noch verdammt ähnlich aus wie klassische reguläre Porträts aus derselben Zeit.&nbsp;</p>

<p>Erst nach und nach bürgerten sich bestimmte Konventionen ein. Zu dem anfangs fast ausschließlichen Frontalporträt kam eine Seitenaufnahme, manche der Verdächtigen hielten Schilder mit weiteren Informationen hoch oder man achtete darauf, dass die Hände im Bild waren, weil man glaubte, an den Händen Verdächtige zusätzlich identifizieren zu können. Es bildeten sich also einzelne Konventionen raus.</p>

<p>Verdächtige fotografieren war ein Ding. Aber was war mit der Tatortfotografie? Die gab&#8217;s anfangs nicht. Die ersten Tatortfotos sind deshalb auch nicht von Polizisten gemacht worden, sondern von Privatleuten oder Reportern. Die Polizei konzentrierte sich auf das schriftliche Festhalten der Beobachtungen. Zum Teil lag das daran, weil Gerichte der damaligen Zeit Fotografien als Beweise eher skeptisch sahen.&nbsp;</p>

<p>Das sollte sich allerdings mit einem Ereignis ändern, das die Welt erschütterte.</p>

<p>Am 14. April 1865 wird der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a>, bei einem Theaterbesuch von einem bekannten Schauspieler von hinten in den Kopf geschossen. Er stellt sich schnell raus: Das Ganze war eine Verschwörung und eine landesweite Suche nach den Tätern kommt in Gang.&nbsp;</p>

<p>Und für uns ist dieser Moment deswegen wichtig, weil die Behörden zu dem damaligen Zeitpunkt zum ersten Mal verfügen, dass nicht nur die Verdächtigen mit Fotografien gesucht werden sollen, sondern auch gleichzeitig der Tatort und später dann auch die Hinrichtung der Täter fotografisch festgehalten werden soll. Hatte man bisher die Fotografie nur gelegentlich als eines von vielen Werkzeugen in der Polizeiarbeit benutzt, war es ab jetzt ein Standardwerkzeug, immer noch sehr unterschiedlich eingesetzt, aber sowohl im Polizeialltag als auch dann später vor Gericht deutlich akzeptierter als vorher. Schließlich hatte man jetzt weltweit davon gehört, dass die Fotografie eine wichtige Rolle spielte in der Aufklärung dieses Verbrechens.</p>

<p>Ob Alphonse Bertillon von der Ermordung Lincolns gehört hatte, kann ich nur spekulieren. Er war zu dem Zeitpunkt gerade mal zwölf Jahre alt. Er war der mittlere Sohn eines Akademikerhaushalts, sein Vater war anerkannter Arzt, Statistiker und Präsident der anthropologischen Gesellschaft in Paris. Und wäre damit nicht in einer Familie mit Beziehungen und Geld gelandet, wahrscheinlich hätten wir nie von ihm gehört. Denn aus der Zeit berichtet man von zahllosen Schulverweisen und davon, dass er in erster Linie faul, starrsinnig und jähzornig gewesen sei.&nbsp;</p>

<p>Trotzdem schafft er es irgendwann, seinen Abschluss zu machen und bekommt nach einem kleinen Zwischenspiel als Sprachlehrer in England von seinem Vater eine Stelle als kleiner Schreibtischbeamter bei der Polizei in Paris vermittelt.</p>

<p>Und in dieser Position hat er mit dem Karteikartensystem der Pariser Polizei zu tun, die, so erkennt er sofort, absolut ungeeignet sind, um damit irgendwas praktisch anzufangen. Das Problem war nicht, dass es keine Fotos gab, die gabs. Das Problem war, dass die in alphabetischer Reihenfolge abgelegt waren und damit konnte man sie natürlich schlecht wiederfinden. Außerdem war die Sprache, in der eine Aufnahme beschrieben wurde, nicht standardisiert. Man könnte mich z.B. als großgewachsenen, in unrasierten Mittelblonden Mann beschreiben und damit hat dann jede und jeder von uns ein Bild im Kopf aber garantiert keine ausreichende Beschreibung, um mich in der Menge wiederzufinden.&nbsp;</p>

<p>Bertillon schlägt also vor, dieses Ablagesystem zu ändern. Statt alphabetischer Reihenfolge schlägt er Messungen vor. Verdächtige sollen nicht einfach nur fotografiert werden, sondern auf eine genau vorgegebene Art und Weise fotografiert werden. Und während sie fotografiert werden, sollen bis zu 11 verschiedene Messungen vorgenommen werden. Die Annahme dabei: Es gibt bestimmte Eigenschaften, die ändern sich auch über die Jahre hinweg nicht mehr. Und selbst dann, wenn man nur genügend solche Merkmale festhält und sammelt, dann hat man irgendwann eine so kleine Fehlerwahrscheinlichkeit, dass man Menschen ausreichend genug beschrieben hat.&nbsp;</p>

<p>Die Körpermaße, die er zur Messung vorschlägt, sind Körperlänge, Armspannweite, Sitzhöhe, Kopflänge, Kopfbreite, Länge des rechten Ohres, Breite des rechten Ohres, das wurde dann später durch die Jochbeinbreite ersetzt, Länge des linken Fußes, Länge des linken Mittel- und Kleinfingers und Länge des linken Unterarms. Er legte genau fest, wie diese Messungen vorgenommen werden mussten und wie sie festgehalten wurden. Außerdem wurde fotografiert und für diese Fotografien definierte Bertillon genau, in welcher Lichtsituation, mit welchem Hintergrund diese Aufnahmen stattzufinden hatten.&nbsp;</p>

<p>Bertillon war derjenige, der zum ersten Mal eine Messskala in den Hintergrund packte. Bertillon war derjenige, der definierte, welche Aufnahmen in welcher Reihenfolge welche Details zu zeigen hatten. Und wenn man diese Liste von 11 Messungen vor Augen hat, dann kann man das Ganze auch für ganz schön durchgeknallt halten.</p>

<p>Und genau das tat sein Chef. Er riet ihm doch mal im lokalen Sanatorium für geistig Kranke nachzufragen, ob die ihm helfen könnten und drohte ihm mit Rauswurf, sollte er nochmal mit der Idee um die Ecke biegen.&nbsp;</p>

<p>Sein Vater hingegen sah sich die Methode an und als ausgebildeter Statistiker verstand er, worum es seinem Sohn dabei ging. Als Bertillon ein Wechsel der Vorgesetzten ins Haus stand, war seine Chance gekommen. Sein Vater intervenierte und sorgte dafür, dass sein Sohn die Erlaubnis erhielt, seine Methode in praktischen Versuchen zu testen.&nbsp;</p>

<p>Er bekam zwei Mitarbeiter und einen Raum. Und drei Monate Zeit. Im November 1882 begann er mit dem Vermessen und Dokumentieren der ersten Verdachtsfälle. Im Februar 83, kurz vor Ende des Testlaufs, hatte er 1800 Karteikarten angelegt, die nach diesen statistischen Kriterien sortiert waren und nicht mehr nach Alphabet. Seine Kritiker beobachteten das Ganze mit Erheiterung und hielten es für unmöglich, dass er mit dem System auch nur einen Verdächtigen identifizieren konnte.</p>

<p>Und fast sah es so aus, als würden sie Recht behalten. Es war tatsächlich schon Februar, als Bertillon mit seinem System erfolgreich den ersten rückfälligen Straftäter anhand seiner Körpermaße identifizieren konnte. Das war so überraschend, dass man erstmal die Testphase verlängerte. Er sollte weitere Monate daran arbeiten und er bekam weiteres Personal zugeteilt. Bis zum Ende des Jahres hatte er 49 Identifizierungen nachgewiesen und mit wachsendem Datenbestand wurde das System immer erfolgreicher. 1888 gründete die Pariser Polizei dann den ersten polizeilichen Erkennungsdienstlich überhaupt und beförderte Bertillon zu seinem ersten Leiter.</p>

<p>Das System wurde nach ihm Bertillonage genannt und bestand nicht nur aus den Anweisungen, wie denn die Fotografien oder die Messungen vorzunehmen wären, sondern auch eigens dafür konstruierte Apparaturen. So gab es eine fotografische Apparatur, nur um diese, wie man heute ja sagt, Mugshots aufzunehmen. Und das Verfahren trat einen weltweiten Siegeszug an. In den USA, in Deutschland, in Spanien, in Russland, überall wurde das Verfahren eingeführt und angewendet.</p>

<p>Allerdings hatte das Verfahren natürlich auch Nachteile. Die Genauigkeit, die hing davon ab, wie präzise die Messungen vorgenommen wurden. Und so war die Erfolgsquote außerhalb der Pariser Dependance sehr, sehr unterschiedlich.&nbsp;</p>

<p>Und dann gab es auch nach und nach konkurrierende Verfahren. In Bertillons System wurden Verdächtige mithilfe der Maße identifiziert und dann per <a "/tags/fotobeweis.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="7" title="Fotobeweis">Fotobeweis</a> überführt. Aber es gab die Diskussion, ob dieser letzte <a "/tags/fotobeweis.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="7" title="Fotobeweis">Fotobeweis</a> nicht vielleicht durch Fingerabdrücke ersetzt werden konnte. Die waren nicht nur einfach zu erfassen, sondern hatten auch den Vorteil, dass man sie oft an Tatorten fand.&nbsp;</p>

<p>Und wo wir schon beim Bereich der forensischen Fotografie sind: Es gab inzwischen einen kompletten spezialisierten Bereich der Beweisfotografie, in der unter anderem natürlich Fingerabdrücke oder Abdrücke jeglicher Art eine große Rolle spielten. Bertillon zweifelte an, dass Fingerabdrücke geeignet wären, denn er glaubte nicht, dass man sie systematisch ablegen und damit auch wiederfinden konnte. Da sollte er sich natürlich geirrt haben, wie wir heute wissen.&nbsp;</p>

<p>Noch zu seinen Lebzeiten trat die Bertillonage immer mehr in den Hintergrund und wurde nach und nach von Fingerabdrücken als biometrisches Erkennungsmerkmal abgelöst.</p>

