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    <title>Fotomenschen - Daguerrotypie</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Daguerrotypie&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
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            <title>Kunstprofessor auf Abwegen</title>
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            <description>Es gibt in der Geschichte der Fotografie viele Maler und Erfinder, Samuel Morse war einer von ihnen und brachte den USA neben dem nach ihm benannten Code auch die Fotografie.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Es gibt in der Geschichte der Fotografie viele Maler und Erfinder, Samuel Morse war einer von ihnen und brachte den USA neben dem nach ihm benannten Code auch die Fotografie. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_F._B._Morse" target="_blank">Samuel Morse</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/collections/samuel-morse-papers/about-this-collection/" target="_blank">Samuel F. B. Morse Papers at the Library of Congress, 1793 to 1919</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://thereader.mitpress.mit.edu/samuel-morse-quest-for-daguerreotype-portrait/" target="_blank">Samuel Morse and the Quest for the Daguerreotype Portrait</a></li><li>Morse Daguerreotype Camera</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250423214256/https://www.smithsonianmag.com/smart-news/inventor-telegraph-was-also-americas-first-photographer-180961683/" target="_blank">The Inventor of the Telegraph Was Also America’s First Photographer</a></li><li>Samuel F. B. Morse visits with <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a>, 9 March 1839</li><li><a href="https://www.boweryboyshistory.com/2017/11/new-york-dawn-photography-mathew-brady-samuel-morse-daguerreotype-craze.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New York and the Dawn of Photography: Mathew Brady, Samuel Morse and the Daguerreotype Craze</a></li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="NAdKseI3wuA" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_NAdKseI3wuA.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=3cXk1ShWH0Y" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Sein ganzes Leben versuchte Samuel F. B. Morse, mit seiner Malerei Fuß zu fassen, und später dann mit Fotografie, und doch ging er in die Geschichte ein als der Erfinder des Morsecodes.</p>

<p>Ich finde es schon auffällig, ganz besonders am Anfang der Geschichte der Fotografie sind die Hauptfiguren, die einem so begegnen, meistens mehrfach talentiert und in ganz vielen verschiedenen Bereichen unterwegs. Samuel F. B. Morse ist da tatsächlich ein ganz typischer Vertreter.</p>

<p>Geboren wird er im Jahr 1791 als Sohn eines calvinistischen Geistlichen. Es geht der Familie Morse gut und so kommt der Sohn in den Genuss einer privilegierten Ausbildung. Während er im College von Yale, der heutigen Yale University, sein Studium absolviert, hört er erste Vorlesungen über Elektrizität. Samuel schwebt eine Karriere als Künstler vor und so ist es auch kein Wunder, dass er sich schon während des Studiums ein Zubrot über Portraitmalerei verdient. Diese ersten Gemälde sind meistens Miniaturen, allerdings hat der junge Samuel auch schon große Gemälde in neoklassizistischem Stil gemalt. &#8222;The landing of the pilgrims&#8220; stellt zum Beispiel dar, wie die ersten Siedler Amerika erreichen. Keine dieser Bilder sind besonders einträglich, aber sie erregen genug Aufmerksamkeit, dass er einen Maler kennenlernt, der ihm anbietet, gemeinsam nach England zu gehen und dort Malerei zu studieren.</p>

<p>Es ist auch hier in England, wo Samuel Morse unter anderem in die Royal Academy aufgenommen wird und vollständig in die Kunst eines Raphael und eines Michelangelo versinkt. Schnell geht ihm aber auf, dass große, komplexe, klassizistische Gemälde nichts sind, womit man sich wirklich ordentlich seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Portraitmalerei ist da wesentlich einträglicher. Er lässt seine Familie in Amerika also wissen, dass er demnächst heimkehren wird und ein Portraitstudio eröffnen wird, ein Studio, in dem er mit Portraits so viel Geld verdienen wird, dass er in Zukunft zwischen England und USA hin- und herpendeln können wird.&nbsp;</p>

<p>Und er bekommt auch ein paar Aufträge, alles in allem aber nicht besonders lohnend. Sein wie angekündigt in New York eröffnetes Portraitstudio ermöglicht ihm kaum, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber immerhin sind die Arbeiten gut genug, dass ihn die University of New York City zum Professor beruft. Tagsüber lehrt er in den Bereichen Skulptur und Literatur, aber Kunst und Design ist natürlich damals auch ganz nah an der technischen Revolution, die stattfand. Und so experimentiert Morse mit ein paar anderen seiner Freunde mit verschiedenen elektrischen Apparaturen. Es sind diese Jahre, in einer Professur, in New York, die er dafür nutzt, dann auch den Telegrafen zu entwickeln. 1840 bekommt er dann dafür ein Patent.&nbsp;</p>

<p>Wer jetzt glaubt, ab hier war er ein gemachter Mann, der irrt. Man wusste damals noch nicht wirklich, was man mit dem Telegrafen anfangen soll. Es gab ja auch kein ausgebautes Telegrafennetz oder auch nur Stromnetz zu der Zeit. Als Professor war sein Einkommen auch nicht gerade großzügig und so versuchte Morse, offizielle Fördermittel zu bekommen. Weil sich das allerdings übermäßig lang hinzog, beschloss Morse, mit seiner Erfindung in Europa sein Glück zu versuchen und reiste damit nach England.&nbsp;</p>

<p>Dort hatte man die Entwicklung des Telegrafen mit riesigem Interesse verfolgt und war fleißig am Überlegen, wie man diese Technologie ausnützen könnte. Es gab damals nur eine einzige Technologie, die ähnlich viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Die gerade 1839 der Welt vorgestellte <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a>.</p>

<p>Morse hatte selbst als Maler und Künstler schon mit verschiedenen fotografischen Techniken experimentiert und so nutzte er seinen Trip nach Europa nicht nur für die Suche nach Investoren für sein Telegrafensystem, sondern auch, um Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> zu treffen. Und er war begeistert von dem, was er dort sehen durfte. Als erster Amerikaner überhaupt beschrieb er den Prozess und was er dabei gesehen hatte und als er nach Amerika zurückgekommen war, wurde er der erste Amerikaner, der erfolgreich Daguerreotypien anfertigte.&nbsp;</p>

<p>Der Prozess war noch langsam und umständlich und so begann Morse, von Anfang an den Prozess Schritt für Schritt zu verbessern. Er eröffnete das erste Daguerreotypiestudio der neuen Welt und nach wenigen Monaten experimentieren konnte er die ersten Innenraumbilder mit weniger als fünf Sekunden Verschlusszeit produzieren. Als Professor, Künstler und Erfinder hatte Morse ein sehr ausgesuchtes Netzwerk und so profitierte seine Fotografie von den Linsenberechnungen eines John Draper und er sorgte dafür, dass Louis Daguerre Ehrenmitglied der Akademie für Design und Wissenschaften in den USA wurde.&nbsp;</p>

<p>Samuel Morse machte Riesenfortschritte und im Jahr 1840/41 galt er als der führende und beste Daguerreotypist der Vereinigten Staaten. Jedoch bei aller Begeisterung hatte die Daguerreotypie auch einen gewaltigen Nachteil: Es war eine brandneue Technologie. Zwar war die gefragt, aber so richtig hatte noch niemand herausgefunden, wie man damit ernsthaft und ausreichend Geld verdienen können würde. Auch Morse sah es eher als eine Art unterstützende Technik für Portraitmaler. Man konnte quasi Skizzen damit fertigen, so die Idee. Und deswegen hörte er auch nie auf, die Technologie des Telegrafen weiter zu bewerben und zu verfolgen.&nbsp;</p>

<p>Inzwischen hatte in Großbritannien einiges an Versuchen stattgefunden und Großbritannien schickte sich an, erste Telegrafenleitungen zu errichten. Und so wurde auch der amerikanische Kongress aktiver. Neben verschiedenen Möglichkeiten, die Telegrafentechnologie einzusetzen, bekam er Mittel für Experimente bewilligt und so kam es 1842 zu den ersten Experimenten für die Übertragung von Signalen unter Wasser. Und 1843 endlich zur Bewilligung von damals 30000 US-Dollar, um den Bau einer 60 km langen Telegrafenleitungen von Baltimore nach Washington DC. zu unterstützen.</p>

<p>Ich fand es beim Nachlesen einigermaßen faszinierend, festzustellen, dass bis hier hin Morses Finanzen eigentlich immer ein Problem waren. Nicht, dass er auf besonders großem Fuß gelebt hätte, aber weder seine Professur, noch seine Malerei, noch sein Daguerreotypiestudio, noch, bis hier hin, die Entwicklung der ersten Telegrafengeräte in den USA hatten genug Geld abgeworfen, um ihm ein entspanntes, stressfreies Leben zu ermöglichen. Dazu mag auch seine Familiensituation beigetragen haben: 1818, im Alter von 27 Jahren, heiratet Morse die sieben Jahre jüngere Lucretia Pickering Walker. Mit ihr hat er drei gemeinsame Kinder, allerdings stirbt sie im Alter von 26 Jahren bei der Geburt des dritten Kindes und die drei Kinder wachsen ab jetzt bei Verwandten auf und sind bereits erwachsen, als Morse Mitte der 40er Jahre von einem Gericht Lizenzgebühren für die inzwischen reichlich eingesetzte Telegrafentechnologie zugesprochen bekommt. Es ist nicht das letzte Mal, dass er dafür vor Gericht ziehen muss, aber ab jetzt ist im Grunde seine finanzielle Zukunft einigermaßen gesichert.</p>

<p>Auf der Hochzeit seines Sohnes Charles lernt Samuel Morse dann die damals 26-jährige Brautjungfer Sarah Elizabeth Griswold kennen. Von Geburt an taub und mehrere Monate jünger als seine Tochter, ganz zu schweigen davon, dass es 30 Jahre Altersunterschied zwischen ihr und ihm gab, dürfte die Beziehung durchaus für Tratsch und Aufregung gesorgt haben, was aber die beiden nicht daran hindert, zu heiraten, auf einen gemeinsamen Landsitz zu ziehen und im Folgenden weitere vier Kinder zu zeugen.</p>

<p>Morse bleibt weiterhin in Yale aktiv. Er erhält die Ehrendoktorwürde und wird aus aller Welt mit Ehrungen überschüttet. Daguerreotypie und Malerei betreibt er weiter, allerdings nur noch als Hobby. Er schließt die Portraitstudios in New York und betreibt seine Kunst nur noch für sich und seine Familie. Allerdings ist er ein anerkannter Mentor und gilt als der Begründer der Daguerreotypie in den USA und steht damit am Anfang einer absoluten Erfolgsgeschichte. Denn während in Europa die Kollodium-<a "/tags/kollodium-nassplatte.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="10" title="Kollodium Nassplatte">Nassplatte</a> und Papiernegative das Mittel der Wahl werden, bleibt die Daguerreotypie in den USA noch auf mehrere Jahrzehnte die kommerziell erfolgreichste Technologie.</p>

<p>Und Morse kann sich ab jetzt aussuchen, womit er seine Zeit verbringen möchte. 1865 gründet er zum Beispiel eine Eliteuniversität, ab 1866 bis 68 lebt er mit seiner Familie in Frankreich und ist offizieller Vertreter der USA bei der Pariser Weltausstellung. Hätte man zu der Zeit Zeitgenossen gefragt, hätten sie ihn inzwischen schon als Vater der Telegrafie identifiziert.&nbsp;</p>

<p>Wie wichtig dieses Thema inzwischen für die Weltgemeinschaft geworden war, wird auch durch die vielen Ehrungen, die ihm gerade auch aus Europa zuteilwurden, deutlich. Neben verschiedenen Ritterorden und allgemeinen Ehrungen gipfelt das Ganze in einer Konferenz im Jahr 1859. Da kamen auf Einladung Kaiser Napoleons des dritten die Länder Frankreich, Russland, Schweden, Belgien, Holland, Österreich, Sardinien, die Toskana, die Türkei und der heilige Stuhl zusammen, um darüber zu beraten, wie man Professor Morse im Namen ihrer vereinten Regierungen ihre Dankbarkeit ausdrücken könnte. Man verständigte sich darauf, ihm die damals spektakuläre Summe von 400000 Franc zukommen zu lassen, als Honorar., zusätzlich zu all den Ehrungen.</p>