<p>Was aber erhalten blieb, waren die präzisen Methoden von Alphonse Bertillon. Er hatte nicht nur fotografische Apparate konstruiert, sondern eben auch definiert, dass Fotos im Polizeibetrieb aus einem genau definierten Abstand zu machen wären, dass Skalen mit ins Bild gelegt werden mussten, und zwar nicht nur bei Mugshots im Hintergrund, sondern auch zum Beispiel bei Tatortfotografien. Und so sind selbst moderne Ablage- und Fotosysteme immer noch von Prinzipien beeinflusst, die damals Alphonse Bertillon ins Leben rief. Und insbesondere die Mugshots, die würde er auch heute immer noch wiedererkennen.</p>

<p>In Vorbereitung für die heutige Episode bin ich dann auch im Internet unterwegs gewesen und habe nach berühmten Mugshots gesucht. Und es ist schon erstaunlich, wie viele Berühmtheiten irgendwann mal mit der Polizei in Kontakt kamen und da dann polizeiliche Aufnahmen hinterlassen mussten. Da gibt&#8217;s Aufnahmen von Fred Astaire, von Jane Fonda, von Mick Jagger oder von Bill Gates.&nbsp;</p>

<p>Besonders das Bild von Bill Gates finde ich witzig. Da war er in New Mexico festgenommen worden, weil er mit einem Porsche ohne Führerschein zu schnell gefahren war. In dem Foto, das die Polizei von ihm machte, grinst er frech in die Kamera und verewigte diese Aufnahme dann später in dem Microsoft E-Mail-Programm Outlook: Legt man dort nämlich einen neuen Kontakt an, wird einem links als Platzhalterbild eine <a "/posts/silhouetten-und-scherenschnitte.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="18" title="Silhouetten und Scherenschnitte">Silhouette</a> genau dieses Mugshots gezeigt.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 22 Nov 2020 16:27:54 GMT</pubDate>
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        <item>
            <title>Das Bild im Auge des Mordopfers</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/das-bild-im-auge-des-mordopfers.html</link>
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            <description>Die Fotografie machte im 19. Jahrhundert zuvor unsichtbares sichtbar und hielt fest was man verloren glaubte.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Die Fotografie machte im 19. Jahrhundert zuvor unsichtbares sichtbar und hielt fest was man verloren glaubte. War es da nicht auch vorstellbar, Verbrechen anhand der letzten &#8222;Aufnahme&#8220; ihrer Augen aufklären zu können? </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Optographie" target="_blank">Optographie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_K%C3%BChne" target="_blank">Willhelm Kühne</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/optographie-was-sich-vor-dem-tod-in-die-netzhaut-brennt-fotostrecke-57058.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Was sich vor dem Tod in die Netzhaut brennt</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.rnz.de/kultur/magazin_artikel,-Optographie-Wenn-sich-das-Bild-des-Moerders-im-Auge-des-Opfers-einbrennt-_arid,451060.html" target="_blank">Wenn sich das Bild des Mörders im Auge des Opfers einbrennt</a> (RNZ)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://strangeremains.com/2016/05/14/how-to-develop-pictures-from-a-corpses-eyes/" target="_blank">How to develop a picture from a corpse’s eye</a> (strangeremains)</li><li>Dead Men’s Eyes: A History of Optography</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.jack-the-ripper-tour.com/generalnews/photographing-the-eyes/#:~:text=Optography%2C%20or%20the%20idea%20that,debunked%20as%20a%20forensic%20method." target="_blank">Jack the ripper and Optography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250428184935/https://www.smithsonianmag.com/smart-news/how-forensic-scientists-once-tried-see-dead-persons-last-sight-180959157/" target="_blank">How Forensic Scientists Once Tried to “See” a Dead Person’s Last Sight</a> (Smithsonian Magazine)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://idnc.library.illinois.edu/cgi-bin/illinois?a=d&amp;d=STR19150227.2.2&amp;e=-------en-20--1--img-txIN---------" target="_blank">Theresa Hollander&#8217;s case told through newspaper scans &#8211; Search Results</a> (Illinois Digital Newspaper Collection)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://www.museumofoptography.net/Home.html" target="_blank">Museum of Optography</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="353" height="419" src="https://fotomenschen.net/assets/image.png" alt="Ein gescanntes Zeitungsartikel mit der Überschrift „Photo of Slain Girl&#x27;s Eye“ und einem Text über Details eines Falles, der Namen wie Theresa Hollander erwähnt."/></figure></div>

<div><figure class="aligncenter"><a href="https://web.archive.org/web/20210415151241/https://explore.chicagocollections.org/image/chicagohistory/71/k64b34f/"><img decoding="async" src="https://portal-ccc.s3.amazonaws.com/media/images/chicagohistory/71/k64b34f.jpg" alt="[Hollander murder case, Photograph of Theresa Hollander]"/></a><figcaption>Theresa Hollander</figcaption></figure></div>

<p class="has-small-font-size">Bildquelle: By Wilhelm Friedrich Kühne (March 28, 1837 - June 10, 1900) &#8211; The College of Optometrists, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25926283</p>

<p class="has-small-font-size">Soundquelle: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.soundsnap.com/" id="soundsnap.com" target="_blank">soundsnap.com</a></p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Unsere Folge beginnt mit einem Mordfall, in Chicago. Es ist ein kalter und winterlicher Februar Abend, als die 20 jährige Teresa Hollaender sich auf den Heimweg macht. Zusammen mit einem Freund und einer Freundin nimmt sie erst die Straßenbahn und geht dann ein kurzes Stück über den Friedhof Richtung Elternhaus. Es ist dunkel und kalt und deswegen ist da zu der Zeit auch wirklich niemand unterwegs. Deswegen gibt es für die nachfolgenden Geschehnisse auch keine Zeugen. Als ihre Eltern anfangen, sich Sorgen zu machen, macht sich der Vater auf den Weg, nach seiner Tochter zu suchen und geht den Weg ab, den sie normalerweise einschlagen würde. Und natürlich findet er sie auch mit einem Holzknüppel zu Tode geprügelt. Außer ihre Leiche und dem Knüppel gibt es aber keine weiteren Zeugen, weil Teresa mit weit aufgerissenen Augen gefunden worden war. Macht der ortsansässige Augenoptiker einen ungewöhnlich klingenden Vorschlag? Es gäbe nämlich die Theorie, so teilt er den Behörden mit, dass sich der letzte Blick im Augenblick des Todes praktisch einbrennt und man mit fotografischen Verfahren dieses Bild wieder zum Vorschein bringen konnte. Im Falle von Teresa war man sich ziemlich sicher, dass die vermutlich als letztes ihren Mörder gesehen haben musste. Und deswegen genehmigte die Staatsanwaltschaft in diesem Fall, das Auge des Opfers zu öffnen und eine Aufnahme anzufertigen, in der Hoffnung darauf, Hinweise auf den Mörder finden zu können.</p>

<p>Ein Bild wird gemacht. Und als es zu ersten Festnahmen und dann einem Prozessauftakt kommt, wird viel über dieses Bild gemunkelt. Man hätte den Mörder da drinnen gesehen oder doch zumindest genügend Hinweise, um den Angeklagten mit vier befreundeten Anthony Patras verurteilen zu können. Naja, kam dann doch anders. Anthony Petras wird nicht nur einmal, sondern gleich zweimal angeklagt und beide Male freigesprochen. Als dann später ähnliche Morde geschehen, für die dann Petras auch noch ein Alibi hatte, war der Verdacht dann endgültig ausgeräumt. Und das Foto, das wirklich gemacht worden war, zeigte leider überhaupt gar nichts Verwertbares. Aber es zeigte etwas und das ist jetzt vielleicht die Stelle, an der ich eins aufklären muss. Es ist tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnis, dass unsere Augen, da sie ja chemisch funktionieren, Bilder festhalten. Und jawohl, man kann diese Bilder fotografisch fixieren. Und im Jahr 1914, als Teresa erschlagen worden war, da war das tatsächlich schon ein relativ alter Hut. Die Geschichte der sogenannten Orthographie, so nennt man diese Disziplin nämlich, beginnt im Jahr 1878 mit dem deutschen Forscher Wilhelm Friedrich Kühne. Der forscht in Heidelberg und war Physiologe und Enzym Forscher, und in der Eigenschaft begann er 1877, sich mit der chemischen Beschaffenheit der Retina auseinanderzusetzen.</p>

<p>Ein Jahr zuvor hatte, ein Physiologe namens Franz Boll, die These aufgestellt, dass es ein Sehpigment gäbe, das unter Einfluss von Licht verblassen würde. Und das, so meinte Boll, geht eigentlich nur bei lebendigen Organismen, und sobald der Tod eintritt, kommt dieser Prozess zum Erliegen. Mit dieser Frage beschäftigte sich jedenfalls Wilhelm Kühne und experimentierte zu dem Zweck mit entnommenen Retinas. Und da tauchte natürlich die Frage auf, ob sich der Ablauf bei lebendigem Gewebe und totem Gewebe unterscheiden würde. Und zu diesem Zweck untersuchte Wilhelm Friedrich Kühne Hasen. Er fixierte Versuchstiere, sodass die gezwungen waren, ein Fenster in seinem Labor anzusehen, bevor er sie tötete und die Retina untersuchte, und stellte dabei dann fest, dass sich tatsächlich das Bild dieses Fensters in der Netzhaut eingebrannt hatte. Konkret ist es so, dass Sehpurpur unter Lichteinfall zerfällt und dann eine gewisse Zeit braucht, um sich wieder aufzubauen. Wie gesagt, dem Mann ging es eigentlich nicht wirklich ums Fotografieren oder um das Festhalten von Bildern in toten Augen. Er hat sich mit dem Mechanismus des Sehens an sich befasst, aber die Phantasie der Menschen war natürlich sofort grenzenlos angeregt. Denn seine Erkenntnisse demonstriert er unter anderem eben mit Aufnahmen dieser Hasen Retinas, in denen man die Fenster Muster sehen konnte. Wilhelm Kühne zog thematisch weiter. Der Verdauungstrakt und Diabetes waren Themen, mit denen er sich weiter beschäftigte. Aber mit seinen Erkenntnissen in der Welt dauert es natürlich nicht lange, bis die ersten die Frage stellten, ob man nicht in den Augen von Toten die Bilder ihrer Mörder sehen konnte.</p>