<p>Samuel Morse war umtriebig und vielseitig interessiert und damit passt er ganz hervorragend in die damalige Zeit. Seine Arbeit als Fotograf hatte viele der ersten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen in den USA beeinflusst und einige Namen hatten wir auch hier im Podcast schon erwähnt. So arbeitete er zum Beispiel mit John William Draper zusammen, der Mann, der für eines der ersten Fotos des Mondes überhaupt verantwortlich ist. Und Mathew Brady, einer der großen Fotografen der amerikanischen Bürgerkriegszeit, war ein persönlicher Vertrauter von Samuel Morse. Er selbst sah sich zur Zeit seines Lebens eigentlich zuerst als Künstler, dann als Professor, dann als Fotograf und erst als Letztes als Erfinder. Trotzdem ist es natürlich die Erfindung des Telegrafen, mit der er die Welt am nachhaltigsten verändert hat.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 04 Dec 2021 19:11:20 GMT</pubDate>
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            <title>Versteckte Mütter</title>
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            <description>Babies hassen es von ihren Müttern getrennt zu sein. Darum darf man sich bei fast jedem Baby-Portrait sicher sein: Irgendwo ist die Mama, manchmal vielleicht sogar als Stuhl getarnt...</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Babies hassen es von ihren Müttern getrennt zu sein. Darum darf man sich bei fast jedem Baby-<a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> sicher sein: Irgendwo ist die Mama, manchmal vielleicht sogar als Stuhl getarnt&#8230;</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://petapixel.com/2011/12/12/eerie-hidden-mothers-in-vintage-photos/" target="_blank">Eerie Hidden Mothers in Vintage Photos</a> (Petapixel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/2013/dec/02/hidden-mothers-victorian-photography" target="_blank">The lady vanishes: Victorian photography&#8217;s hidden mothers</a> (Guardian)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.centredaily.com/entertainment/this-weekend/article42901287.html" target="_blank">Erasing the matron: Palmer Museum’s ‘Hidden Mother’ collection displays haunting edited photographs</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/news/in-pictures-25000664" target="_blank">In pictures: The Hidden Mother</a></li><li><a href="https://www.independent.co.uk/arts-entertainment/art/features/she-s-behind-you-the-hidden-mothers-on-the-late19th-century-equivalent-of-the-selfie-8969908.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">She&#8217;s behind you: The &#8218;hidden mothers&#8216; on the late-19th century equivalent of the selfie</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.domusweb.it/en/art/2013/06/17/the_hidden_mother.html" target="_blank">The Hidden Mother</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250429090516/https://kwerfeldein.de/2014/01/04/kwerfeldein-diskutiert-neugeborenenfotos/" target="_blank">kwerfeldein diskutiert: Neugeborenenfotos</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.annegeddesphotography.com/" target="_blank">Anne Geddes &#8211; offizielle Webseite</a></li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Geddes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anne Geddes</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://kurier.at/leben/anne-geddes-hey-baby-wer-ist-am-suessesten/257.745.761" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anne Geddes: Hey, Baby, wer ist am süßesten?</a></li><li><a href="https://www.t-online.de/gesundheit/kindergesundheit/id_69112276/anne-geddes-zeigt-kinder-die-eine-meningitis-ueberlebten.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewegende Fotos: Anne Geddes zeigt Kinder, die eine Meningitis überlebten</a></li><li><a href="https://www.stern.de/kultur/buecher/anne-geddes--suesse-babybilder-zum-muttertag-7436382.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Small World&#8220; - süße Babybilder von Anne Geddes</a></li><li><a href="https://web.archive.org/web/20250207154630/https://news.artnet.com/art-world/anne-geddes-profile-1849401" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anne Geddes Was Once the Queen of Baby Photography. Now, She’s Hit Hard Times - and Is Asking for Your Help</a></li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="VsFeQKGWRtw" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_VsFeQKGWRtw.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Seit ich mit diesem Podcast angefangen habe, begegne ich immer wieder Genres, von denen ich nicht gewusst habe, dass sie jemals existierten oder existieren. So zum Beispiel die Hidden Mother Photography.</p>

<p>Als die Menschheit mit der Fotografie begann, war das noch eine zeitaufwändige Prozedur. Manchmal mussten mehrere Minuten Belichtungen ausgehalten werden und deswegen dauerte es auch ein Weilchen, bis die ersten Portraitstudios ernsthaft ihre Dienste anbieten konnten.</p>

<p>Und die waren nach wie vor aufwändig. Ganz am Anfang musste man bei strahlendem Sonnenschein auftauchen und wurde dann unter freiem Himmel fotografiert, oder man befand sich minutenlang unbeweglich eingespannt in einer Halteapparatur in einer Art Glasgewächshaus und schwitzte vor sich hin, auf jeden Fall war das Portraitieren von Menschen am Anfang kein Spaß, vor allem für die portraitierten nicht.</p>

<p>Gleichzeitig fotografierten wir aber auch schon immer, was wir besonders liebten. Und was lieben wir mehr, als unsere Kinder und Kätzchen? Kätzchen und Kinder, besonders die jungen, lassen sich am besten dann fotografieren, wenn sie engelsgleich schlafen. Aber das tun die jetzt nicht immer und vielleicht auch nicht lang genug, insbesondere dann, wenn sie in einer ungewohnten Umgebung sind, mit ungewohnten Geräuschen und Gerüchen und wenn das Schatzelchen denn jetzt nun aufwachte, war es auch gleich nicht mehr fotogen, denn, wenn die Mama nicht irgendwo in der Nähe war, gab es halt Randale.</p>

<p>Eine Lösung musste also her. Wenn man denn nicht sowieso gleich im Familienkreis fotografieren wollte, sondern vielleicht auch nur das Baby aufs Bild bannen, dann musste die Mama irgendwo in der Nähe sein. Konnte man Erwachsene noch einfach in irgendwelche Metallgestänge einspannen, sodass sie bewegungslos blieben, konnte die Mama natürlich unter Umständen ganz anders auf das Kleinchen einwirken. Wollte man aber ein Bild, wo da nur das Kind ist, dann muss die Mama wie der Stuhl aussehen. Oder wie der Vorhang hinter dem Kind.</p>

<p>Und genau das ist die Geburtsstunde des Genres, das man &#8222;Hidden Mother Photography&#8220; nennt, ein Genre, dem wir ohne das Internet eigentlich nie begegnet wären. Denn da kam es im Jahr 2010 zu einem regelrechten Boom. Es hatte schon eine ganze Weile verschiedene Sammler gegeben, die Daguerreotypien von Babys und Kleinkindern mit verdeckten Erwachsenen im Hintergrund gesammelt haben. Als das Internet genügend verbreitet war, fingen die an, ihre Sammlungen zu digitalisieren und online zu stellen. Flickr legte ein Album dafür an und verschiedene Museen wurden darauf aufmerksam und begannen Ausstellungen zu organisieren.</p>

<p>Heute kennen wir einige tausend Daguerreotypien mit Kleinkindern und Babys und mal mehr, mal weniger kunstvoll versteckten Müttern. Und in unserer heutigen Hochgeschwindigkeitsdigitalfotografiewelt amüsieren wir uns auch einigermaßen darüber. Denn das Baby muss ja nicht lange stillhalten, damit wir ein schönes Foto machen können.</p>

<p>Das Genre an sich gibt es also in abgewandelter Form auch heute noch. Zwar muss die Mama sich nicht mehr als Stuhl oder Vorhang tarnen lassen, sondern steht entweder außerhalb des Bildbereichs oder wird nachträglich mit <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> entfernt, aber ganz allgemein gehen wir immer noch erstaunliche Wege, um zu verhindern, dass die Mutter mit im Bild ist.</p>

<p>Jetzt ist ja während ich das aufnehme gerade wieder kurz vor Weihnachten und die Läden sind voll mit Kalendern und Grußkarten. Und je süßer wir werden wollen, desto kindlicher wird das Ganze. Und da begegnen wir einer der berühmtesten und erfolgreichsten Fotokünstlerinnen der Welt. Und einer Persönlichkeit, bei der ich mir ehrlich gesagt gar nicht sicher war, ob ich darüber reden möchte, weil ich diese Fotos so unerträglich kitschig finde, ihr aber damit, wie ich inzwischen weiß, wahrscheinlich einfach mal Unrecht getan habe.</p>

<p>Die Rede ist von Anne Geddes. Ich beklage ja gerne, dass <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen irgendwie nicht zur Allgemeinbildung gehören zu scheinen. Aber ich glaube, mich aus dem Fenster lehnen zu können und zu behaupten, Anne Geddes ist da eine Ausnahme der Regel. Sie ist überdurchschnittlich bekannt. Und wer den Namen nicht kennt, kennt zumindest ihre Fotos. Ein Baby, das als Sonnenblume verkleidet ist, zwei schlafende Zwillinge, die in einem Bastkörbchen auf einer rosa Wolke zu schweben scheinen, es sind tatsächlich Säuglingsbilder, mit denen Anne Geddes berühmt wurde und durch die sie ihren Namen gemacht hat.</p>

<p>Mit der Fotografie hatte die Australierin ungefähr im Alter von 25 Jahren begonnen. Sie hatte sich aus einer Laune heraus die Familienkamera, damals eine Pentax, gegriffen und damit zu fotografieren begonnen. Als sie geheiratet hatte und mit ihrem Mann nach Hongkong gezogen war, wollte sie zum Familieneinkommen beitragen und hatte Freude an der Fotografie gefunden und so beschloss sie, ein Portraitstudio zu eröffnen.</p>

<p>Zehn Jahre lang machte Anne Geddes all das, was man in einem Portraitstudio so macht. Bewerbungsfotos, Familienbilder, Pärchenfotos und immer wieder auch mal Bilder von kleinen Kindern. Und jede Fotosituation und jedes Alter hat natürlich dann seine ganz eigenen Herausforderungen. Schnell hat sie dabei dann auch entdeckt, dass sie eine Faszination für gerade das Neugeborene oder sehr junge Leben hatte. Grenzenloses Potenzial steckt da drin.</p>

<p>Zehn Jahre sind eine lange Zeit und irgendwann wird auch die originellste Portraitfotografin etwas gelangweilt von der täglichen Routine. So ging es auch Anne Geddes und so fing sie an, mindestens einmal im Monat ein Foto nur für ihren eigenen Gebrauch zu machen. Und sie beschloss, einen Kalender zu produzieren. Sie überlegte sich ein Fantasythema und begann, Fotos zu produzieren, die in dieses Thema passen.</p>

<p>Der Kalender war dann schnell produziert und als es dann auf das Jahresende zuging, verkaufte sie ihn in ihrem Studio und hatte einen enormen Erfolg damit. Die Motive, so unglaublich kitschig sie auch waren, schlagen eine emotionale Note an. Viele Menschen lieben Fotos von Neugeborenen, besonders, wenn sie auf so eine interessante Art und Weise dargestellt werden.</p>

<p>Wir haben ja heute das Gefühl, dass das zum Standardrepertoire gehört, also Babys in irgendwelche super kitschigen Accessoires zu stecken. Aber als Anne Geddes damit anfing, war das eine komplett neue, frische Idee. Kleine Feenkostümchen, Flügelchen, Babys als Schmetterling, eieiei. Aber so, wie viele Menschen Bilder von roten Sonnenuntergängen lieben, sind eben Babyfotos auch Evergreens.</p>

<p>Und so kombinierte Anne Geddes etwas, das sie liebte, mit etwas, das offensichtlich kommerziell Erfolg hatte. Und heute, gut 30 Jahre später, ist sie eine der meistverkauften <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> der Welt. Über 18 Millionen Bücher, über 13 Millionen Kalender, eine der wenigen Fotografen, die überhaupt jemals auf der Bestsellerliste der New York Times gelandet sind, sehr zu ihrer Überraschung, übrigens, eine Kooperation mit Celine Dion und immer öfter stellt sie ihre Kunst inzwischen auch in wohltätige Dienste.</p>

<p>Wer übrigens bei Anne Geddes diese quietschbunten, kitschigen Fotos als Erstes im Kopf hat, möge mal auf ihrer Website vorbeisurfen. Inzwischen sind da eine Menge Schwarzweißbilder zu sehen und allgemein, muss ich zugeben, sind die Bilder geschmackvoller, als ich zunächst aus Erinnerung der ganzen Kalender, die ich über die Jahre wahrgenommen habe, gedacht hätte.</p>

<p>Und all diese Fotos, für die Anne Geddes berühmt geworden ist, sind natürlich ohne Mutter. Hidden Mother Photography, sozusagen. Und wie schon bei anderen Genres ist es ja so, dass wir als, sagen wir mal, Orthonomalfotograf*innen ja auch oft nachahmen, was wir gesehen haben und was uns gefallen hat. Und deswegen gibt es nicht nur die 13 Millionen Kalender, die Anne Geddes höchstselbst herausgegeben hat, mit solchen Motiven, sondern ungezählte privat fotografierte Kalender, die ganz ähnlich oder zumindest davon inspiriert sind. So funktioniert halt Popkultur und gerade bei der Fotografie finde ich das großartig.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Mon, 15 Nov 2021 18:43:32 GMT</pubDate>
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            <title>Der erste Fotofälscher der Geschichte?</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/der-erste-fotofaelscher-der-geschichte.html</link>
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            <description>Hippolyte Bayard ging in die Fotogeschichte ein, aber anders als er es verdient gehabt hätte.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Hippolyte Bayard ging in die Fotogeschichte ein, aber anders als er es verdient gehabt hätte.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hippolyte_Bayard" target="_blank">Hippolyte Bayard</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Arago" target="_blank">François Arago</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Daguerre" target="_blank">Louis Daguerre</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Nic%C3%A9phore_Ni%C3%A9pce" target="_blank">Joseph Nicéphore Niépce</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://monovisions.com/hippolyte-bayard-biography-19th-century-inventor-of-photography/" target="_blank">Biography: 19th Century Inventor of photography Hippolyte Bayard</a></li></ul>