<p>Wilhelm sah das skeptisch und der Hauptgrund für seine Skepsis war die Belichtungszeit, die es brauchte. Klar hat der Sehpurpur praktisch so eine nach Regenerationszeit und jawohl, man kann das nutzen, um ein Bild sozusagen zu fixieren. Aber man müsste seinen Mörder schon erstaunlich lange erstaunlich ruhig anschauen. Der müsste auch so ein bisschen ruhig halten, um ein Bild von ihm auf der Netzhaut festhalten zu können. Und dann müsste das Auge idealerweise in weniger Minuten entnommen und untersucht werden. Denn der Effekt hält eben auch nicht lange an. Aber es gab eine Menge Unwissen. Denn die Frage, wie lange denn ein Bild im Auge des Menschen erhalten bleibt und ob man denn nun das letzte Bild wirklich sehen könne, kann man ja nicht mal eben so beantworten. Man kann ja nicht wild irgendwelche Leute umbringen, um in die Augen zu entnehmen und zu untersuchen. Außer man sucht sich einen zum Tode Verurteilten. Das ist der nächste Stopp unserer heutigen Folge. Der 16. November 1880. Da wird nämlich der 31 jährige wegen Kindsmord verurteilte Ehrhard Gustav Reif zur Guillotine geführt. Seine Hinrichtung ist ein wissenschaftliches Experiment. Er soll nämlich nicht nur für seine Tat büßen, sondern die Behörden haben genehmigt, dass sein Auge eben genau auf die Frage hin, was die Retina im Augenblick des Todes denn nun wirklich festgehalten hatte, untersucht werden darf und was man damals erkennt, ist, das Bild ist wenig brauchbar. Der Eindruck auf der Netzhaut hält ungefähr 5 Minuten. Es ist sehr schwer zu fotografieren und zu fixieren und im Allgemeinen auch nicht identifizierbar, einfach zu verwaschen. Man sieht aber zweifelsfrei, dass etwas da ist.</p>

<p>Jetzt leben wir ja in einer Zeit, in der es dramatische Erkenntnis, Gewinne und Entwicklungen gab. Die Industrialisierung brachte praktisch jeden Tag ein neues Wunder und deswegen wurde man von solchen Erkenntnissen auch nicht entmutigt. Die Forensiker bei den verschiedenen Polizeibehörden, die rieben sich schon die Hände, denn man hatte die Hoffnung, dass es irgendwann vielleicht ja dann Mittel und Wege geben könnte, wie man den einen oder anderen Mord mit einem gezielten Foto aufklären könnte.<br>Und so fängt man, so wird zumindest überliefert, auch während den Ermittlungen im Jack the Ripper Fall an, die Augen einzelner Mordopfer fotografisch festzuhalten. Wie wir wissen, hat auch das nicht viel gebracht. Was diese Beispiele allerdings zeigen, ist, dass das Verfahren an sich für möglich gehalten wurde. Theresa und Jack the Ripper sind nur prominente Beispiele für eine ganze Reihe von Fällen, in denen man versucht hat, Hinweise über solche Aufnahmen zu bekommen. Und das Ganze ist natürlich auch verständlich, denn es ist ja wirklich schwer auseinanderzuhalten, was jetzt gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis und was vielleicht dann doch nur Wunschdenken ist. Das hindert aber weder die Presse noch die Kriminalistik, noch die phantastische Literatur der damaligen Zeit wild mit der Idee zu spielen. Tatsächlich ist die Idee auch heute immer wieder in Filmen und Büchern zu sehen. Was seinerzeit Jules Verne begann, setzt heute Doctor Who fort, heute freilich mit gesicherter Erkenntnis. 1975 wird nämlich der Augenarzt Evangelos Alexandre des an der Heidelberger Universität Augenklinik vom Kriminologen gebeten, das Ganze doch nochmal systematisch und konkret zu untersuchen. Er entwickelt dann auch ein Verfahren, wie man Bilder der Iris tatsächlich fixieren kann. Man sieht also was. Und jawohl! Das hängt von dem ab, was wir vor unserem Auge wahrgenommen haben. Allerdings tritt er auch gleichzeitig den Beweis an, dass das nie dafür taugen wird. Forensische Untersuchungen durchzuführen. Damit nehme ich irgendetwas wirklich ausreichend sichtbar wird, muss es Kontraststark, möglichst hell und möglichst über einen längeren Zeitraum bewegungsunfähig sein. Dann kann man das freilich fixieren und sich angucken und wiedererkennen. Aber für Mordfälle oder eigentlich jede Art der praktischen Anwendung ist das Verfahren der Optographie leider oder Gott sei Dank völlig ungeeignet.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 15 Nov 2020 17:04:22 GMT</pubDate>
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        </item>
        <item>
            <title>Einsteins Sonnenfinsternis</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/einsteins-sonnenfinsternis.html</link>
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            <description>1919 findet eine bis heute berühmte Sonnenfinsternis statt die Albert Einstein über Nacht zu einem internationalen Popidol machen sollte.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>1919 findet eine bis heute berühmte Sonnenfinsternis statt die <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> über Nacht zu einem internationalen Popidol machen sollte. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.youtube.com/watch?v=Ptco_8IRnmY" target="_blank">Histoclips &#8211; Albert Einstein</a> (Video, Deutsch)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein" target="_blank">Albert Einstein</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210321174013/https://www.swr.de/swr2/wissen/broadcastcontrib-swr-31500.html" target="_blank">Albert Einstein &#8211; Meine Relativitätstheorie</a> (SWR2)</li><li><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Eddington_experiment" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Eddington Experiment</a> (Englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spezielle_Relativit%C3%A4tstheorie" target="_blank">Die Spezielle Relativitätstheorie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Relativit%C3%A4tstheorie" target="_blank">Die Allgemeine Relativitätstheorie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Stanley_Eddington" target="_blank">Sir Arthur Stanley Eddington</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Dyson" target="_blank">Sir Frank Dyson</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/albert_einstein_das_jahrhundert_genie/pwiewissensfrage320.html#:~:text=Warum%20streckte%20Einstein%20auf%20dem,M%C3%A4rz%201951%20in%20Princeton" target="_blank">Warum streckte Einstein auf dem berühmten Foto die Zunge heraus?</a> (Planet Wissen)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/rekorde/diese-erfindungen-waeren-albert-einstein-undenkbar/" target="_blank">Diese Erfindungen wären ohne Albert Einstein undenkbar</a> (ingenieur.de)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/albert_einstein_das_jahrhundert_genie/index.html" target="_blank">Albert Einstein, das Jahrhundert-Genie</a> (Planet Wissen)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/news/science-environment-48369980" target="_blank">The man who made Einstein world-famous</a> (BBC)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://allthatsinteresting.com/albert-einstein-tongue-photo" target="_blank">The Story Behind Albert Einstein’s Iconic Tongue Photo</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Sasse" target="_blank">Arthur Sasse</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/picture/2014/mar/14/albert-einstein-tongue-photography" target="_blank">Einstein&#8217;s tongue &#8211; a picture from the past</a> (The Guardian)</li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

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<p class="has-small-font-size">Image Source: By ESO/Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl/F. W. Dyson, A. S. Eddington, &amp; C. Davidson &#8211; https://www.eso.org/public/images/potw1926a/, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80091497</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Das Bild um das es mir heute geht entsteht am 29 Mai 1919 und zu dem Zeitpunkt kennt <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> außerhalb der Physiker Gemeinde kein Mensch. Dabei hatte er durchaus schon eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Ursprünglich wollte Einstein offenbar einmal Lehrer werden und zwar für Physik und Mathematik, obwohl er die Mathematik eher lästig fand und während dem Studium hauptsächlich durch Abwesenheit glänzte. Der gebürtige Ulmer lebte und studierte damals in der Schweiz und 1901 während er versuchte sich als Hauslehrer durchzuschlagen wurde er deswegen auch schweizer Staatsbürger. 1903 wechselt er seinen Beruf und wird Angestellter beim Patentamt in Bern.&nbsp;</p>

<p>In dieser gesamten Zeit als Hauslehrer und als Angestellter beim Patentamt hatte sich Einstein mit verschiedenen physikalischen Problemen beschäftigt und deswegen veröffentlicht er 1905 mehrere seiner wichtigsten Papiere überhaupt, da ist nämlich einmal seine Dissertation, dann eine Arbeit zum photoelektrischen Effekt für die er später dann auch noch den Nobelpreis bekommen sollte und zwei weitere Papiere, die man heute zusammengefasst als spezielle Relativitätstheorie kennt mit der berühmten Formel E=mc².</p>

<p>All diese Unterlagen machten ihn jetzt nicht bekannt, legten aber die Grundlage für seine</p>

<p>Karriere als Physiker. Und die bringt ihn 1913 nach Berlin, wo er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Direktor des Kaiser-Wilhelm Institut für Physik ist. In der Zeit veröffentlicht Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie, die auf den Kopf stellt was man bisher als gesichert angesehen hatte, nämlich die newtonsche Gravitationsgesetze.</p>

<p>Unter Newton nahm man an, dass Gravitation so ähnlich funktioniert wie Magnetismus, d.h. der Körper erzeugt ein Feld, dass sozusagen Anziehung erzeugt.</p>

<p>Einstein stellte diese Annahme grundsätzlich in Frage, er behauptete Gravitation ist nichts anderes als der Effekt, den wir beobachten, wenn Masse den Raum krümmt, je größer die Masse, desto größer der Effekt.</p>

<p>Es gab auch mehrere Vorhersagen, basierend auf dieser Erkenntnis, z.B., dass Gravitation auch, wenn sie den stark genug wäre, Licht ablenken würde. Und zwar stärker abzulenken, als es von den newtonschen Gesetzen zu erwarten wäre. Was man also tun müsste wäre, ein sehr massereiches Objekt vor Sternen vorbeiziehen zu lassen und die Position dieser Sterne zu notieren, die würde sich nämlich in der Nähe des Objekts verändern und so könnte man nachprüfen ob die Vorhersagen von Einsteins Theorie mit der Wirklichkeit übereinstimmen.&nbsp;</p>