<p>Siehe auch hier im Podcast:</p>

<ul><li><a "/posts/fotomenschen-eine-einfuehrung.html">Einmal Selfie und zurück.</a></li><li><a "/posts/der-welt-zum-geschenk.html">Der Welt zum Geschenk…</a></li></ul>

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<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3765802042" target="_blank" rel="noopener">Hippolyte Bayard. Ein verkannter Erfinder und Meister der Photographie. (Bd. 8)</a></p>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>3 Männer, so lernt man im Geschichtsunterricht, stehen allgemein am Anfang der Fotografie:&nbsp;Joseph Nicéphore Niépce, Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> und Henry Fox Talbot.&nbsp;</p>

<p>Aber eigentlich gab es da noch einen vierten Mann, er hatte ein fotografisches Verfahren ungefähr zur selben Zeit wie <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> entwickelt, er hat die erste fotografische Ausstellung der Welt veranstaltet und war womöglich sogar ein bisschen früher dran. Und trotzdem kennen wir ihn nur noch als den ersten Fotofälscher der Geschichte.</p>

<p>Louis Daguerre stellte am 19 August 1839 vor der französischen Akademie der Wissenschaften sein ganz bescheiden <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> genanntes Verfahren vor, dass Frankreich dann der Welt zum Geschenk machte. Ein Mann namens&nbsp;Niépce hatte zuvor mit Daguerre zusammengearbeitet und auch er hatte ein Verfahren entwickelt, dass man heute als Anfang der Fotografie bezeichnen würde. Und dann war da noch in Großbritannien ein Mann namens Henry Talbot, der ebenfalls ein fotografisches Verfahren entwickelte.</p>

<p>All diese Verfahren&nbsp; entstanden ungefähr zur selben Zeit und alle drei kombinierten mehrere Methoden miteinander, die die Menschheit zum Teil schon seit Jahrtausenden kannte.</p>

<p>Nämlich die Kamera Obscura, die dunkle Kammer, in der sich Bilder projizieren ließen und lichtempfindliche Chemikalien, die wir auch schon etwas länger kannten und die Möglichkeit Bilder zu fixieren, also den Prozess der Veränderung durch Sonneneinstrahlung aufzuhalten.</p>

<p>Und alle drei Männer profitierten von dieser Erfindung. Gut.&nbsp;Niépce war selbst schon tot zum Zeitpunkt als Daguerre sein Verfahren vorstellte aber seine Nachkommen profitierten davon, denn ihnen wurde eine Ehrenrente zugesprochen. Daguerre selbst hatte nach dieser Erfindung ausgesorgt, die französische Regierung kaufte sich das Recht diese Technologie der Welt zum Geschenk zu machen und das war ein lohnendes Geschäft. Außerdem hatte Daguerre dafür gesorgt, dass zwar die Welt dieses Geschenk bekam aber Großbritannien gehört ja irgendwie nicht ganz zur französischen Welt und deswegen kostete das Verfahren dort nach wie vor Lizenzgebühren. Ein praktisches Zusatzeinkommen. Ein Beispiel dem Henry Fox Talbot folgte und ebenfalls Gebühren verlangte und außerdem gleich noch ein Unternehmen aufbaute mit dem er sich um Drucke und Entwicklung von Bildern kümmerte.&nbsp;</p>

<p>Es lohnte sich also sehr einer der Väter der Fotografie zu sein und das war den beteiligten Männern auch bewusst. Die Entwicklung an sich war eine technische und wissenschaftliche Errungenschaft. Und gerade in Frankreich stand Wissenschaft hoch im Kurs. Daguerre war Geschäftsmann und er war hervorragend vernetzt. Da wundert es auch gar nicht, dass er sofort wusste, wem er seine neue Entwicklung zeigen musste. Er machte also eine Auswahl von Aufnahmen und begann, sowohl sein Verfahren als auch diese Aufnahmen einem kleinen Kreis von hochrangigen Politikern und Wissenschaftlern zu zeigen. Und er machte auch keinen Hehl daraus, dass er sich auf der Suche nach einem entsprechenden&nbsp; Finanzierungsmodell befand.</p>

<p>Einer seiner Bekannten war der damals weltbekannte Wissenschaftler Dominique Francois&nbsp;Arago. Seit 1830 leitete Arago die französische Sternenwarte und er war bekannt für sein Interesse an Magnetismus und optischen Gesetzen, damit war er auch ein natürlicher Ansprechpartner für Daguerre. Und ihm war sofort klar, welche enorme Bandbreite die Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Technologie, die&nbsp; Daguerre ihm anschaulich vorführte haben würde. Arago versprach also zu vermitteln. Die Idee: Der französische Staat würde diese Technologie lizensieren und der Welt verfügbar machen. Er, also Arago, und natürlich die Väter dieser Technologie würden entlohnt werden. Und genauso lief das dann auch. Daguerre bekam vom französischen Staat eine monatliche Rente von 6000 Franc zugeschrieben. Das entspricht heute über 12000 Euro im Monat und sein Mitentwickler&nbsp;Niépce&nbsp;war zwar nichtmehr am Leben, aber dessen Enkelsohn bekam dann an seiner Stelle eine lebenslange Rente von 4000 Franc, also ungefähr 8000 Euro im Monat. Fürstlich. Und Summen, die einen dritten, nämlich Hyppolite Bayard, rasend machten.</p>

<p>Denn auch er hatte ein fotografisches Verfahren entwickelt, und auch er war bei Arago vorstellig geworden und hatte darum geworben sein Verfahren der Akademie der Wissenschaften vorstellen zu dürfen. Und Arago hatte mit Verweis auf ein anderes Verfahren abgelehnt. Pikanterweise war zu der Zeit eigentlich Bayard im Vorteil, denn Bayard hatte sein Verfahren schon durchgehend beschrieben und er konnte Fotos nicht auf Metall mit Quecksilber entwickeln, sondern er hatte ein Verfahren erarbeitet, mit dem sich Fotografien auf Papier festhalten ließen.&nbsp;</p>

<p>All das passiert im Mai 1839, Arago wusste zwar von Daguerres angeblichen erfolgen, aber er hatte noch keine Beschreibung des Prozesses und noch keine Vorführung gesehen. Allerdings kannten sich die Männer schon länger und Arago hatte seinen Einfluss bereits für Daguerre geltend gemacht. Es sei das überlegene Verfahren. Während also Francois Arago Vorbereitungen trifft um Daguerre vor der französischen Akademie der Wissenschaften auftreten zu lassen, versucht Bayard Fakten zu schaffen. Sein Verfahren nennt er &#8222;photogenic Drawings&#8220; und erzeugt 30 Bilder, die er dann in der weltersten Fotoausstellung am 24 Juni 1839 der staunenden Pariser Öffentlichkeit vorführt.&nbsp;</p>

<p>Daguerre selbst wird sein Verfahren erst einen Monat später amtlich beglaubigt bekommen, während Bayard schon Ausstellungen bestückt. Aber hier zeigt es sich was es wert ist, wenn man mit den richtigen Männern bekannt ist. Arago lässt sich nicht beirren und am 19 August stellt dann Daguerre hochoffiziell sein Verfahren der Akademie der Wissenschaften vor und bekommt ein Patent zugestellt. Mit der Unterstützung der Akademie und dem französischem Staat wird die Patentschrift in kürzester Zeit in 8 Sprachen übersetzt und in der Welt verteilt.&nbsp;</p>

<p>Bayard war gescheitert. Und das muss besonders bitter gewesen sein, weil für&nbsp;Hyppolite Bayard die Entwicklung dieses Verfahrens die Krönung einer Lebensreise gewesen war. Als kleiner&nbsp; Junge war er schon davon fasziniert gewesen, dass sein Vater mit einer lichtdichten Schablone ein Logo auf Obst aufbringen konnte. Deckt man nämlich bestimmte Stellen von Äpfeln oder Pfirsichen ab, dann reifen die an dieser Stelle etwas weniger und haben deswegen einen &#8222;Aufdruck&#8220; auf der Schale. Und ab jetzt versuchte Bayard diesen Mechanismus zu ergründen.</p>

<p>Wie Daguerre war auch er eigentlich Maler und er galt als vielseitig begabt. Aber anders als Daguerre war die Malerei für ihn kein Geschäft, sondern reine Freizeitbetätigung, seinen Lebensunterhalt verdiente er als Finanzbeamter und Justiziar. Aber in seiner Freizeit beschäftigte er sich mit Chemie, Physik und Malerei. Und die verschiedensten Möglichkeiten Zeichnungen durch Licht anzufertigen hatten es ihm ganz besonders angetan. Und so gehen auf sein Konto gleich eine ganze Reihe von ganz verschiedenen fotografischen Verfahren. Er kannte eine Möglichkeit Papier lichtempfindlich zu machen und trotzdem trocken zu transportieren und zu lagern. Er kannte Möglichkeiten Bilder als positiv zu erzeugen, also direkt fertig auf Papier,&nbsp; experimentierte aber auch mit Alternativen, bei denen ein negativ erzeugt wurde, was besonders nützlich war um daraus Vervielfältigungen zu erstellen.&nbsp;</p>

<p>Spannenderweise verschwindet auch Daguerre aus unserer Wahrnehmung, kaum dass ihm dieser eine große Triumph zu Teil geworden war, während Bayard ein ganzes Leben lang Fotografie machen wird. Aber ich greife vor.</p>

<p>Wir sind immernoch im Jahr 1839, obwohl Bayard eigentlich schneller gewesen war und obwohl die Pariser Öffentlichkeit seine Werke schon bestaunt hatte, als Daguerre noch nichtmal ein Patent angemeldet hatte, geht er also leer aus. Er nimmt mehrere Folgeanläufe um die Akademie der Wissenschaften zu Überzeugen, dass auch er eine Zuwendung verdient hat aber er beißt auf Granit. Also entscheidet er sich zu einem radikalen Schritt und macht etwas für&nbsp; das er bis heute bekannt ist, er setzt sich in sein Studio und macht ein Selbstportrait. Und auch das ist eine Pionierleistung, soweit wir wissen ist es das erste <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> überhaupt oder zumindest das erste Selbstportrait dass erhalten geblieben ist. Daguerre kann für sich beanspruchen das erste Bild eines Menschen gemacht zu haben, es gibt eine Aufnahme aus einem Dachfenster heraus wo man einen Schuhputzer erkennen kann. Einfach weil der immer am selben Fleck gestanden war.&nbsp;</p>

<p>Bayard nun setzt sich ganz absichtlich vor die Kamera und inszeniert sich als eine Wasserleiche, links neben ihm sieht man einen großen Strohhut, den man wiedererkennen konnte, wenn man seine Werke bisher schon gesehen hatte. Rechts von ihm steht eine Statue. Er schickt dieses Bild an die Akademie der Wissenschaften, auf der Rückseite ist folgender Text zu lesen:&nbsp;</p>

<p>&#8222;Die Leiche des Mannes, die Sie umseitig sehen, ist diejenige des Herrn Bayard.</p>

<p>Die Akademie, der König und Alldiejenigen, die diese Bilder gesehen haben waren von Bewunderung erfüllt, wie sie selber sie gegenwärtig bewundern, obwohl er selbst sie mangelhaft fand.&nbsp;Das hat ihm viel Ehre aber keinen Pfennig eingebracht, die Regierung, die Herrn Daguerre viel zu viel gegeben hatte, erklärte nichts für Herrn Bayard tun zu können. Da hat der Unglückliche sich ertränkt. Hyppolite Bayard, 18 Oktober 1840.&#8220;</p>

<p>Das Bild wirkt aus heutiger Sicht einigermaßen bizarr, allerdings war es mehrere Dinge gleichzeitig: Es war eine Protestnote und es war ein künstlerisches Statement. Man konnte sicherlich darüber streiten ob ein Foto auf Metall wie bei Daguerres Verfahren oder auf Papier beeindruckender aussah. Und trotzdem war diese Aufnahme in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, nicht nur, dass sie einen Menschen zeigte, nicht nur, dass es ein Selbstbildnis war. Es war auch die erste inszenierte Aufnahme überhaupt. Die Zeitgenossen wussten auch sofort worauf sich Bayard mit dieser Aufnahme bezog.&nbsp;</p>

<p>Im 19. Jahrhundert gab es in einer Stadt wie Paris regelmäßig die Situation, dass Menschen tot aufgefunden wurden ohne, dass man wusste wer die Person denn nun war. Diese Menschen brachte man dann in ein öffentlich einsehbares Leichenschauhaus, dort wurden sie halb aufgerichtet aufgebahrt&nbsp; und ihre Kleidung sowie Gegenstände, die aufgefunden worden waren, richtete man um sie herum gut sichtbar an. Die Hoffnung war, dass Menschen vermisst wurden und unter Umständen durch die Gegenstände oder den Leichnam selbst eine Identifizierung möglich wurde.</p>

<p>Bayards Aufnahme ahmt das nach: Der Hut, die Statuen sind Gegenstände für die er bekannt war.&nbsp; Er ist im wesentlichen unbekleidet, ein Tuch bedeckt seine Scharm, das wars aber schon. Da er sich viel draußen aufhielt, besonders in seinem Garten um seine Aufnahmen zu fertigen, waren seine Hände und sein Gesicht dunkler als der Rest seines Körpers. In der Aufnahme unterstreicht es sogar noch den Eindruck einer Wasserleiche.</p>

<p>Es ist jedenfalls diese Aufnahme, die ihm dann einen Platz in den Geschichtsbüchern sichert, ob er selber über diesen Platz so glücklich wäre darf bezweifelt werden, denn wir reden nicht von dem ersten Selbstbildnis, wir reden nicht von der ersten Aufnahme mit allegorischen Stilmitteln, wir reden nicht davon, dass er derjenige Gewesen war, der die erste Fotoausstellung gemacht hatte. Nein. In die Geschichte geht er ein als der erste Fotofälscher.</p>

<p>Aber wenigstens lässt er sich seine Begeisterung für die Fotografie nicht nehmen, er wird weiterhin den Rest seines Lebens fotografieren. Viele seiner Stillleben und auch Selbstbildnissen und Gruppenaufnahmen sind von einer Originalität, die die damalige Malerei hinter sich lassen.</p>

<p>1851 gründet er eine der ersten Fotovereinigungen überhaupt: die &#8222;Société&nbsp;</p>

<p>héliographique&#8220;, auf Deutsch die heliographische Gesellschaft.&nbsp;</p>

<p>Im gleichen Jahr wird er zusammen mit vier anderen Fotografen damit beauftragt Frankreichs historische Gebäude zu dokumentieren. Im Auftrag dieser sogenannten mission&nbsp;héliographique machte er einige seiner besten und bis heute bekanntesten Arbeiten.&nbsp;</p>

<p>1854 wird die&nbsp;Société héliographique umbenannt und die dann neu gegründete fotografische Gesellschaft&nbsp; ernennt ihn zum Justiziar und Generalsekretär. Bis heute wird sein Nachlass von diesem ersten Fotoverein verwaltet.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 23 Oct 2021 19:11:07 GMT</pubDate>
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            <title>Der Welt zum Geschenk...</title>
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            <description>Die eine Hälfte der Geschichte hatten wir bereits erzählt: Daguerre der der Welt die Fotografie schenkt.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Die eine Hälfte der Geschichte hatten wir bereits erzählt: <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> der der Welt die Fotografie schenkt. Die andere Hälfte erzählen wir heute &#8211; wie nämlich am Ende ein britisches Verfahren den Durchbruch schaffte&#8230;</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Atkins" target="_blank">Anna Atkins</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250110193501/https://www.moma.org/artists/231" target="_blank">Anna Atkins &#8211; MoMA</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://publicdomainreview.org/collection/cyanotypes-of-british-algae-by-anna-atkins-1843" target="_blank">Cyanotypes of British Algae by Anna Atrkins</a> (1843) (The Public Domain Review)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://fahrenheitmagazine.com/arte/visuales/anna-atkins-la-botanica-que-fue-la-primera-mujer-fotografa" target="_blank">Anna Atkins: Die Botanikerin, die die erste Fotografin wurde</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<div class="yt-facade" data-yt="ekUUuU7whe0" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_ekUUuU7whe0.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/William_Henry_Fox_Talbot" target="_blank">Willhelm Henry Fox Talbot</a> (wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Herschel" target="_blank">John Herschel </a>(Wikipedia)</li><li><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Pencil_of_Nature" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The pencil of nature</a> (Wikipedia)</li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="GMrDkcYiLC4" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_GMrDkcYiLC4.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frederick_Scott_Archer" target="_blank">Frederick Scott Archer</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://www.schlicksbier.com/kollodium-nassplatte-eine-einfuehrung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kollodium Nassplatte &#8211; eine Einführung und besondere Tücken für den Fotografen</a></li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>Die Briten und die Franzosen verbindet eine Hassliebe. Ja, und die zieht sich auch durch die Geschichte der Fotografie und ist vielleicht der Grund, dass das erfolgreichste aller Fotografieverfahren und die Erfindung des Fotobuches in Großbritannien statt in Frankreich stattfand. Und das, obwohl doch Frankreich der Welt die Fotografie zum Geschenk gemacht hatte.</p>

<p>Die Geschichte der Fotografie wird ja gerne mal folgendermaßen erzählt: Da gab es diese Gruppe an Franzosen, Niépce, Bayard und <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a>. Die hatten alle grob zur selben Zeit die Ideen zu unterschiedlichen Verfahren, den Einfall von Licht auf diversen Medien festzuhalten. <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> war dann der, der von den dreien den größten Geschäftssinn besaß und gleichzeitig auch das beeindruckendste produzierte, nämlich das Fotografieren auf Metallplatten, und zwar in einer bis dahin nie gesehenen Detailtiefe. Dieses Verfahren wurde dann der französischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt, die französische Regierung kaufte es und machte es der Welt zum Geschenk.&nbsp;</p>

<p>Der ganzen Welt? Aber nein. Da gab es eine Insel, nicht allzu weit von Frankreichs Küste entfernt, die Großbritannien genannt wurde. Und in Großbritannien hatte Daguerre noch vor dieser Vorstellung vor der Akademie der Wissenschaften ein Patent eingereicht, mit der Idee, durch Lizenzgebühren Einnahmen erzielen zu können.&nbsp;</p>

<p>Vielleicht war der Gedanke aber auch ein anderer. Denn, wenn man es mal nüchtern betrachtet, hatte Daguerre es ja geschafft, dass der französische Staat sein Verfahren lizenziert, abgekauft und dann weiter verschenkt hatte. Vielleicht wollte er was Ähnliches in Großbritannien schaffen. Aber egal, was die Motivation gewesen sein mag, Tatsache war:&nbsp; Daguerreotypie durfte man überall auf der Welt umsonst anwenden, außer eben in Großbritannien.&nbsp;</p>

<p>Die Briten brauchten es aber nicht, denn die Briten hatten ihre eigenen Erfinder und ihre eigenen, in Anführungsstrichen, Väter und Mütter der Fotografie. Und im Vergleich waren die Briten auch wesentlich wissenschaftlicher unterwegs.</p>

<p>Daguerre selbst war ja Maler und Bastler, wenn man so möchte. Er verdiente sein Geld mit großen begehbaren Gemälden, Dioramen, und suchte nach Methoden, um ähnlich faszinierendes Bildmaterial zu erzeugen. Hippolyte Bayard war Beamter. In Großbritannien hingegen sind es Astronomen, Botaniker und Chemiker, die nach und nach die verschiedenen Puzzleteile zusammensetzen, aus denen ein fotografischer Prozess besteht.</p>

<p>Was sind denn diese Puzzleteile?&nbsp;</p>

<p>Nummer eins: Irgendein Licht empfindliches Medium muss her.&nbsp;</p>

<p>Nummer zwei: So toll, wie es ist, wenn Licht sich auf dem Medium verewigt, irgendwie muss man diese Reaktion wieder stoppen können.&nbsp;</p>

<p>Nummer drei ist die Erkenntnis, dass man mit einer Camera obscura und einer Linse Licht bündeln und damit die Belichtungszeit drücken kann und gleichzeitig Kontrolle über den Bildausschnitt bekommt. Und&nbsp;</p>

<p>Nummer vier ist dann die Vervielfältigung. Daguerres Bilder waren Einzelstücke, Silberplättchen mit einem fertig fixierten Bild. Wollte man davon Drucke anfertigen, war der Prozess, der dafür notwendig wurde, sehr, sehr aufwendig und bedeutete einen signifikanten Qualitätsverlust.&nbsp;</p>

<p>Das Verfahren, das in Großbritannien hingegen zur selben Zeit entwickelt wurde, das produzierte vielleicht nicht ganz so hochauflösende Fotos wie die Daguerreotypie, aber dafür produzierte man eben Bilder auf Papier statt auf Silber und statt dem fertigen Foto hatte man ein Negativ, das man hinterher im Anschluss beliebig oft reproduzieren konnte. Und das war mit Sicherheit auch einer der Gründe, warum das später dann den Siegeszug durch die Welt antreten sollte.</p>

<p>Tatsächlich war es so, dass die Daguerreotypie gerade mal 15 Jahre in Europa und vielleicht 30 bis 40 Jahre in der neuen Welt, in den USA, erfolgreich war. Danach waren es die Erfindungen aus Großbritannien, die letztlich den Grundstock dafür legten, wie wir bis ins Jahr 2005 hauptsächlich fotografierten.&nbsp;</p>

<p>Und drei Namen sind aus dieser Geschichte nicht wegzudenken. Einmal war da der berühmte Astronom John Herschel, der hatte ein Verfahren entwickelt, um seine astronomischen Beobachtungen automatisch festhalten zu können, das Cyanotypie genannt wurde. Es produzierte tiefblaue Bilder, hatte aber den Vorteil, supereinfach in Anwendung zu sein. Man tränkte ein Papier in Chemikalien, wodurch es lichtempfindlich wurde und setzte es dann Licht aus. Sterne sind Lichtpunkte, aber man kann natürlich auch andere Gegenstände auf dieses Papier legen und das Papier dann zum Beispiel in die Sonne packen.&nbsp;</p>

<p>Das Ergebnis nannte man damals photogenic drawing oder Lichtzeichnungen. Es war dann auch John Herschel, der irgendwann anfing, von Fotografien zu sprechen.</p>

<p>John Herschel war im regen Austausch mit den Wissenschaftlern der damaligen Zeit. Er gehörte zu einem erlauchten, hoch aktiven Kreis von Wissenschaftlern und Gelehrten. Zu seinen engeren Freunden gehörte John Children, seines Zeichens Botaniker, unter anderem Vorsitzender der botanischen Gesellschaft in London und einer der Mitarbeiter des gerade mal frisch gegründeten British Museums.</p>

<p>John Children hatte eine Tochter, Anna.&nbsp;</p>

<p>Anna hatte ihre Mutter nie kennengelernt, da die kurz nach ihrer Geburt gestorben war. Aber sie war wirklich sehr eng mit ihrem Vater und der gab seine Faszination für Biologie und speziell Botanik an seine Tochter weiter. Und so lief schon die kleine Erna durch die Botanik und katalogisierte Farne und Blumen. Und wie damals nicht unüblich war der Bleistift und die Zeichnung eines ihrer Hauptwerkzeuge.&nbsp;</p>

<p>Cyanotypie kam da gerade recht und schnell stellte sich raus, dass sogar mehr möglich war. Manche Teile der Pflanzen waren teildurchlässig und das sah man natürlich dann auch auf den Cyanotypes. Und Anna schritt zur Tat. Systematisch begannen sie, Farne und Pflanzen in ihrer Umgebung zu sammeln, zu katalogisieren und Cyanotypien zu fertigen. Sie sammelte die Bilder und begleitende Texte in eigenen Alben und begann, die regelmäßig herauszugeben. Zwischen 1843 und 1851 veröffentlichte sie dreizehn Teile. Später dann gab es eine Gesamtausgabe, in der es dann 14 Seiten Text und 389 Seiten gefüllt mit Cyanotypien gab. Anna brach auch mit einigen Konventionen der damaligen botanischen Wissenschaftswelt. Sie nahm eigene Katalogisierungen, eigene Typisierungen vor und sortierte die Pflanzen anders.&nbsp;</p>

<p>Überhaupt waren diese Alben (heute würde man sie Fotobücher nennen) deutlich künstlerischer, als man von wissenschaftlichen Arbeiten damals erwartete. Viele der Cyanotypien sehen auch mit heutigen Augen immer noch fantastisch aus. Und es ist keine Übertreibung zu sagen, dass <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> mit diesen ersten Alben nicht nur Wissenschaftsgeschichte und Kunst geschaffen hat, sondern das Fotobuch als Medium überhaupt erfunden hat.</p>

<p>Und sie war die erste Frau, die fotografisch gearbeitet hat, und zwar parallel zu all den sogenannten Vätern der Fotografie. Einer, der sie als Einfluss auch erwähnt, ist der dritte Name, auf den es uns heute ankommt. Willhelm Henry Fox Talbot.&nbsp;</p>