<p>Jetzt gibt es nur ein Problem, das einzige Objekt im Sonnensystem, dass genug Masse hat um so ein Experiment durchzuführen ist die Sonne und wenn man Richtung Sonne schaut, sieht man leider die umliegenden Sterne nicht mehr. Das ist also der Stand der Dinge 1915, es ist diese Zeit, in der ein Professor der Astronomie, Sir Arthur Stanley Eddington, von den Theorien Einsteins erfährt und sofort erkennt, was die allgemeine Relativitätstheorie denn für Auswirkungen hätte, wenn sie denn wahr wäre. Erfahren hat er von der Theorie durch, sagen wir mal, eine Art Kettenbrief, ein gemeinsamer Bekannter von Eddington und EInstein hatte mehrere Briefe an verschiedene Institute abgeschickt um darauf hinzuweisen welche mögliche Bedeutung diese Arbeit von Einstein haben könnte.</p>

<p>Es ist der Erste Weltkrieg. Auf den Weltmeeren werden Schiffe von deutschen U-Booten versenkt und gerade in Großbritannien hat man zum Teil wirklich anderes im Sinn, als sich die Arbeiten deutscher theoretischer Physiker anzuschauen. Ja manch einer mag schon deswegen nicht draufschauen, weil es ja der Feind ist. Nicht so Eddington. Er glaubt, Wissenschaft ist wichtiger und größer als Politik oder <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>.</p>

<p>Und so beginnt er mit der Arbeit an einem Versuchsaufbau, mit dem sich die Theorien Einsteins erhärten ließen. Es geht nämlich sehr wohl einen Moment, in dem man Richtung Sonne schauen und gleichzeitig den Nachthimmel sehen kann. Während einer totalen Sonnenfinsternis ist genau das möglich. Und eine Sonnenfinsternis als Kandidat war auch schnell gefunden. Am 29. Mai 1919 wären nämlich in Brasilien und an der Küste Afrikas geradezu perfekte Bedingungen. Allein jetzt gab&#8217;s noch ein nicht ganz unwesentliches Problem. Dieses Experiment war ganz schön teuer. Es mussten Teleskope konstruiert, Fotoapparate gebaut, Expeditionen ausgerüstet werden. Und das alles während einem Weltkrieg, während dem es wirklich nicht sicher war, über die großen Ozeane zu schippern. Ein Bekannter von Eddington, nämlich Sir Dyson, war der Leiter der Königlichen Astronomischen Gesellschaft und hilft bei der Sicherung der Finanzmittel. Es werden zwei Expeditionen ausgestattet, eine, um eben in Brasilien Aufnahmen zu machen, die andere fährt an die Küste Afrikas. Und schon während der Vorbereitungen war das ganze Projekt mehrmals auf Messers Schneide, nicht zuletzt auch, weil es fast so aussah, als würden Streiks von Schiffahrtsverbänden in letzter Minute noch dafür sorgen, dass man nicht mehr aufbrechen konnte. Und auch die Überfahrt war eigentlich nur deswegen sicher, weil gerade rechtzeitig ein Waffenstillstand vereinbart worden war. Die Weltpresse verfolgt die gesamten Vorbereitungen aufmerksam. Isaac Newton vs die moderne theoretische Physik, so lässt sich das wohl zusammenfassen. Als dann also Eddington mit den Aufnahmen zurückkehrt und nach wochenlanger Auswertung bekannt geben kann:Jawohl, Einsteins Theorie stimmt. Er hatte recht mit seinen Vorhersagen war das im Rahmen einer Pressekonferenz und eine weltweite Sensation. Die Royal Society bezeichnet das Ganze als Triumph des menschlichen Geistes. Die Times titelt Revolution in Science und der Name <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> war ab da weltberühmt, und zwar nicht nur bei Physikern.</p>

<p>Praktisch über Nacht wurde er zu einem internationalen Celebrity. All das, inklusive der Vorbereitungen des Experiments, passiert übrigens unter Abwesenheit Albert Einsteins. Tatsächlich hatte nur der gemeinsame Freund, der in den Niederlanden lebte und damit in einem neutralen Land Kontakt zu beiden. Aber Einstein verfolgte das Ganze tatsächlich eher aus der Distanz. Für Eddington war das Ganze wenig überraschend einer der großen Momente seiner Karriere. Er würde später zu einem der führenden Experten zur Allgemeinen Relativitätstheorie und schrieb das erste Lehrbuch zum Thema. Seine wachsende Bekanntheit nutzte Einstein, um die ganze Welt zu bereisen. Er besuchte Lehrveranstaltungen und hielt Vorträge, bekam Ehrendoktorwürde und akzeptierte schließlich von der Princeton University einen Lehrauftrag. Für eine Weile würde er halbjährlich wechseln zwischen Berlin und New Jersey und jeweils dort dann lehren. Inzwischen wusste man auch so einiges über Einsteins Ansichten. Er war Sozialist und Pazifist und hatte das bei mehreren Gelegenheiten wörtlich und schriftlich niedergelegt. Damit war natürlich dem NS-Regime ein Dorn im Auge. Die zwang ihn wie andere aus der Akademie der Wissenschaften auszutreten und leiteten schließlich eine Straf Ausbürgerung ein. Ab jetzt hatte Einstein seinen Wohnsitz in den USA, das Land, in dem er dann irgendwann auch die Staatsbürgerschaft anstrebte und bekam. Zeit seines Lebens forschte er an den großen Themen der Wissenschaft und äußerte sich immer wieder auch politisch. Als Wissenschaftler fühlte er sich mitverantwortlich für die großen Themen der Zeit. In der Öffentlichkeit prägte sich nach und nach das Bild von ihm als dem prototypischen schrulligen Professor ein. Einstein spricht ein ganz furchtbares Deutsch Englisch.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>.”The common language of science. The first step to what’s language was to link accoustical or otherwise commutable science to sense impressions. Most likely all sociable animals have arrived at this primitive kind of communication.”</p>

<p>Außerdem kleidet er sich einigermaßen nachlässig und hat meistens wirre Haare. Bei öffentlichkeitswirksamen Auftritten macht ihn das natürlich auch zu einem beliebten Pressefoto Objekt. Und da sind wir jetzt bei dem anderen berühmten Foto, das mit daraus gestreckten Zunge. Es ist Albert Einsteins 72. Geburtstag und er ist auch so einigermaßen genervt von der Presse um ihn herum. Diverse Fotografen und Journalisten wollen sich mit ihm unterhalten und Fotos von ihm und es soll mal hier posieren und da posieren. Und die meiste Zeit ist er einigermaßen mürrisch unterwegs. Der Abend neigt sich dem Ende zu und Einstein macht sich auf den Weg nach Hause. Das Auto ist umlagert von Fotografen, unter ihnen auch der Agentur Fotograf <a "/tags/arthur-sasse.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="5" title="Arthur Sasse">Arthur Sasse</a> ruft “Professor Please smile for your birthday picture.” Und Albert Einstein dreht sich ihm zu, streckt die Zunge aus und schaut dann wieder weg. Im Originalfoto sitzt er bereits im Auto mit seinen zwei Begleitern, Misses Aydelotte und Mister Aydelotte links und rechts von sich. Wahrscheinlich dachte Einstein, er würde den Shot von Arthur Sehers ruinieren. Der war allerdings schnell genug, im Gegensatz zu all seinen Kollegen und schickte auch später einen Druck an Einstein. Im Grunde hätte da die Geschichte vorbei sein können. Aber Albert Einstein fand dieses Bild so lustig, dass er anfing, Nachdrucke davon zu bestellen und als Postkarten und Poster und Bilder zu verschenken. Nachdem Einstein sowieso schon den Ruf weg hatte. Schrullig bis bizarr zu sein, passte dieses Bild perfekt und trat jetzt den Siegeszug durch die Presse an. Das Bild ist heute so berühmt wie damals eine der großen Fotoikonen der Menschheit.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>“This picture of Einstein sticking out his tongue selling for almost 75.000$ this week. It’s one of just 9 prints.”</p>

<p>Es existieren noch neun original Abzüge dieses Bildes. Und wer zufällig 75 000 Dollar übrig hat, kann ja mal sein Glück versuchen. Halten wir also fest Das berühmteste Bild von Einstein mag das mit der Zunge sein, aber das Bild, das Einstein über Nacht zum weltweiten Celebrity gemacht hat, war ein Foto einer Sonnenfinsternis. Und das finde ich jetzt mal wirklich sehr cool.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Fri, 02 Oct 2020 08:37:35 GMT</pubDate>
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        </item>
        <item>
            <title>Fliegende Pferde und entschuldbarer Totschlag</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/fliegende-pferde-und-entschuldbarer-totschlag.html</link>
            <guid isPermaLink="true">https://fotomenschen.net/posts/fliegende-pferde-und-entschuldbarer-totschlag.html</guid>
            <description>Eadweard Muybridge war nicht nur talentierter Entertainer, Weltreisender, Buchhändler, Fotograf und freigesprochener Mörder sondern auch der Mann der uns Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und Bewegtbild...</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Eadweard Muybridge war nicht nur talentierter Entertainer, Weltreisender, Buchhändler, Fotograf und freigesprochener Mörder sondern auch der Mann der uns Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und Bewegtbild brachte.</p>

<ul><li>Eadweard Muybridge (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eadweard_Muybridge#Vortragsreisen_durch_Europa_und_Animal_Locomotion" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Leland Stanford (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leland_Stanford" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Category:Eadweard Muybridge animations (<a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Eadweard_Muybridge_animations" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Eadward Muybridge Left Foot Hop (<a href="https://www.fotohits.de/themen/report/serie-ein-bild-und-seine-geschichte/eadweard-muybridge/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsch, fotohits.de</a>)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://artsandculture.google.com/entity/eadweard-muybridge/m0gc57" target="_blank">Eadweard Muybridge at Google Arts &amp; Cultur</a>e</li><li>How Eadweard Muybridge Gave Us the Moving Image (<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.artsy.net/article/artsy-editorial-eadweard-muybridge-moving-image" target="_blank">artsy.net</a>)</li><li>Mastering Motion (<a rel="noreferrer noopener" href="https://blog.artsper.com/en/" target="_blank">widewalls.ch</a>)</li><li>Wer war Eadweard Muybridge? (kwerfeldein)</li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<div class="yt-facade" data-yt="kVCKHwkZt_g" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_kVCKHwkZt_g.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<div class="yt-facade" data-yt="7VAds0GH_8E" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_7VAds0GH_8E.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/1512116955" target="_blank" rel="noopener">Murder in Motion: The Strange Life of Photographer (and Murderer) Eadweard Muybridge</a></p>