<p>Talbot verdankt seiner Mutter eine privilegierte Kindheit. Sie ist eine hochgebildete Frau, deren Geschäftssinn es zu verdanken ist, dass sich der Schuldenberg, den ihr ihr erster Mann bei seinem Tod hinterlassen hatte, in ein beeindruckendes Vermögen verwandelt hatte. Sie und ihr zweiter Ehemann bereisen mit dem kleinen Willhelm Henry nicht nur die Welt, sondern sorgen auch dafür, dass eine fundierte, wissenschaftliche Ausbildung erhält.&nbsp;</p>

<p>Talbot ist auch einer dieser unglaublich beeindruckenden Universalgelehrten. Er ist Botaniker, Ethymologe, beschäftigt sich mit der Geschichte des assyrischen Reiches und seit 1833 arbeitet er an verschiedenen fotografischen Verfahren, die er zunächst photogenic drawing nennt. Also Zeichnen mit Licht. Ganz ähnlich John Herschels Cyanotypie. Es wird also ein Papier empfindlich gemacht und es werden Gegenstände draufgelegt. Für Talbot ist das allerdings nur ein erster Schritt. Eigentlich möchte er mit einer Camera Obscura arbeiten. Die hatte er für verschiedenste Zwecke schon als Zeichenhilfe benutzt. Er hatte eine Camera Obscura genommen, die auf eine Platte ein Bild projizierte und versucht, dieses Bild abzuzeichnen.&nbsp;</p>

<p>Und er versuchte einfach, diese zwei Methoden zu kombinieren. Die photogenic drawings hatten damals noch den Nachteil, dass die Empfindlichkeit anhielt und dass sie sehr lange belichtet werden mussten. In einer Camera Obscura dauerte es zum Teil Stunden, bis ein Bild sichtbar wurde und dann war das Problem, dass das Papier ja immer noch empfindlich war. Es würde also weiter nachdunkeln. Man musste irgendwie dafür sorgen, dass dieser Prozess gestoppt wurde. Und dann waren die Bilder auch nicht wirklich detailreich oder scharf. Das war alles relativ verwaschen.&nbsp;</p>

<p>Aber Talbot war Wissenschaftler. Er arbeitete es systematisch an dem Problem. Und in seiner Korrespondenz mit seinem Freund Herschel fand man dann auch die eine oder andere Lösung. So entdeckte er dank Herschel beispielsweise verschiedene Möglichkeiten, um den Belichtungsprozess zu stoppen.&nbsp;</p>

<p>Irgendwann kam dann der große Durchbruch. Als Talbot nämlich entdeckte, dass das Licht seine Spuren auf dem Papier schon hinterlassen hatte, obwohl man es mit bloßem Auge noch nicht sehen konnte. Das sogenannte latente Bild, das man dann chemisch hervorholen konnte, sorgte dafür, dass die Belichtungszeiten von Stunden zu Minuten und schließlich zu Sekunden wurden. Nach und nach wurde auch der Detailgrad besser und letztlich hatte Talbot ein Verfahren, das er Calotypie nannte, mit dem man Fotos produzieren konnte, die wir auch heute noch als Fotos gelten lassen würden.&nbsp;</p>

<p>Inzwischen drangen Gerüchte nach England, ein Franzose hätte eine Möglichkeit entdeckt, die Bilder der Camera Obscura festzuhalten. Talbot machte sich Sorgen, dass das eventuell dasselbe Verfahren sein könnte, an dem er jetzt schon jahrelang arbeitete und trug eilig seine Ergebnisse zusammen und stellte sie der Royal Academy of Sciences vor.</p>

<p>Seine bisherigen Entdeckungen hatte er der Welt jeweils zum Geschenk gemacht. Diese Methode ließ er allerdings patentieren, eigentlich weniger aus eigenem Antrieb, sondern eher auf Zureden seiner Freunden und Verwandten. Es kostete also Lizenzgebühren, wollte man Calotypie verwenden.&nbsp;</p>

<p>Als Daguerre dann sein Verfahren vorgestellt hatte war wahrscheinlich erstmal die Erleichterung groß. Allerdings war die rechtliche Situation etwas seltsam, denn Daguerre hatte ja in Großbritannien ein Patent angemeldet und Harvard hatte auch sein Verfahren entsprechend sichern lassen. Und so war es ein wirklich teurer Spaß, wenn man in Großbritannien Bilder produzieren wollte. Oder auch sonst in der Welt. Entweder waren die Silberplatten und die Apparaturen, die notwendig waren, um Daguerreotypien zu fertigen teuer oder Lizenzgebühren für Calotypien oder Daguerreotypien, je nachdem wo man denn nun war, trieben die Kosten in die Höhe. Und natürlich hielten die Entdecker ihre jeweiligen Entdeckungen für die bessere Methode.&nbsp;</p>

<p>Talbot produziert ein Fotobuch, eigentlich gedacht als eine Art Broschüre, mit der er für seine Methode Werbung machen wollte und erklärte darin, was zur Entwicklung der Calotypie geführt hatte, welche Einflüsse ihn dahin gebracht hatten und welche Anwendungsgebiete es gab. Dieses (wahrscheinlich) zweite Fotobuch der Geschichte erwähnt dann auch <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> Arbeit, denn Talbot war ja selber auch Botaniker und das fotografische Dokumentieren von Pflanzen war dann auch eine der Beispiele, die er in seinem Buch aufführte. Und überhaupt ein Buch zu produzieren war sehr naheliegend, denn der Buchdruck oder generell der Druck war natürlich das eine herausragende Merkmal, die eine Stärke, die die Calotypie gegenüber der Daguerreotypie hatte.&nbsp;</p>

<p>Weil der Spaß aber durch die Lizenzgebühren nicht ganz billig war, gab es eine Menge Leute, die versuchten, eine alternative Methode zu finden. Und so dauerte es gerade mal bis zu dem Jahr 1850, bis mit dem sogenannten &#8222;Wet Collodium Prozess&#8220; eine Methode auf den Markt kam, die die Vorteile der Calotypie mit ein paar der Vorteilen der Daguerreotypie zu kombinieren schien. Die Methode war von einem scheuen Briten namens Frederick Scott Archer entwickelt worden und benutzte Glas statt Papier als negativträger. Scott Archer wollte kein Geld damit verdienen. Er meldete kein Patent an. Damit fühlten sich die Fotografen der Zeit im Recht, dieses Verfahren einfach anwenden zu können.&nbsp;</p>

<p>Talbot sah das anders. In seinen Augen war das Verfahren identisch zu der Calotypie, nur dass eben statt Papier Glas verwendet wurde. Und so zog er gegen einen der Fotografen wegen ausstehenden Lizenzgebühren vor Gericht. Das Gericht hingegen sah das anders. Es urteilte, dass Talbots Patent für fotografische Verfahren auf Papier Gültigkeit hätte und der Wet Collodium Prozess wäre ja auf Glas und damit was anderes. Und das markiert dann auch das Ende der Daguerreotypie und im Großen und Ganzen der Fotografie auf Papiernegative. Aber im Grunde muss man sagen: Das Gericht hatte keine Ahnung oder hat absichtlich nicht hingesehen.</p>

<p>Denn das Verfahren ist sehr wohl sehr ähnlich zu dem von Talbot. Aber für die Fotografie an sich war das natürlich ein Segen. Ab jetzt konnte man frei von Lizenzgebühren hochwertige Negative produzieren und davon hochwertige Abzüge fertigen. Ab hier war die Entwicklung dann auch vorgezeichnet. Aus dem wet plates wurden dry plates und das Glas als Negativ wurde irgendwann von Zelluloid als negativ abgelöst und damit, mit Rollfilm also, fotografieren Analogfotografen noch heute. Aber auf Silber fotografiert seit knapp 150 Jahren so gut wie niemand mehr.</p>

<p>Wenn man sich mit der frühen Geschichte Fotografie beschäftigt, gibt&#8217;s eine Menge erste Male. Und auch wenn Daguerre der erste war, der ein kommerziell erfolgreiches fotografisches Verfahren etabliert hatte, es ist die Arbeit von Talbot, Atkins, Scott Archer und John Herschel, die tatsächlich bis heute noch Bestand hat. Wer sich ein Buch über die Filme von Quentin Tarantino kauft, hat einen Nachfolger der Arbeit von <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> in der Hand. Und Quentin ist dafür bekannt, dass es seine Filme auf Zelluloid aufnimmt, also nicht digital. Und das ist Technologie, die sich zu Archer und Talbot zurückverfolgen lässt. Festhalten lässt sich jedenfalls, dass rund um die 1850er Jahre die Idee der Fotografie &#8222;Public Domain&#8220;, also, für jeden zugänglich wurde. Also eigentlich, könnte man sagen, hat Scott Archer die Fotografie der Welt zum Geschenk gemacht.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 06 Dec 2020 20:38:30 GMT</pubDate>
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            <title>Einmal Mond und zurück</title>
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            <description>Noch bevor man den Begriff &quot;Fotografie&quot; kannte wurden Aufnahmen des Monds gemacht und einige der ersten Bilder waren derart gut, dass sie über 100 Jahre unübertroffen blieben...</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Noch bevor man den Begriff &#8222;Fotografie&#8220; kannte wurden Aufnahmen des Monds gemacht und einige der ersten Bilder waren derart gut, dass sie über 100 Jahre unübertroffen blieben&#8230; bis man hinflog um aus der Nähe zu fotografieren. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Earthrise" target="_blank">Earthrise </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Apollo_8" target="_blank">Apollo 8</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Draper" target="_blank">Henry Draper</a> (wikipedia)</li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Adams_Whipple" target="_blank" rel="noreferrer noopener">John Adams Whipple</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lunar_Orbiter_Image_Recovery_Project" target="_blank">Lunar Orbiter Image Recovery Project</a> (Englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wired.com/2014/04/lost-lunar-photos-recovered-by-great-feats-of-hackerdom-developed-at-a-mcdonalds/" target="_blank">The Hackers Who Recovered NASA&#8217;s Lost Lunar Photos</a> (Englisch, Wired)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blue_Marble" target="_blank">Blue Marble </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://lightsinthedark.com/2016/03/23/this-is-the-oldest-surviving-photo-of-the-moon/#:~:text=Daguerre%20himself%20reportedly%20captured%20a,the%201850s%20by%20John%20A." target="_blank">This is the Oldest Surviving Photo of the Moon</a> (Lights In  The Dark)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603195752/http://100photos.time.com/photos/nasa-earthrise-apollo-8" target="_blank">Time Magazine &#8211; 100 photos &#8211; Earthrise</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/We_choose_to_go_to_the_Moon" target="_blank">We choose to go to the Moon</a> (Englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nasa.gov/centers-and-facilities/johnson/50-years-ago-the-lunar-orbiter-program/" target="_blank">50 years ago, The Lunar Orbiter Program</a> (NASA)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.metmuseum.org/art/collection/search/262301" target="_blank">John Adams Whipple &#8211; The Moon</a></li><li>John Adams Whipple &#8211; The Moon (MoMa)#</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.forbes.com/sites/kionasmith/2018/03/07/check-out-these-vintage-astronomical-photos-by-henry-draper/" target="_blank">Check Out These Vintage Astronomical Photos by Henry Draper </a>(Forbes)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nasa.gov/history/alsj/" target="_blank">Apollo Audio</a> (NASA)</li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://collectionapi.metmuseum.org/api/collection/v1/iiif/262301/1835514/main-image" alt="The Moon, John Adams Whipple (American, Cambridge, Massachusetts 1822 - 1891 Grafton, Massachusetts), Salted paper print from glass negative "/><figcaption><img decoding="async" src="https://thumbor.forbes.com/thumbor/960x0/https%3A%2F%2Fblogs-images.forbes.com%2Fkionasmith%2Ffiles%2F2018%2F03%2F3468247343_eeddc14cc7_b.jpg" alt="This is one of over 1500 images of the Moon that Henry Draper took from his Hudson observatory in... [+] 1863."></figcaption></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://fotomenschen.net/assets/First_View_of_Earth_from_Moon.jpg" alt="Datei:First View of Earth from Moon.jpg" width="3061" height="1215" loading="lazy" decoding="async"><figcaption><img decoding="async" src="https://d2g8igdw686xgo.cloudfront.net/19699494_1498527418.5622.png" alt="Fundraiser by Dennis Ray Wingo : Moon 1966-67: Lunar Photographs"></figcaption></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://web.archive.org/web/20221017081537/https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/dc/AS8-13-2329.jpg/1920px-AS8-13-2329.jpg" alt="undefined"/></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://fotomenschen.net/assets/NASA-Apollo8-Dec24-Earthrise.jpg" alt="Datei:NASA-Apollo8-Dec24-Earthrise.jpg" width="2400" height="2400" loading="lazy" decoding="async"><figcaption><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/archive/9/97/20200925182919%21The_Earth_seen_from_Apollo_17.jpg/1280px-The_Earth_seen_from_Apollo_17.jpg" alt="undefined"></figcaption></figure>

<p>Videos (falls der Podclient die Videoeinbettungen nicht zeigt, einfach auf <a "/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://fotomenschen.net</a> vorbeisurfen):</p>

<div class="yt-facade" data-yt="6a41qYeDTPQ" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_6a41qYeDTPQ.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="A0Ll-lYY3-g" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_A0Ll-lYY3-g.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="CGwyhc4g3q4" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_CGwyhc4g3q4.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="MjWiMYr6XDA" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_MjWiMYr6XDA.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p>Bildquellen: </p>

<ul><li>Von NASA &#8211; http://grin.hq.nasa.gov/ABSTRACTS/GPN-2000-001588.htmlDownloaded from: https://www.flickr.com/photos/pingnews/289087808/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2686367</li><li>By NASA/LOIRP &#8211; http://www.nasa.gov/topics/moonmars/features/LOIRP/http://www.nasa.gov/centers/ames/news/releases/2008/08_99AR.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5220446</li><li>Von William Anders &#8211; NASA Apollo Archive (http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/alsj/a410/AS8-13-2329HR.jpg), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99097</li><li>Von NASA/Bill Anders &#8211; http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/alsj/a410/AS8-14-2383HR.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=306267</li><li>Von NASA/Apollo 17 crew; taken by either Harrison Schmitt or Ron Evans &#8211; https://web.archive.org/web/20160112123725/http://grin.hq.nasa.gov/ABSTRACTS/GPN-2000-001138.html (image link); see also https://www.nasa.gov/multimedia/imagegallery/image_feature_329.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43894484</li></ul>

<p>Audioquellen: </p>

<ul><li>Kennedy, Speech at Rice University, Public Domain, verfügbar auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:President_Kennedy%27s_Speech_at_Rice_University.ogv" target="_blank">wikimedia commons</a></li><li>Diverse NASA Sounds, verfügbar unter CC Lizenz auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nasa.gov/history/alsj/" target="_blank">https://www.hq.nasa.gov/alsj/alsj-ApolloAudio.html</a></li></ul>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Die Geschichte der Fotografie beginnt mit einem Wettlauf, obwohl die einzelnen Prinzipien auf denen Fotografie basierte zum Teil schon mehrere Jahrhunderte bekannt waren, kommt innerhalb von weniger als zehn Jahren alles so zusammen, dass mehrere fotografische Verfahren gleichzeitig oder mehr oder weniger gleichzeitig entwickelt werden.</p>

<p>Zum Teil kennen sich die, sagen wir mal, Väter der Fotografie auch untereinander und befinden sich im Austausch. Ein besonderer Tag ist dann der 19 August 1839, das ist der Tag an dem Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> sein nach ihm selbst <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> genanntes Verfahren der französischen Akademie der Wissenschaften vorführt, die dann beschließt, diese Weltverändernde Technologie der Welt zum Geschenk zu machen. Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> war zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre damit beschäftigt dieses Verfahren auszufeilen und er hatte viele, viele Experimente hinter sich. Man kann wohl sagen, dass er so ziemlich alles versucht hatte zu fotografieren, was er mit seinen eigenen Augen sehen konnte. Der Mond ist das zweithellste Objekt in unserem Himmel und natürlich hatte er versucht Aufnahmen davon zu machen.&nbsp;</p>

<p>Dabei stellte er allerdings etwas fest, was auch heutige Fotografen immer wieder feststellen: Schöne Aufnahmen vom Mond sind gar nicht trivial anzufertigen. Einmal ist es so, dass der Mond wirklich, wirklich hell ist, wenn man also nicht aufpasst nimmt man einen hellen Fleck auf, statt der detaillierten Kraterlandschaft, die man sich vielleicht vorgestellt hat, außerdem ist der Mond wirklich weit, weit weg und damit sind Besitzer von Teleskopen im Vorteil. Teleskope waren damals allerdings schwer zu bekommen, Astronomen schliffen sich ihre Linsen und bauten ihre Gerätschaften oft selbst. Erste Daguerrotypisten waren aber nicht immer notwendigerweise Astronomen, Daguerre selbst war Maler und Geschäftsmann, er hatte sein Geld mit Dioramen, also großen begehbaren Bild Illusionen gemacht. Damit war er handwerklich geschickt und offensichtlich auch ein begabter Mechaniker und Chemiker aber die Astronomie und das Schleifen von Linsen war jetzt vielleicht nicht sein Hauptsujet und darum klappt die Aufnahme des Mondes auch nicht. Wir haben die Aufnahme nicht mehr, dass wir uns ein eigenes Bild machen könnten, Zeitgenossen berichten davon, dass es ein verwackelter heller Fleck war und mehr nicht.&nbsp;</p>

<p>Kaum war das Verfahren allerdings in der Welt wurde überall natürlich damit experimentiert, die älteste noch erhaltene Aufnahme unseres Trabanten stammt aus New York, Henry Draper machte dieses Bild und es ist heute zwar noch erhalten aber in einem wirklich traurigen Zustand, da kann man gerade mal noch erkennen, was da fotografiert worden war. Allerdings muss der Detailgrad bei unbeschädigten Bild nach wie vor sehr beeindruckend gewesen sein. Die schönsten Aufnahmen aus der Zeit stammen aus dem Jahr 1850 und wurden von John Whipple angefertigt. Es sind nicht die einzigen Aufnahmen, die wir aus diesem groben Zeitraum kennen aber sie zeigen den Mond in seiner ganzen Schönheit und in einem atemberaubendem Detailreichtum. Überhaupt ist ja das Besondere an der Fotografie, dass sie ihre erste EInführung mit der Daguerreotypie hatte, eine Technik, die auch bis heute Rekord Auflösungen möglich macht und einen Detailgrad zeigt, der eigentlich kaum einzuholen ist. Und was uns die Aufnahme auch zeigt ist,dass von Anfang an Astronomen von den aufkommenden fotografischen Verfahren fasziniert sind, sogar die Bezeichnung Fotografie stammt aus der Feder eines der berühmtesten Astronomen der Geschichte: John Herschel. Der war der Erste, der eine Aufnahme, die mit Licht gemacht wurde als Fotografie bezeichnete, also als “Zeichnen mit Licht”. Von Anfang an also fotografierten wir den Himmel und immer wieder aufs neue den Mond, von den ersten wirklich scharfen Aufnahmen, die Daguerrotepisten angefertigt hatten wurden dann auch Mondkarten und wissenschaftliche Papiere gefertigt. Und mit den Karten, die zu der Zeit entstanden waren, arbeitete man sogar noch in den 1960er Jahren und das war natürlich die Zeit, in der wir versucht haben zum Mond zu kommen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“ But why, some say, the moon? Why choose this as our goal? And they may well ask why climb the highest mountain? Why, 35 years ago, fly the Atlantic?We choose to go to the moon. We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard, [&#8230;]”</p>

<p>Und wir? Wir werden die Generation sein, die den nächsten Menschen auf dem Mond zujubeln darf und wir werden Bildmaterial haben in nie geahnter Auflösung und das interessante ist, so wie die Apollo Mission damals am Anfang auf Daguerreotypie zurückgreifen musste, obwohl die Technologie zur damaligen Zeit schon andere Mittel kannte, so müssen wir heute bei der Planung der nächsten Mondmission zum Teil auf Bildmaterial zurückgreifen, dass in den 1960ern entstanden ist.</p>

<p>Wir sind also im NASA-Headquarter, es ist klar, der Wettlauf zum Mond hat begonnen, die NASA weiß, die Mission ist, noch vor den Russen eine Raumsonde auf dem Mond zu landen und damit die technologische Überlegenheit zu demonstrieren. Nur wo, ist die Frage. Und zur Planung stehen ausschließlich Aufnahmen zur Verfügung, die von der Erde aus gemacht worden waren und das reichte nunmal nicht. Vorhang auf für die fünf sogenannten “Lunar Orbiter Missionen”, fünf Satelliten, die 1966 und 67 nacheinander zum Mond geschickt wurden, immer mit dem Auftrag den Mond zu umkreisen und dabei Aufnahmen der Oberfläche zu machen. Jede einzelne dieser Missionen kostete ein Vermögen und es war nicht vorgesehen, dass diese Satelliten wieder zurückkamen. Stattdessen umkreisten sie den Mond in immer engeren Bahnen und stürzten irgendwann ab. In dieser Zeit machten sie Aufnahmen der Oberfläche&#8230;auf Film. Und dieser Film musste an Bord der Raumsonde jeweils entwickelt werden, wofür ein eigen von <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> bereitgestelltes Verfahren zum EInsatz kam, und dann als entwickeltes Bild abgescannt und als Datenpakete zurück an die Erde gefunkt werden.&nbsp;</p>

<p>Auf der Erde speicherte man die Daten auf Band, was man allerdings auch noch haben wollte, war natürlich das eigentliche Bild und deswegen wurden diese einzelnen Pakete jeweils auf handelsüblichen 35mm Filmen belichtet. Man hat also so eine Art Lichtkanone gehabt, mit der man so getan hat, als würde man dieses Bild nochmal fotografieren, nur eben auf handelsüblichem Film, der musste dann natürlich nochmal entwickelt werden und dann hatte man ja nur diese einzelnen Bildausschnitte, die hat man dann aneinander geklebt. Das Besondere an diesen Aufnahmen war jedenfalls, dass noch nie ein menschliches Objekt so nah an der Mondoberfläche fotografieren konnte, deswegen war der Detailgrad unübertroffen, außerdem kannte die Menschheit bis dahin den Mond nur von einer Seite, die Rückseite war uns völlig unbekannt, noch nie hatte ein Mensch die Rückseite des Mondes gesehen und diese Aufnahmen waren die ersten Bilder dieser bisher unbekannten Seite. Und obwohl die zusammengestückelten Aufnahmen Streifen hatten und wirklich nicht besonder eindrücklich aussahen, wurde ein Bild aus der Reihe dieser Aufnahmen sofort weltberühmt:&nbsp;</p>

<p>Ein Blick von der Mondoberfläche aus, an den Horizont gerichtet und am Horizont aufgehend &#8211; die Erde</p>

<p>Dieses Bild wurde so berühmt, dass es sogar Briefmarken damit gab, noch nie hatten wir unseren eigenen Planeten aus dem Weltall gesehen. Es war die erste einer Reihe von Aufnahmen, die uns unseren Platz im Universum zeigte. Zum Zeitpunkt der Aufnahme wärmten sich die Beatles gerade für ein Konzert auf, in Vietnam wurde gekämpft und der Menschheit wurde bewusst, dass es langsam ernst wird, dass wir wirklich versuchen langsam auf dem Mond zu landen. Und weil es ein Wettlauf mit den Russen war, galt es keine Zeit zu verlieren, die größte Rakete, die die Menschheit je gebaut hat, und das stimmt übrigens bis heute, und es wurden Menschen auf die Reise zum Mond geschickt, zunächst mal nur um ihn zu Umkreisen und heil wieder auf der Erde zu landen.</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“The engines are on 4&#8230;3&#8230;2&#8230;1&#8230;0&#8230;We have &#8230;We have commenced&#8230;We have lift off. Lift off at 7:51am Eastern standard time[&#8230;]”</p>

<p>Und da treffen wir jetzt einen anderen Fotomenschen, den Astronauten Bill Anders.</p>

<p>Hatte die NASA anfangs noch keinen Gedanken daran verschwendet ihren Astronauten Kameras mitzugeben, gehörte es zur Zeit von Apollo 8 bereits zum Standard-Training der Astronauten Kameras im Weltraum richtig zu bedienen.</p>

<p>Ich werde irgendwann eine eigen Folge rund um diese Kameras machen aber nur ganz grundsätzlich, man hatte sich für Hasselblad als Partner entschieden und es gab eigens für das Space Program modifizierte Kameras und sowohl Farb- als auch Schwarz/Weißfilme, damit die Crew von Apollo 8 Aufnahmen der Landestelle und der Mondoberfläche machen konnte.</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“Houston, what does the moon look like from 60 miles over-</p>

<p>&nbsp;ok Houston, the moon is essentially grey, no colour[&#8230;]”</p>

<p>Drei Tage hatte der Flug zum Mond gedauert und ich frage mich, wie sich das angefühlt haben muss, nie war jemand so weit weg von zuhause.</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“It was the fourth orbit when we finally came to a position where we saw the Earth”</p>

<p>Das war die Stimme von James Lovell, dem dritten Astronauten an Bord, drei Umkreisungen hatten sie hinter sich und waren bei ihrer vierten, als sie die Erde am Horizont aufgehen sahen. Und dass ist auch der Moment in dem Bill Anders zur Kamera greift und die Aufnahme der Erde macht, die bis heute unter dem Namen “Earthrise” bekannt ist und eine der berühmtesten Aufnahmen aus dem Space Program überhaupt ist.&nbsp;</p>