<div><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/Muybridge_horse_gallop_animated.gif" alt="Datei:Muybridge horse gallop animated.gif"/></figure></div>

<p class="has-small-font-size">Image Source: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/photos/?q=Eadweard+Muybridge" target="_blank">Library of Congress</a><br>Music: CC-BY-NC, <a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20221205110240/http://dig.ccmixter.org/files/mindmapthat/56281" target="_blank">Countryside Summer Joyride by Kara Square</a><br>Sound Effects: <a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/vero.marengere/sounds/450325/" target="_blank">Gallopp</a>, CC0, by very.marengere / <a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/InspectorJ/sounds/352513/" target="_blank">Destruction</a>, CC-BY, by InspectorJ</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Heute geht es um fliegende Pferde. Und um den letzten Fall, in dem in Kalifornien ein geständiger Mörder trotz seiner Tat freigesprochen wurde.</p>

<p>Wir befinden uns im Kalifornien der 1850er Jahre. Der Goldrausch tobt durch das Land. Und das ursprünglich mal ziemlich provinzielle San Francisco war innerhalb von gerade mal 10 Jahren von knapp 400 auf über 55000 Einwohner angewachsen.</p>

<p>Und wer zu der Zeit an die Westküste der Vereinigten Staaten zog, der wollte ins Nirgendwo. Ans Ende der Welt. Dort, wo noch wirklich der Wilde Westen herrschte. Man wollte sein Glück finden, vielleicht mit ein bisschen Glück Gold. Auf jeden Fall sein Glück in die eigenen Hände nehmen.&nbsp;</p>

<p>Und hier treffen wir den Buchhändler Eadweard Muybridge, oder wie er eigentlich mal bei seiner Geburt im Londoner Vorort Kingston hieß, Edward James Muggeridge. Er war mit c.a. 21 Jahren nach Amerika ausgewandert. Bei seinem ersten Stopp in New York lernt er einen Porträtfotografen kennen, der ihm die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> und andere Verfahren nahebringt und sich dann auf den Weg an die Westküste macht.&nbsp;</p>

<p>Muybridge folgt ihm dann zwei Jahre später, wo besagter Freund inzwischen ein Porträtstudio betreibt, und Muybridge eröffnet eine Buchhandlung, in der er dann unter anderem auch Porträts oder Landschaftsbilder verkauft. Die Geschäfte laufen gut und so holt er seine zwei Brüder nach. Die sollen sich um seine Geschäfte kümmern, während er sich auf dem Weg nach Europa macht, um dort Bücher einzukaufen. Er macht sich auf den Weg, verpasst aber leider sein Schiff und fasst den Plan, per Kutsche nach St. Louis zu reisen und dann mit der Eisenbahn zurück nach New York, von wo aus er dann in die alte Welt übersetzen könnte.&nbsp;</p>

<p>Und es ist genau diese Strecke, auf der dann ein folgenschwerer Unfall passiert. Eben noch saß er in einem Pferdewaggon und das nächste, was er weiß, ist, dass er neben dem zerbrochenen Gefährt auf der Straße wach wird, mit einer schweren Kopfverletzung. Er kam tatsächlich gerade noch so mit dem Leben davon und er hat monatelang damit zu kämpfen, dass er Schwindelanfälle hat und doppelt sieht.</p>

<p>Trotzdem beendet er wenige Wochen später seine Überfahrt nach London, wo er sich dann auch in ärztliche Behandlung begibt. Es ist ein Arzt, der ihm empfiehlt, möglichst viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Das sei gesund und therapeutisch. Und weil Edward nicht einfach nur in der Botanik unterwegs sein will, sucht er sich ein Hobby.&nbsp;</p>

<p>Und das ist die Landschaftsfotografie. Er hat die Grundlagen der Fotografie vermutlich von seinem Freund in New York vermittelt bekommen aber jetzt studiert er das Medium ausgiebig und wird in dieser Zeit in London zu einem voll ausgebildeten, fähigen und kompetenten Landschaftsfotograf.&nbsp;</p>

<p>Man muss sich ja vor Augen halten, dass Fotografen in der damaligen Zeit, wir sprechen von den 1870er Jahren, nicht nur Fotografie beherrschen mussten, sondern eigentlich Künstler, Techniker, Bastler und Chemiker in einem sein mussten. Man hat damals überwiegend auf sogenannte Wetplates fotografiert, das heißt, man hatte Glasplatten dabei, die mit einer chemischen Lösung bestrichen wurden, um die Silberpartikel aufzubringen, dann in einer Kamera belichtet wurden und dann innerhalb von wenigen Minuten auch durch entsprechende chemikalische Bäder entwickelt und fixiert werden mussten.</p>

<p>Das heißt, Fotografen bauten nicht nur ihre eigenen Kameras und ihre eigenen Objektive, sie hatten auch immer ihr eigenes Entwicklungslabor zur Hand.</p>

<p>Als Muybridge jedenfalls 1867 nach San Francisco zurückkehrt, beherrscht er Fotografie und sein Equipment gut genug, um sich als Fotograf selbstständig zu machen. Und es ist eine Zeit, in der sieht man in der Geschichte der Fotografie zwei große Trends. In Europa werden große Prachtbauten und Straßenzüge fotografiert.&nbsp;</p>

<p>Und in den USA? Da entdeckt man die Wunder der Natur. Bisher hauptsächlich von Malern dargestellt, ziehen Fotografen los, um die Landschaften der Sierra Nevada und die Landschaften des späteren Yosemite Nationalparks zu dokumentieren. Diese Landschaften sind überwiegend unerschlossen und die Technik ist unhandlich, wie eben schon beschrieben. Man reist praktisch mit seinem eigenen Chemielabor.&nbsp;</p>

<p>Und Muybridge fotografiert die gesamte Küste. Im Auftrag der unterschiedlichsten Institutionen fotografiert er nicht nur Landschaftswunder, sondern auch Schiffe, Leuchttürme, die Küstenlandschaft ganz allgemein und macht sich sogar durch Stereoskopien, also 3D Ansichten der Landschaften einen Namen.&nbsp;</p>

<p>Stereoskopien waren damals der große Hit. Sie wurden in riesigen Stückzahlen produziert und waren so wie heutzutage vielleicht Fernsehen und Filme überall zu finden.&nbsp;</p>

<p>Muybridge wurde durch seine Stereoskopien so bekannt, dass er den Auftrag erhielt, an eine Expedition nach Alaska teilzunehmen, was ihn zu der Selbstvermarktung als offizieller Fotograf der US-Regierung oder als Leiter fotografische Untersuchungen der Pazifikküste brachte. Ja, Bescheidenheit war jetzt nicht so unbedingt seine große Stärke.&nbsp;</p>

<p>Überhaupt hatte Muybridge ein Talent zur Selbstvermarktung. Muybridge war jedenfalls viel unterwegs. Hätte man ihn in der Zeit jedoch gefragt, wo seine Heimat oder sein Wohnort wäre, hätte er jederzeit San Francisco angegeben.</p>

<p>Und da ist es auch Anfang der 70er Jahre, dass er in einem Fotostudio zwei schicksalhafte Begegnungen hat. Einmal lernte dort die 21-jährige Flora Downs kennen, die in erster Ehe unglücklich verheiratet ist. Er bezahlt ihre Scheidung und heiratet sie. Vier Jahre später sollten die beiden einen Sohn bekommen. Außerdem begegnet er in diesem Jahr dem Eisenbahnunternehmer und Politiker Leland Stanford. Ja, das ist der Stanford, von dem die berühmte Universität ihren Namen hat und der unter anderem auch Gouverneur von Kalifornien war.&nbsp;</p>

<p>Stanford ist Pferdenah und deswegen nimmt er aktiv an einer zu der damaligen Zeit hochkochenden Diskussion unter Pferdemenschen teil. Der Frage nämlich, ob Pferde, wenn sie im vollen Galopp sind, zu irgendeinem Zeitpunkt alle vier Hufe in der Luft haben. Zu der Zeit gab es die feste Annahme, ja fast schon Überzeugung, dass das der Fall wäre. Aber beweisen oder sehen konnte das freilich niemand. Denn Pferde im Galopp sind so schnell unterwegs, dass man keine Chance hat, das mit bloßem Auge wahrzunehmen. Aber vielleicht könnte man die ja irgendwie fotografieren.&nbsp;</p>

<p>Und so gab Stanford den Auftrag an Muybridge genau das zu versuchen. Für die damalige Zeit hatte das gleich mehrere Schwierigkeiten. Erstens musste man die Belichtungszeit von Minuten auf Millisekunden drücken, also, das Papier, auf das belichtet wurde, möglichst empfindlich machen, zweitens musste man im richtigen Moment auslösen und drittens durfte die Belichtung natürlich auch nicht mehr als Millisekunden möglich sein. Ein Hochgeschwindigkeitsverschluss musste also konstruiert werden.</p>

<p>Muybridge schritt mithilfe der Ingenieure aus Stanfords Eisenbahnunternehmen zur Tat, konstruierte den ersten elektronischen Zentralverschluss überhaupt und schoss ein leider heute verlorenes Bild von Stanfords Rennpferd Occident, in dem tatsächlich verwaschen, aber immerhin zweifelsfrei zu sehen war, dass alle vier Hufe in der Luft waren. Es wird übrigens behauptet, dass Stanford damit eine Wette entschieden hat und es um 25000 Dollar ging. Die Behauptung wird hin und wieder als urban myth, auf jeden Fall als nicht beweisbar beschrieben.&nbsp;</p>

<p>Muybridge jedenfalls ging in dieser Aufgabenstellung auf. Er wollte nicht nur Pferde in der Luft, sondern den gesamten Bewegungsablauf festhalten. Er verbrachte jede freie Minute mit dieser Aufgabe.&nbsp;</p>