<p>Nicht der erste “Earthrise” der fotografiert worden war aber der erste in Farbe und der erste von Menschenhand. Und wir haben Aufnahmen dieses Augenblicks:</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“Oh my god, look at that picture over there. It’s the Earth coming up&#8230; wow that’s pretty. You got a colour film Jim? &#8211; And then Anders asked me for colour film and Anders does take several pictures and I say 2/15 at F11[&#8230;]”</p>

<p>Die NASA wird eine dieser Aufnahmen auswählen um sie zu veröffentlichen und der Anblick der Erde wie sie am Horizont des Mondes aufgeht, so ähnlich freilich wie diese schwarz-weiß Aufnahmen aber dann doch noch viel viel prägnanter. Es wird daheim nicht nur sofort zur Ikone, sondern wird von vielen auch als Geburtsstunde der Umweltbewegung vermutet. Es war einfach so klar wie klein unsere Heimat im Vergleich zu allem anderen tatsächlich war. Bevor wir unsere Geschichte fertig erzählt haben, haben wir noch zwei Stopps. Und einer davon ist nochmal auf dem Mond. Das Apollo Programm sollte noch mehrere Erfolgreiche Missionen hinter sich bringen. 12 Menschen betraten den Mond, immer auch mit Kameras dabei. Hier ein bisschen Audio von der Apollo 17 Mission, das ist die Mission, wo man dann auch mit Rover auf der Oberfläche herum gecruised ist.</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>”I was strolling on the Moon one day&#8230;merry month of May&#8230;When much to my surprise, a pair of bonny eyes…,sorry about that guys but today may be december”</p>

<p>Und auf dieser Mission wurde natürlich auch ein berühmtes Foto geschossen, sonst hätte ich es ja nicht erwähnt, und zwar das Bild “Blue Marble”. Auch Blue Marble hat wahrscheinlich schon jeder von uns gesehen, das ist die Erde in Großaufnahme, in komplettaufnahme, in ihrer totalen, das Bild bei dem Astronauten immer gerne darauf hinweisen, wie dünn die Atmosphäre im Vergleich zum Rest des Planeten ausfällt, wie zerbrechlich die Erde dort wirkt. Apollo 17 sollte das letzte Mondlandeprogramm sein, wir haben Satelliten zum Mond geschickt, wir sind um ihn herum gekreist, wir haben Sonden überall im Sonnensystem verteilt aber zum Mond sind wir bisher noch nicht zurückgekehrt. Zurück also zur Erde, ich sprach ja von den Lunar Orbiter Missionen, den Missionen also mit denen die ersten hochauflösenden Aufnahmen aus der Nähe gemacht worden waren, die Rohdaten dieser Missionen befanden sich auf riesigen Bändern, die in noch riesigeren, schrankgroßen Abspielgeräten abgespielt werden mussten und das Zeug brauchte gefühlt erstmal niemand mehr und es nahm außerdem eine Menge Platz weg, als das</p>

<p>Apollo Programm also eingestellt wurde beschloß die NASA also den ganzen Krempel einzulagern.</p>

<p>Man hatte keine Verwendung mehr dafür aber wer weiß das schon so genau. 20 Jahre lang, über 1500 Bänder, in Maryland bei Spezialisten, sowas kostet eine Menge Geld und meisten gibt es Verträge, die meisten irgendwann einmal enden und so auch hier, 20 Jahre lang war alles eingelagert gewesen, als es wieder zurück an NASA ging und die Frage auftauchte: Was nun tun mit dem ganzen Krempel? In NASA&#8217;s Jet propulsion laboratory wurde die Archivistin Nancy Evans damit betraut genau diese Frage zu beantworten. Wir haben 1986 und eigentlich weiß niemand mehr so wirklich wie die Daten auf den Bändern abgespeichert waren und die Geräte hatten auch schon so ihre Probleme, Nancy hätte also auch beschließen können den ganzen Krempel entsorgen zu lassen aber wie sie selber sagt: das konnte sie einfach nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Ihr kam ein Zufall zur Hilfe, denn es stellte sich zur selben Zeit heraus, dass die NASA die Originalaufnahmen, also die Bilder, die die Techniker zusammengeklebt und benutzt hatten um die Mondlandung zu planen nicht mehr auffinden konnte.&nbsp;</p>

<p>Die NASA lagerte also die Bänder ein, immerhin etwas, und Nancy kümmerte sich nun um die Geräte, die waren schon auf dem Gebrauchtmarkt verschwunden und die Geräte, die die NASA speziell benutzt hatte, die gab es tatsächlich kaum, denn außer der NASA benutzte dieses spezielle Format so gut wie niemand. Nancy machte sich trotzdem auf die Suche und fand Geräte und lagerte die in ihrer heimatlichen Garage ein und da lagerten die bis ungefähr 2007, Nancy war inzwischen keine Archivarin mehr, sie hatte eine alternative karriere angestrebt, auf ihrem Pferdehof kümmerte sie sich um Tiere, sie hatte ein Buch veröffentlicht zum Thema Veterinärakupunktur und hatte ihre NASA Vergangenheit praktisch hinter sich gelassen.&nbsp;</p>

<p>Und das ist der Moment, in dem Dennis Wingo sich bei ihr meldet. Dennis Wingo betreibt eine Firma, Skycorp, und er war schon seit seinem Studium besessen davon, die verschollenen Apollo Aufnahmen zu finden. Und als er Nancy gefunden hat muss sich das wie der Jackpot angefühlt haben, denn Nancy hatte die Geräte mit denen sich die Bänder, die bei der NASA eingelagert waren entziffern lassen würden. Jetzt musste man freilich die Formate nochmal verstehen und die Geräte mussten gangbar gemacht werden aber alles das traute sich der selbsternannte “Techno-Archaeologist” zu, wenn es denn noch Sponsoren geben würde, die ihn dabei unterstützen. Jetzt muss man eines verstehen, das Kamera Equipment an Bord der Lunar Orbiter war tatsächlich Top of the Pops, das waren hochwertige, großformatige Aufnahmen, die&nbsp;</p>

<p>tatsächlich auch erstaunlich hochauflösend gescannt worden waren. Die Tatsache, dass die Öffentlichkeit von dem Lunar Orbiter Programm nur so minderwertige Bilder gesehen hatte lag nicht daran, dass das Ausgangsmaterial so schlecht war, sondern lag daran, dass es mit sehr begrenzten Mitteln für einen sehr begrenzten Zweck ausbelichtete.&nbsp;</p>

<p>Könnte man das Material mit modernen Mitteln nochmal analysieren, würde sich wesentlich bessere Ergebnisse erzielen lassen, so die Hoffnung. Aber Behaupten kann man viel, man muss ja erstmal liefern, es gab also wenig Hoffnung, ohne einen Beweis erbracht zu haben, irgendeine finanzielle Unterstützung zu bekommen. Aber wo NASA dann schon gewillt war zu helfen, war dabei einen Platz für das Projekt für das Projekt zu finden, gegenüber des NASA Geländes hatte ein McDonald’s gerade seine Pforten geschlossen und so wurde dem frisch gegründeten Projekt angeboten, doch alle Gerätschaften und Bänder dorthin zu bringen, das Team war begeistert, die neue Basis wurde eben mal in “McMoon” umgetauft und nach einigen Renovierungsarbeiten und umbauten war der Ort fertig um den neu gegründeten Projekt ein Zuhause zu bieten. Trotzdem gab es natürlich immer noch nicht unlimited Funding, das ganze war am Anfang aus eigener Tasche und zum Teil aus Spenden finanziert und so gab es einen gewissen Erfolgsdruck. Und da schlug dann der Zufall zu, schon wieder, denn eines der ersten Bilder, das das Team unter die Lupe nahm, stellte sich als die berühmte Aufnahme des Erdaufgangs heraus. Und da lohnt sich wirklich ein Blick in die Notizen zur Sendung um die beiden Aufnahmen mal zu vergleichen: die Aufnahme, die 1967 der Weltöffentlichkeit gezeigt wurde und da schon Begeisterung auslöste und die Aufnahme, die die Technik von 2008 produzieren konnte, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und das war ein so überzeugendes Ergebnis, dass sie den Auftrag bekamen auch die restlichen Bilder zu bearbeiten. Und die brachten sogar neue wissenschaftliche Erkenntnisse, hier Dennis Wingo in seinen eigenen Worten:</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“We had three questions in our project: Can you bring the tapes back, we did it, can you refurbish the drives, we did it, is the data any better than what we already had from a parallel film record, we answered all of those in the affirmative. We put it together like this, we assembled the final image, now this was our next image&#8230;this was called the image of the century by the live magazine.”</p>

<p>Das Lunar Orbiter Image Recovery Project, wie es sich nennt, operiert immer noch aus McMoon heraus, die grobe Erfassung aller BIlddaten war 2014 abgeschlossen und sind jetzt im sogenannten NASA Planetary DAta System für die Forschungs Öffentlichkeit verfügbar. Und mit Ausnahme der Aufnahmen, die wir direkt von der Oberfläche des Mondes gemacht haben, bestehen diese Bilder immer noch den Test der Zeit, selbst moderne Digitalkameras haben keine höhere Auflösung und manchmal sogar eine schlechtere dynamic Range, also ein schlechteres Verhältnis zwischen den hellsten und dunkelsten Punkten auf der Aufnahme. Und hätte Nancy Evans die Geräte zum lesen der Bänder nicht in ihrer Garage eingelagert, dann wären die Daguerreotypien aus dem Jahr 1850 immernoch die ungeschlagenen Auflösung Könige. Selbst die Aufnahmen, die wir auf dem Mond stehend von unserem Heimatplaneten gemacht haben, wären nicht besser.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 01 Nov 2020 19:52:41 GMT</pubDate>
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            <title>Blitze unter Wasser</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/blitze-unter-wasser.html</link>
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            <description>Im Zeitalter von wasserdichten Action Cams die in die Hosentasche passen vergessen wir gerne mal welchen atemberaubenden Aufwand es brauchte um selbst einfache Aufnahmen unter Wasser anzufertigen.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Im Zeitalter von wasserdichten Action Cams die in die Hosentasche passen vergessen wir gerne mal welchen atemberaubenden Aufwand es brauchte um selbst einfache Aufnahmen unter Wasser anzufertigen. </p>

<p>So mussten Pioniere wie der Franzose Louis Boutan ihre komplette Technik selbst konstruieren und dabei nicht nur mit unpraktischen Verfahren sondern auch mit tonnenschwerem Equipment arbeiten. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Boutan" target="_blank">Louis Boutan</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20090215115925/http://divemar.com/divermag/archives/dec96/gilbert1_dec96.html" target="_blank">Of underwater photography history and prerequisites</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Tauchens" target="_blank">Geschichte des Tauchens</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Unterwasserfotografie" target="_blank">Unterwasserfotografie </a>(Wikipedia)</li><li>William Thompson- 100 years of underwater photography?</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kollodium-Nassplatte" target="_blank">Kollodium Nassplatte</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Frederick_Scott_Archer" target="_blank">Frederick Scott Archer</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung_Paris_1900" target="_blank">Weltausstellung Paris</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://www.filmsnotdead.com/the-worlds-first-underwater-photograph/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The world&#8217;s first underwater photograph</a></li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://web.archive.org/web/20210206213635/https://divingalmanac.com/wp-content/uploads/2017/03/Thompson_William_2.jpg" alt="First underwater photo"/><figcaption>Das erste Unterwasserbild überhaupt wurde von William Thompson gemacht und war leider kaum brauchbar.  </figcaption></figure>

<p>(Unter dieser Notiz ist kein Video? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<div class="yt-facade" data-yt="uJHyWD3CpwY" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.net/assets/yt_uJHyWD3CpwY.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p class="has-small-font-size">Bild: By Louis Boutan &#8211; Spiridon Manoliu&#8217;s pictures, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7291742<br>Sound: By HDVideoGuy, CC-NC, https://freesound.org/people/HDVideoGuy/sounds/156011/</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Fotografie, es fühlt sich komisch an das in ein Mikro zu sagen aber wenig ist so omnipräsent und banal wie die Möglichkeit ein Bild zu machen. Alles ist und wird fotografiert, es gibt Kameras, die wenn man sie in die Luft wirft auf dem Scheitelpunkt der Flugbahn ein 360° PanoramaFoto schießen, bevor sie stoßfest und sicher auf dem Boden aufschlagen. Es gibt Kameras, die können fliegen und Luftaufnahmen machen, es gibt Kameras, die sind so klein, dass sie in jede nur erdenkliche Öffnung eingeführt werden können und eingeführt wurden und moderne Kameras können bei Dunkelheit praktisch immer noch fotografieren. Und natürlich ist uns allen klar, dass das nicht immer so war, als die Fotografie eingeführt wurde, war die ein sehr aufwendiger und vor allem flüssigkeitsintensiver Prozess.&nbsp;</p>