<p>Seine junge Frau freilich, die hatte dafür wenig Sinn. Sie ging ins Theater, in Konzerte, nahm am gesellschaftlichen Leben teil und fand kreative Verwendung für muybridges Geld. Dem war das einerlei, aber ihm entging auch nicht, dass seine Frau gerne flirtete und dass es diverse Verehrer gab. Einer, der ihm schon vorher unangenehm aufgefallen war und den er in seine Schranken verweisen musste, war der Minenangestellte Harry Larkyns.&nbsp;</p>

<p>Als er kurz nach der Geburt seines Sohnes Florado Helios ein Bild von seinem Sohn, auf dem hinten mit der Handschrift seiner Frau &#8222;Little Harry&#8220; geschrieben stand, fand, kam ihm allerdings Zweifel an seiner Vaterschaft. Er wendet sich an die Hebamme seiner Frau, die gleichzeitig eine Vertraute war, und stellt sie zur Rede. Und wie so oft erfährt er da Dinge, die er eigentlich gar nicht erfahren wollte. Sie bestätigte die Affäre und Muybridge nahm seinen Revolver und machte sich auf den Weg zu Larkyns.</p>

<p>Das war ein Trip, der wahrscheinlich mehrere Stunden gedauert hatte. Er musste erst eine Fähre, dann einen Zug und dann eine Kutsche nehmen. Auf dem Weg zu Larkyns reinigte er den Revolver und gab mehrere Testschüsse ab. Es darf also davon ausgegangen werden, dass er in vollem Bewusstsein seine Tat plante.&nbsp;</p>

<p>Muybridge fand Larkyns beim nächtlichen Kartenspiel und sagte dann wohl, er hätte was von seiner Frau auszurichten, bevor er ihn erschoss. Er ließ sich dann widerstandslos abführen und gab bei seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis ab.&nbsp;</p>

<p>Muybridge saß vier Monate in Untersuchungshaft, bevor er vor Gericht gestellt wurde. Seine Frau hatte zwischenzeitlich die Scheidung eingereicht und war der Meinung, dass die Höchststrafe angemessen wäre. In Kalifornien gab es auf Mord zu der damaligen Zeit nur eine angemessene Strafe, nämlich Tod durch Hängen.&nbsp;</p>

<p>Einer seiner Verteidiger versuchte, ihn vor dem Strang zu bewahren, indem er ihn als mental instabil darstellte. Als Nachwirkungen des Unfalls sei er verwirrt, sei er manchmal gewalttätig, aufbrausend. Und auch wenn von Muybridge bekannt war, dass er all das sein konnte, war sein Auftreten vor Gericht allerdings so eloquent, dass kein Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit herrschen konnte. Überhaupt wäre eine Verurteilung wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit nicht unbedingt besser gewesen. Das hatte damals dazu geführt, dass er in ein sogenanntes Irrenhaus gesteckt worden wäre. Lebenslang in so einer Anstalt eingesperrt zu sein, war damals wahrscheinlich ein ähnlich dramatisches Schicksal wie dem Tod ins Auge zu sehen. Muybridges Aussichten sahen also wirklich, wirklich schwarz aus. Entweder Exekution oder lebenslang Irrenhaus.</p>

<p>Es kam zu einem Schlussplädoyer, was in der Zeitung der damaligen Zeit, dem San Francisco Chronicle, als eines der eloquentesten, das man je in Kalifornien gehört hat, beschrieben worden ist. Und wie wir alle aus einschlägigen Filmen und Romanen wissen, muss man ja in den USA in so einem Fall vor allen Dingen die Jury überzeugen.&nbsp;</p>

<p>Und das gelang in diesem Fall. Die Jury wählte den dritten Weg. Statt Todesstrafe wegen Mordes oder Wegsperren wegen Unzulänglichkeit entschied man sich für sogenannten entschuldbaren Totschlag. Oder in anderen Worten: Man war der Meinung, dass Muybridge schon recht hatte, dass er den Liebhaber seiner Frau über den Haufen geschossen hat.</p>

<p>Damit geht Muybridge als der letzte Fall in die kalifornische Geschichte ein, indem jemand trotz zugegebenen und zweifelsfrei festgestellten Mordes freigesprochen wurde. Muybridge ist also wieder auf freiem Fuß, aber in seinem Leben ist jetzt erst einmal der Wurm drin. Seine junge Frau stirbt wenige Monate später, sein Sohn, von dem er nicht sicher weiß, ob es überhaupt sein Sohn ist, kommt ins Waisenhaus, für das er die Kosten trägt und er verkauft sein Geschäft und macht sich auf den Weg nach Zentralamerika, um dort die Plantagenarbeiten zu fotografieren.&nbsp;</p>

<p>Die Fotos aus dieser Zeit haben eine sehr beunruhigende Bildsprache. Manche davon sehen richtig gruselig aus, auch wenn an den Motiven selber erst einmal nichts auszusetzen ist. Er versteht sein Handwerk, er weiß, wie man fotografiert. Aber die Erlebnisse stecken noch in seinen Knochen. Und das sieht man auch seinen Bildern an.</p>

<p>Er fotografiert im Auftrag der Pacific Mail Steamship Company. Seit die erste transkontinentale Eisenbahnverbindung eröffnet wurde, hatten die Sorge, dass ihr Handelsmonopol fallen könnte und sie nutzten die Fotografien als Marketingkampagne.&nbsp;</p>

<p>Muybridge findet sich neu und veröffentlicht über 400 Fotos unter dem Namen Eduardo Santiago Muybridge und vermarktet die nach seiner Rückkehr nach San Francisco ausgiebig. Sie sind so gut, dass sie ihm mehrere Ehrungen und unter anderem eine Goldmedaille einbringen.&nbsp;</p>

<p>Er knüpft also an vorherige Erfolge an. Es sieht gut aus in seinem Leben und in seinen Geschäften. Zeit, wieder zu den Pferden zurückzukehren. Er war ja unzufrieden mit dem Ergebnis. Ein verwaschenes Bild, auf dem ein Pferd mit vier Hufen in der Luft abgebildet war, war nicht genau das, was er gerne produziert hätte. Was er nämlich machen wollte, waren Serienaufnahmen, mehrere scharfe, einzelne Aufnahmen, auf denen man die verschiedenen Stadien des Bewegungsablaufs eindeutig und klar sehen kann.&nbsp;</p>

<p>Auch Stanford ist weiterhin an Board. Auf seinem Gelände wird eine eigens dafür angelegte Anlage konstruiert. Der Boden und die Rückwand, an der vorbeigaloppiert werden soll, wird extra hell getüncht, damit möglichst viel Licht Richtung Kamera geworfen werden kann. Außerdem wird ein Serienauslöser konstruiert. In den Weg gespannte Schnüre lösen insgesamt 24 Kameras nacheinander aus. Und die Rechnung geht auf. Muybridge macht mehrere Testläufe und als er sicher ist, dass es funktionieren wird, lädt er am 15. Juni 1878 eine Reihe von Journalisten ein, vor deren Augen er erfolgreich ein Pferd im Galopp fotografiert. Die versammelten Augenzeugen sind hin und weg.</p>

<p>Sie vergleichen Muybridges Leistung mit der Erfindung des Telefons. Und auch, wenn uns das heute bizarr erscheint. Eigentlich muss man sich nur mal vor Augen halten, wie wenig man damals tatsächlich über diesen Bewegungsablauf wusste. Man wusste also, die Pferde hatten die Hufe alle vier in der Luft. Aber man wusste nicht, wie genau dieser Bewegungsablauf aussah.&nbsp;</p>

<p>Muybridge würde später in seinem Leben Vorträge halten, in denen er berühmte Kunstwerke zeigte und die Fehler in den dort dargestellten Bewegungsabläufen beschrieb. Damit hat er sich vermutlich nicht nur Freunde gemacht aber man konnte auch nicht abstreiten, dass er recht hatte. Seine Erfindung der Hochgeschwindigkeitsserienaufnahme hatte eine Analyse überhaupt erst möglich gemacht.&nbsp;</p>

<p>Muybridge nahm diese Aufnahmen und reiste damit durch die Welt. Er war immer schon ein hervorragender Entertainer und wusste, wie man sich selbst vermarktet. Und so beschrieb er vor jedem Publikum, das sich dafür interessierte, seine Erkenntnisse.&nbsp;</p>

<p>Damit diese Darstellung besser zur Geltung kam, entwickelte er ein Gerät, mit dem sich der Bewegungsablauf wie eine Animation an die Wand projizieren ließ. Das sogenannte Zoopraxiscope. Und es war noch nicht einmal nur gezeichnet, sondern das waren fotografierte Bewegungsabläufe. Es ist keine Übertreibung, Muybridge deswegen als den Vater des modernen Films zu bezeichnen. Stopmotionfilme und Tricktechnik.&nbsp;</p>

<p>Die Herausforderung war, das Muybridge nicht der einzige mit Geschäftssinn war. Er hatte ja mit Stanford gepartnert und Stanford gab in dieser Zeit dann Bücher heraus, in denen er sich vollumfänglich Credit für diese Fotos gab. Und damit wurde Muybridge in Zweifel gezogen. Plötzlich glaubte man nicht mehr, dass die Bilder wirklich von ihm waren. Dieser Stanford schien ja auch glaubwürdig machen zu können, dass er die Bilder geschaffen hätte. Zur Hilfe kommt eine Universität, die University of Pennsylvania. Die beauftragen Muybridge nämlich mit Bewegungsstudien.&nbsp;</p>

<p>Muybridge hatte bisher eigentlich nicht wissenschaftlich gearbeitet. Er war irgendwie ein Zwischending zwischen Fotograf, Bastler und Künstler. Aber eigentlich war er in erster Linie Entertainer. Er wusste einfach, was sich gut vermarkten ließ und hatte weder im Sinn, gezielte Studien zu machen noch wissenschaftlichen Anspruch. Die University of Pennsylvania wollte das ändern.&nbsp;</p>

<p>Sie beauftragten Muybridge mit Bewegungsstudien vor einem definierten Hintergrund mit definierten Abläufen. Muybridge fotografierte also seine Bewegungsabläufe jetzt mit einem sorgfältig konstruierten Apparat vor einem Raster in einem eigens konstruierten Studio. Innerhalb von zwei Jahren entstanden so über 20000 Aufnahmen: Tiere im Laufen, Menschen beim Sport, Alltagshandlungen vor der Kamera, am Anfang meistens eher selbst und dann die verschiedensten Models, immer öfter auch gutaussehende nackte junge Damen, deren einzelne Bewegungsschritte er dann als einzelne Drucke nebeneinander und untereinander wie an einem Raster anordnete.&nbsp;</p>

<p>Es ist die Anekdote mit dem fliegenden Pferd und die Tatsache, dass er ein geständiger Mörder mit Freispruch war, für die er am bekanntesten ist, aber den meisten Einfluss auf die Fotogeschichte und den Grundstein für das, was wir heute Film und Tricktechnik nennen, die hat er dargelegt.&nbsp;</p>

<p>Er lernte in der Zeit übrigens auch Edison kennen und Edison sollte später dann mal behaupten, er hätte das Bewegtbild erfunden, eine Behauptung, in der sich natürlich schon wieder Geschichte wiederholt hat, Muybridge als der eigentliche Urheber musste zusehen, wie jemand anders seine Lorbeeren abgriff. Er selbst nahm es gelassen.&nbsp;</p>

<p>Berühmt für verschiedenste fotografische Disziplinen kehrte er nach Europa zurück, wo er unter anderem auf der Weltausstellung in Paris eine ganze Halle hatte, in der er seine verschiedensten fotografischen Arbeiten ausstellen konnte. Und letztlich dann in seinen Heimatort Kingston, wo er dann 1906 an Prostatakrebs stirbt. Uns bleibt der elektronische Verschluss, das bewegte Bild, Bewegungsstudien ganz allgemein, Panoramafotografie und die auch heute immer noch sehr beeindruckenden Landschaftsaufnahmen des Pacific Northwest.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 27 Sep 2020 18:15:15 GMT</pubDate>
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        </item>
        <item>
            <title>Fabelhafte Feen-Fotos</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/fabelhafte-feen-fotos.html</link>
            <guid isPermaLink="true">https://fotomenschen.net/posts/fabelhafte-feen-fotos.html</guid>
            <description>In dieser Episode geht es um Beweisfotos der besonderen Art und um eine Kontroverse, die 60 Jahre anhielt.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Es gibt Menschen, die glauben Feen und andere Naturgeister existieren wirklich und so wundert man sich nicht, dass irgendwann auch Beweisfotos auftauchten, die ihre Existenz belegten&#8230; Aber was hat das mit Sherlock Holmes zu tun?</p>

<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/essays/sir-arthur-and-the-fairies/8970056301_fc37167f90_o.jpg?fit=max&amp;w=1200&amp;h=850" alt=""/></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/essays/sir-arthur-and-the-fairies/8971246860_d20742eec8_o.jpg?fit=max&amp;w=1200&amp;h=850" alt=""/></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cottingley_Fairies" target="_blank">Die Feen von Cottingley</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Theosophie" target="_blank">Theosophie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fee" target="_blank">Fee</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://praxistipps.focus.de/naturgeister-unterschied-elfen-und-feen-erklaert_108298" target="_blank">Naturgeister: Unterschied Elfen und Feen erklärt</a> (Focus)</li><li><a href="https://www.psygrenz.de/schiebeler/elfen/elfen.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Elfen, Feen, Zwerge gibt es die in unserer Welt?</a> (psygrenz.de)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Cottingley_Fairies" target="_blank">The Cottingley Fairies</a> (Wikipedia, englisch)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://hoaxes.org/photo_database/image/the_cottingley_fairies/" target="_blank">The full story of the Cottingley fairy hoax</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://qz.com/911990/the-cottingley-fairy-hoax-of-1917-is-a-case-study-in-how-smart-people-lose-control-of-the-truth" target="_blank">The Cottingley fairy hoax of 1917 is a case study in how smart people lose control of the truth</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250117114046/https://collection.sciencemuseumgroup.org.uk/people/ap28805/griffiths-frances" target="_blank">Short biography of Frances Griffiths</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://publicdomainreview.org/essay/sir-arthur-and-the-fairies" target="_blank">Sir Arthur and the Fairies</a> (Public Domain Review)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/cu31924028957599" target="_blank">Sir Arthur Conan Doyle &#8222;The Coming of the Fairies&#8220;</a> (archive.org, enthält alle Bilder)</li></ul>

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<p class="has-small-font-size">Bildquelle: <a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/cu31924028957599" target="_blank">archive.org</a><br>Sound:<a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/owly-bee/sounds/415363/" target="_blank"> &#8222;Eh surprised&#8220; by owly-bee</a></p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Es gab mal eine Zeit vor <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> da war es ganz klar, dass alles, was ich fotografieren lässt auch wirklich existiert. Das fängt bei Urlaubsfotos an und hört bei kriminalistischen Beweisbildern auf. Und manchmal zeigen Fotografien neben schier unglaubliches. Zum Beispiel Feen.</p>

<p>Feen sind Naturgeister. Kleine, meistens weibliche Figuren, die oft als wunderschön beschrieben werden, magische Kräfte haben, sich sichtbar und unsichtbar machen können und in der einen oder anderen Form fast überall auf der Welt in Sagen vorkommen.</p>

<p>Name und Grundidee leitet sich wohl schon von den römischen Schicksalsgöttinnen ab aber das, was wir heute unter Feen verstehen ist wahrscheinlich im Wesentlichen aus keltischen Volkssagen entstanden. Und wie das oft so ist, der Übergang zwischen Sage und Literatur und angenommener Wirklichkeit ist manchmal fließend.</p>

<p>So gibt es auf Island ein staatlich anerkanntes Feenmedium, eine Frau, die sich damit beschäftigt z. B. bei Straßen sicherzustellen, dass man nicht aus Versehen die neue Autobahntrasse quer durch ein Feenwohngebiet zieht. Und natürlich sind auch die einschlägigen spirituellen Regalmeter in der Buchhandlung unseres Vertrauens, gefüllt mit Literaturen nicht nur zu Feen, sondern auch Einhörnern, Engeln und was sonst noch alles gibt. Und da sind natürlich auch oft mal Bilder darin zu sehen, die angebliches oder tatsächliches zeigen.</p>

<p>Freilich sind wir uns heute alle bewusst, dass mit <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> jeder noch so absurde Bildeindruck erzeugt werden kann. Wir glauben solchen Fotos also nur begrenzt.</p>

<p>Anders war das im Jahr 1917. Zu der Zeit war Deutschland noch ein Kaiserreich und in Großbritannien herrschte King Edward the seventh über ein Viertel der Welt. Die Fotografie war zu der Zeit schon 100 Jahre alt und jeder Haushalt, der so ein bisschen was auf sich hielt, hatte sehr wahrscheinlich eine Kamera im Haus. Ja und was immer diese Kamera festhielt, war natürlich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“Das Jahr 1917. Zwei Mädchen in England fotografieren sich gegenseitig. Das Ergebnis: eine Sensation. Die Bilder gehen um die Welt, denn sie zeigen fabelhafte Wesen.”</p>

<p>Die beiden Mädchen sind die 16-jährige Elsie Wright und die damals gerade mal 9-jährige Frances Griffiths, die bei Elsie zu Besuch war. Die beiden Mädchen spielen viel gemeinsam und meistens halten sich bei einem nahegelegenen, kleinen Bach auf. Als die Eltern fragen, was denn an dem Bach so faszinierend wäre, geben die Mädchen zur Antwort, dass da Feen wohnen. Der Vater glaubt das jetzt nicht so ganz aber er willigt ein, ihnen seine Kamera zu leihen, damit sie Fotos machen können.</p>

<p>Ja und die beiden kommen tatsächlich mit Aufnahmen von Feen wieder also Bilder, auf denen sie zu sehen sind und kleine Wesen mit Flügelchen. Der Vater denkt sich nicht viel dabei, hält das ganze für einen geschickten Trick und damit ist das Thema auch erstmal durch.</p>

<p>Zwei Jahre lang ist das Thema dann erst mal durch. Solange nämlich bis Elsies Mutter anfängt, zu regelmäßigen Treffen der lokalen theosophischen Gesellschaft zu gehen.&nbsp;</p>

<p>Solche Gruppen waren damals relativ weit verbreitet. Die Menschen waren damals auf der Suche nach allerlei spirituellen Wahrheiten. Indische Spiritualität mischte sich mit was man aus heutiger Sicht einfach nur Okkultismus nennen kann und nicht alles, was damals als Lehrmeinung vertreten wurde, war notwendigerweise wissenschaftlich begründet.&nbsp;</p>

<p>Das war ja auch eine Zeit, in der ständig Wunder wahr zu werden schienen. Man konnte mit Menschen reden, die nicht da waren, riesige Maschinen wurden konstruiert, Naturgewalten, die als unbeherrschbar galten, wurden nach und nach eingehegt und man hat nicht mal eine Augenbraue hochgezogen, wenn anerkannte Denker wie z. B. CG Jung sich offen mit Tarot und anderen okkultistischen Praktiken auseinandersetzen.Einfach unter der Annahme, es könnt ja was dran sein.&nbsp;</p>

<p>Philosophen jedenfalls sahen die Welt als eine Vielgötter- und Vielgeisterwelt an und da fiel natürlich Elsies Mutter dieser Fotoscherz wieder ein, den sie immer irgendwie auch für möglicherweise echt gehalten hatte. Sie geht also heim, sucht die Fotos raus, geht zum nächsten Treffen und legt dem Gruppenleiter die Bilder vor. Und fragt, ob das vielleicht ein Beweis für die Existenz von Naturgeistern sein könnte.&nbsp;</p>

<p>Der ist sich nicht sicher und holt sich deswegen Rat bei einem Fotografen. Ja, und der schaut doch darauf und sagt: &#8222;Ich wüsste beim besten Willen nicht, wie ich so ein Foto künstlich herstellen sollte. Das müssen echte kleine Wesen mit Flügelchen sein.&#8220; Wer sich die Fotos anschaut, wird mir wahrscheinlich zustimmen, dass das kein besonders kompetenter Fotograf gewesen sein kann.&nbsp;</p>

<p>Aber für die Mitglieder dieses Schwurbelzirkels war das natürlich eine absolute Sensation. Ab jetzt wurden Vorträge gehalten, in denen diese Bilder als Beweise gezeigt wurden.</p>

<p>Ein solcher Vortrag wird es wohl auch gewesen sein, den damals Sir <a "/tags/arthur-conan-doyle.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="4" title="Arthur Conan Doyle">Arthur Conan Doyle</a>, der Mann, der Sherlock Holmes erfunden hat, auf dieses Feenphänomen aufmerksam machte. Freilich könnte man sagen, Sir <a "/tags/arthur-conan-doyle.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="4" title="Arthur Conan Doyle">Arthur Conan Doyle</a> wollte eigentlich, dass das Ganze die Wahrheit zeigt. Aber er wollte natürlich auch den Anschein vermeiden, dass er sich sehr, sehr leicht überzeugen lässt. Deswegen gab er die Bilder einen Gutachter der Firma <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a>.&nbsp;</p>

<p><a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> war damals schon einen riesen Name. Die hatten die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie erfunden, die erste Schnappschusskamera, die praktisch in jedem Haushalt zu finden war, kann man mal so sagen, mit Rollfilm und Knipsmechanismus, mit dem wirklich auch jedes Kind umzugehen wusste, das heißt, wenn die es nicht wussten, wer dann.&nbsp;</p>

<p>Und das Gutachten fiel durchwachsen aus. Also im Endeffekt wussten die jetzt spontan auch nicht, wie diese Aufnahmen entstanden sein könnten, aber schlossen aus, dass es echt ist, mit der Begründung; wenn es keine Feen gibt dann müssen diese Aufnahmen ja wohl auch fake sein. Ja, und Sir <a "/tags/arthur-conan-doyle.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="4" title="Arthur Conan Doyle">Arthur Conan Doyle</a> dachte sich dann:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“Once you’ve eliminated the impossible, whatever remains, however improbable, must be the truth.”</p>

<p>Und er wollte mehr Fotos von Feen. Er stattete die Kinder mit Kameraequipment aus und besuchte sie regelmäßig, bis die dann endlich noch ein Bild produzierten.</p>

<p>Übrigens war die Fotografie von Feen nicht das einzige Fotoprojekt, mit dem sich Sir Arthur Conan Doyle beschäftigte. Es sind z. B. auch Spiritfotografien, also Geistfotografien von ihm erhalten, die er von einem damals anerkannten Medium machen ließ.</p>

<p>Es war also durchaus so einiges an Fotogeschwurbel unterwegs, das einfach dadurch auch in der Welt blieb, weil die Menschen zu der Zeit kein Verständnis dafür hatten, wie Fotografien tatsächlich entstanden und welche Möglichkeiten der Manipulation es auch gab.</p>

<p>Schließlich veröffentlicht Conan Doyle einen Artikel in seinem Hausmagazin, dem Magazin, das auch Sherlock Holmes seinerzeit begründete, The Strand Magazine. “Epochales Ereignis! Feen fotografiert!”, stand da zu lesen.</p>

<p>Und das war der Startpunkt einer Kontroverse. Die Welt teilt sich auf in Leute, die das für eine Sensation und Leute, die das für absoluten Humbug hielten.</p>

<p>Conan Doyle ließ sich jedenfalls nicht beirren und irgendwann, nach mehreren Artikeln, schrieb er sogar ein Buch über den Fall. 1922 erschienen es in den Läden. “the coming of the fairies”. Sir Arthur Conan Doyle blieb bis zu seinem Tod von dieser Geschichte überzeugt. Er starb in dem sicheren Wissen, es gab Feen und die waren damals fotografiert worden.</p>

<p>Es gab auch immer wieder mal Wellen, in denen diese Bilder als Beweis und Diskussionsmaterial herhielten. 1940, in den Fünfzigern, in den Sechzigern, immer wieder gingen diese Bilder durch die Medien. Es wurden mehrere Bücher veröffentlicht und die beiden Mädels bestanden auch lange Zeit darauf, dass diese Fotografien authentisch und echt seien.</p>

<p>Heute wissen wir das besser. Und zwar aus ganz vielen Gründen. Aber wirklich überraschend ist, dass es bis 1978 gedauert hat, bis jemand sich ernsthaft damit beschäftigt hat, den Beweis zu führen, dass diese Bilder nicht echt sein können.</p>

<p>Und dieser Beweis hatte mehrere Bausteine. Einmal hat sich z. B. der Bühnenmagier und Skeptiker James Randi damit beschäftigt und gezeigt, woran man sehen kann, dass diese Bilder nicht echt sein können. Beispielsweise sieht man auf den Fotos den Bach, an dem die Mädchen gespielt haben. Und dieser Bach ist, weil das ganze ja eine Langzeitbelichtung war, verwischt. Gleichzeitig sind aber die Feen erstaunlich scharf zu sehen. Für kleine Wesen, die die ganze Zeit rumflattern und nicht auf der Stelle bleiben ist es schon erstaunlich.</p>

<p>Der finale Nagel in den Sarg der Geschichte war aber, als man 1978 die Vorlagen für die Feen fand, in einem Kinderbuch namens “princess Mary&#8217;s Gift Book”. Da waren sie abgedruckt und von dort hatten die Mädchen die Feen auch ausgeschnitten, um kleine Feenfigürchen vor der Kamera rumwedeln zu lassen. Über all die Jahre jedenfalls kochte die Diskussion immer wieder hoch und über all die Jahre wurden immer wieder auch die zwei Cousinen dazu befragt, ob das nun Fake sei, wie sie es denn gemacht hätten und als dann irgendwann mal auch feststand, dass es tatsächlich keine echten Aufnahmen sein können, mussten sich die beiden natürlich beschimpfen lassen, dass das ganze ja Betrug gewesen sei und ob sich nicht schämen würden.</p>

<p>Hier zum Beispiel ein Originalton von Elsie, ausgestrahlt in der BBC:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“It was very embarrassing, because, I mean, two village kids and a brilliant man like Conan Doyle, we could only just keep quiet.”</p>

<p>Was sie da sagt, kann ich mir gut vorstellen. Wenn jemand wie Conan Doyle so massiv Wirbel macht, ja, dann gehst du als so ein Mädel vielleicht eher vorsichtig ran und widersprichst ihm auch nicht so richtig frontal. Die beiden sind ja nicht herumgelaufen und haben das Ganze beworben, sie haben es nur nie abgestritten.</p>

<p>Wobei, das stimmt auch nur zum Teil. Elsie hat irgendwann offen zugegeben, dass das Ganze eigentlich gestellt war. Francis hingegen, die jüngere der Beiden, damals 9 Jahre alt, war absolut überzeugt davon, dass sie mindestens mal einen Gnom, vielleicht aber auch die Feen gesehen hat. Sie gab zu, dass die Bilder der Feen zum Teil, also, getürkt waren, aber das hieß ja jetzt nicht, dass alle Bilder gefaket waren und das hieß auch nicht, dass es gar keine Feen gäbe, sondern nur, dass es eben diese Bilder waren.</p>

<p>Hinzu kommt, dass die Leute eigentlich an diese Feen glauben wollten. Hier nochmal Elsie:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“The people keep insulting me, don’t you feel ashamed that you’ve made all these poor people look fooled, they believed in you. But I don’t because I wanted to believe.”</p>

<p>Ja. Sie sagt, sie schämt sich nicht dafür, dass die Leute ihr geglaubt haben, denn die Leute ließen ihr gar keine andere Chance, sie wollten es ja glauben. Und sie belegt das ganz anschaulich mit einem der fünf berühmten Bilder.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“Look at this photograph. … .That leg doesn’t belong to that fairy. And somebody pointed it out in the newspaper.”</p>

<p>Ja, man sieht eigentlich sofort, dass mit dieser speziellen Fee irgendwas nicht stimmt. Der Fuß ist falsch. Und damals hat das jemand auch dann angemerkt. In einem Artikel zu den Feen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“And one of the dear believers said: “Well fairies aren’t like humans, they haven’t got bodies like we have, like, the skeleton, the arms and legs, they sort of put it together with swords and sometimes it doesn’t come out right.”</p>

<p>Ja, und dann ist dann sofort jemand herbeigesprungen und hat erklärt, ja, Feen sind nunmal nicht so wie Menschen, die haben keine Knochen und so, die Gestalt ist sozusagen aus Gedanken materialisiert und manchmal stimmt das dann halt einfach nicht. Eine sehr bequeme Erklärung für so einen anatomischen Fehler.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“We didn’t have to tell a lie about it at all because always someone came out and justified.”</p>

<p>Ja, da hat sie sicherlich recht. Die Menschen wollen so etwas glauben und das ist auch heute noch so. Immer wieder tauchen Fotos auf, die als Beweis für Bigfoot, <a "/posts/das-u-boot-von-loch-ness.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="30" title="Das U-Boot von Loch Ness">Nessie</a> oder auch ganz banale Dinge wie welche Menschen zu welcher Zeit an welchem Ort angeblich gewesen sein sollten herhalten müssen. Es gibt Fotos von Außerirdischen und es gibt Fotos von Geistern. Und für jedes Bild gibt es auch eine Gruppe an Menschen, die das unbedingt glauben wollen. Aber über Feen. Über Feen sind wir doch jetzt drüber, oder?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“The Fairymania they inspired seems like another age. However, a hundred years on, belief has not disappeared. A professor of arts, John Hyatt, took these pictures of, what he thought, were insects. When he displayed them people from around the world were convinced; he’d photographed fairies.”</p>

<p>Richtig gehört. Es gibt einen Kunstprofessor da draußen, der hat Fotos von Feen gemacht. Und der stellt die nicht nur aus, sondern von überall in der Welt schicken Menschen ihre eigenen Feenfotos ein. Die sehen jetzt freilich irgendwie anders aus als die Cottingley fairies damals: Ein bisschen kunstvoller, verwischt, Bewegungsunschärfe, sie sind kleiner aber irgendwie, irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass das zwar moderner, aber eigentlich immer noch genau das Gleiche ist.</p>

<p>Und wie damals, wie in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, finden sich auch heute Menschen, die da unbedingt dran glauben wollen.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Fri, 04 Sep 2020 10:34:03 GMT</pubDate>
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