<p>Die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> oder später auch die Negativ-Verfahren, die mit feuchten Medien arbeiteten, die waren darauf angewiesen, dass der Fotograf das Medium mit dem er arbeitet zunächst einmal vorbereitet, dann mehrere Minuten lang belichtet und nachbereitet. Das heißt diese Verfahren funktionierten dort am besten wo es genau kontrollierte Umgebungsbedingungen gab und eine Dunkelkammer zur Hand war wo man dann schnell nachbearbeiten konnte. Und generell galt: Je heller, desto besser, deswegen waren erste fotografische Studios auch mobil und im freien, Portraits wurden draußen gemacht.&nbsp;</p>

<p>Das änderte sich geringfügig als man lernte Blitze zu erzeugen, zu den Chemikalien mit denen der Fotograf sowieso schon hantierte, die übrigens meist feuergefährlich waren, kam also noch Magnesiumpulver und irgendwelche Brandapparaturen. Wer sich also zu dieser Zeit mit Fotografie beschäftigte war weit mehr als Jemand, der einfach nur gern Bilder machte. Man war wahrscheinlich eine Mischung aus Bastler, Wissenschaftler und Künstler und ich glaube so dürfte man zum Beispiel den Briten William Thompson beschreiben.&nbsp;</p>

<p>Der lebte im Süden Englands und stellte sich irgendwann die Frage, ob es nicht möglich sein müsste mit den brandneuen fotografischen Verfahren auch Brückenschäden unter Wasser zu kommentieren. Zu der Zeit konkurrierten gerade zwei Verfahren auf dem Markt, die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> in der mithilfe von Quecksilberdämpfen ein Bild auf einem Silberplättchen fixiert wurden und das Wet-Plate-Kollodium Verfahren, das funktionierte so, dass man eine Glasplatte mit einer eigens dafür hergestellten Chemikalie beschichtete, die dann lichtempfindlich wurde und bei Belichtung ein Negativbild auf der Platte entstehen ließ. Stellen auf die Sonne fiel wurden also schawrz und Stellen auf die weniger Licht fiel waren durchsichtig, es war also ein Negativ-Verfahren. Der Vorteil solcher Negativ-Verfahren war, damit konnte man beliebig viele Kopien machen, dazu legte man die Glasplatte mit dem negativ auf fotoempfindliches Papier und belichtete durch. Im Ergebnis hatte man dann einen Print, also ein fertiges Foto, beliebig viele, wenn man denn wollte.&nbsp;</p>

<p>Der Prozess war freilich auch einigermaßen aufwendig, wie gesagt, erstmal das Glasnegativ herstellen, das war nicht ewig haltbar, das heißt man musste es zeitnah zum eigentlichen Foto vorbereiten und direkt nach erfolgter Belichtung, die durchaus auch mal etwas länger dauern konnte musste das ganze natürlich entwickelt und fixiert werden. Trotzdem war der Prozess weniger aufwendig als die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> und hatte den Vorteil nicht nur Unikate zu produzieren. Das jedenfalls war das Verfahren mit dem William Thompson beschloß zu experimentieren, er wollte eine Unterwasseraufnahme machen und unterwasser war nunmal weniger Licht als überwasser, deswegen verlängerte sich die Belichtungszeit. Außerdem wollte er nicht mit untertauchen, Tauchanzüge wie wir sie heute kennen gab es noch nicht, also konstruierte Thompson eine Box in der die Kamera untergebracht werden sollte und einen Fernauslöser mit dem er den Verschluss öffnen und wieder schließen konnte.&nbsp;</p>

<p>Es gab keine Erfahrungswerte was Belichtung unterwasser anging und deswegen muss er ziemlich lang rumprobiert haben. Wieder und wieder muss er auf einem Boot ein Glasnegativ vorbereitet, in eine Box gesteckt und an einem Seil ca sechs Meter in die Tiefe gelassen haben. Und irgendwann hatte er es dann, die weltweit erste Unterwasseraufnahme. Sieht relativ unscharf und unspektakulär aus aber bewies immerhin, dass es theoretisch möglich war. Thompson fand das Verfahren jedoch wenig praktikabel und die Methode blieb nicht mehr als ein kleines Experiment. Er beschrieb das Vorgehen in einem Artikel, der dann 1856 in dem “Journal of the Society of Arts” auch veröffentlicht wurde und da endet auch grob die fotografische Geschichte von Thompson. Was ich absolut faszinierend finde ist, dass Thompson seiner Zeit ca 30 Jahre voraus gewesen ist, so lang dauerte es nämlich bis jemand ernsthaft und systematisch versuchte die mit Wasserfotografie verbundenen Probleme zu lösen.&nbsp;</p>

<p>Es gab zwar dazwischen immer wieder mal Experimente, so behauptete ein Franzose er hätte verschiedene Aufnahmen unterwasser gemacht und so weiß man nicht wirklich ob das den Tatsachen entsprach und die Deutschen experimentierten mit Fotografie auf U-Booten aber nichts davon hatte wirklich großen Bestand. Der erste wirklich dokumentierte Unterwasserfotograf, der dann auch unterwasser ernsthaft scharfe Bilder produzierte und , jawohl, auch unterwasser blitzte, war dann der Franzose Louis Boutan. Der war Vollblutwissenschaftler und im Auftrag seiner Regierung ziemlich weit herumgekommen, er hatte in Australien Beuteltiere erforscht, er hatte sich mit Weichtieren beschäftigt und kam im Jahr 1890 ans Rote Meer. Dort lernte er 1886 zu tauchen und was er da sah wollte er dokumentieren. Bis dahin hatte man Meereslebewesen an der Oberfläche fotografiert und diese Aufnahmen waren natürlich nicht vergleichbar mit den Aufnahmen, die man in ihrem natürlichen Habitat, lebendig von ihnen machen konnte oder hoffte machen zu können. Bouton begann also, wie schon Thompson vor ihm, damit ein Gehäuse für eine Kamera zu entwickeln, anders als Thompson aber wollte Bouton selber unter Wasser sein während er die Aufnahmen macht.&nbsp;</p>

<p>Und dafür experimentierte er auch mit verschiedenen Tauchverfahren, auch die Taucherei war damals ja noch in Entwicklung. Da gab es alles, von Tauchglocken über einfache Apparaturen, die Schläuche von der Oberfläche mitführten bis hin zu Hartschalenanzügen, also praktisch tragbaren Taucherglocken. Beleuchtung war allerdings ein Problem, die ersten Aufnahmen gelangen im 1893 und brauchten in den gerade mal 3,5 bis 11 Metern Tiefe zwischen 10 und 30 Minuten Belichtungszeit. Das hieß Tiere konnte man so nicht fotografieren, außer sie blieben zufällig gerade mal 30 Minuten am gleichen Fleck aber dann waren sie sehr wahrscheinlich nicht scharf. Bouton begann also mit verschiedenen Blitztechnologien zu experimentieren, eine erste Idee war ei Boot mit einem Glasboden auszustatten und sozusagen von der Wasseroberfläche aus nach unten zu blitzen, der nächste Schritt war dann die gesamte Blitzgerätschaft in ein Tauchfass zu integrieren auf dem oben eine offene Lampe zu finden war, mit der man dann den Lichtblitz erzeugte, das Problem war nur, Chemikalische Blitze erzeugen Rauch und Rauch beschlägt Glas, das heißt die Gläser mussten unterwasser ausgetauscht werden, nachdem sie benutzt worden waren. Und das war schon ein Fortschritt, die allerersten Birnen explodierten bei der Benutzung.&nbsp;</p>

<p>Man kann sagen in den ersten drei Jahren, ging Bouton durch die ganze Palette der Lichterzeugung und kam zum Schluss bei elektrischen Bogenlampen an. 1899 machte er damit dann die letzten seiner Aufnahmen und hat da dann Belichtungszeiten von gerade einmal 5 Sekunden. Aber der Preis für diese technische Leistung war gewaltig, diese Bogenlampen, die wurden von 60 Batterien mit je 25 Amperestunden mit Strom versorgt und waren in ein Gußeisernes Kugelgehäuse eingelassen, das Gesamtgewicht der gesamten Apparatur betrug 1,5 Tonnen aber es lohnte sich, er veröffentlichte das erste Buch über Unterwasserfotografie überhaupt. Das Werk “La Photographie Sous-Marine Et les Progrès de la Photographie”, wo er nicht nur über Unterwasserfotografie sonder über den Fortschritt von Fotografie ganz allgemein schrieb. Später gelangen ihm dann auch noch Nachtaufnahmen aus 50 Meter Tiefe, was seinen Ruf als den Unterwasserfotograf der Zeit zementierte. Seine Bilder wurden dann unter anderem auch auf der Weltausstellung 1900 in Paris ausgestellt, überhaupt schien es bei dieser speziellen Weltausstellung ein Who-is-Who der damals gängigen Fotografen zu geben und die stellten alle bis dahin unmöglich geglaubte Bilder aus, da gab es George Lorenz, der seine spektakulären Luftaufnahmen und Panoramen ausstellte und eben Bouton mit Aufnahmen unterwasser, beide mit eigens dafür entwickelter Beleuchtungstechnik. Wäre Bouton nicht Biologe gewesen, sondern Geschäftsmann und Erfinder wie George Lorenz, ich kann mir vorstellen, die beiden hätten ein ganz großartiges Team abgegeben</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 18 Oct 2020 13:24:33 GMT</pubDate>
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            <title>Einmal Selfie und zurück.</title>
            <link>https://fotomenschen.net/posts/fotomenschen-eine-einfuehrung.html</link>
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            <description>Das Selfie ist eine Kulturtechnik unserer Zeit und trotzdem schon mehrere Jahrhunderte alt...</description>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Angeblich posten rund 60% aller Nutzerinnen und Nutzer von Instagram regelmäßig Fotos von sich selbst, sogenannte Selfies. </p>

<p>Die bildliche Selbstdarstellung wurde natürlich nicht erst durch Social Media populär, tatsächlich haben schon die Maler des Mittelalters und der Renaissance gerne ihr eigenes Antlitz in ihre Arbeiten geschmuggelt und dann war es bald nur noch eine Frage der Zeit bis die ersten gezielten Selbstportraits gemalt wurden. </p>

<p>So wage ich in der heutigen Folge eine Reise von A wie Albrecht Dürer bis K wie Kardashian 🙂 </p>

<p>Weitere Informationen: </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Cornelius" target="_blank">Robert Cornelius</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daguerreotypie" target="_blank">Daguerrotypie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Nic%C3%A9phore_Ni%C3%A9pce" target="_blank">Joseph Nicéphore Niépce</a> (Wikipedia)</li><li>Das 2. Selfie kam von <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hippolyte_Bayard" target="_blank">Hippolyte Bayard</a> (Wikipedia)</li><li>Reader&#8217;s Digest &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240807132439/https://www.rd.com/list/selfie-facts/" target="_blank">14 mind-blowing facts about selfies</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dw.com/de/das-ich-als-kunstwerk-vom-selbstportr%C3%A4t-zum-selfie/a-18812939" target="_blank">Das Ich als Kunstwerk: vom Selbstporträt zum Selfie</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Camera_obscura" target="_blank">Camera Obscura</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210302085636/https://www.rochester.edu/news/photos/daguerreotype.html" target="_blank">Daguerrotypes mit über 140,000 Megapixel</a> (!)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/australiaandthepacific/australia/10459115/Australian-man-invented-the-selfie-after-drunken-night-out.html#:~:text=Australia%20has%20proudly%20laid%20claim,at%20a%2021st%20birthday%20party." target="_blank">Australian man &#8218;invented the selfie&#8216;</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

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<p class="has-large-font-size"><br>Transkript der Episode: </p>

<p>“Picture &#8211; or it didn’t happen”. Das ist ein Spruch, der Freunde dazu auffordern soll, einen Schnappschuss zu teilen. Wir leben in durch und durch visuellen Zeiten; Niemand wird bestreiten, dass es noch nie so wichtig war wie dieser Tage, eine Kamera in Griffweite zu haben. Zumindest scheinen wir das so wahrzunehmen. Wir fotografieren alles und jeden, und auch gerne Mal uns selbst. Das sogenannte “Selfie”, ja manch einer ruft sogar eine “Selfie Culture” aus, millionen und abermillionen Selfies werden regelmäßig auf den großen Social Media Kanälen veröffentlicht.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Hi, I’m Kim Kardashian West and I’m gonna give you a little tutorial on how to take the perfect selfie. If you don’t have a mirror in front of you to really figure out your pose and your angle, make sure that your lighting is amazing, because you wanna blow out everything you don’t wanna see and highlight all the good things that you do.</p>

<p>Moderne Smartphones haben sogar mehr als eine Kamera, eine extra zu dem Zweck um Selfies aufnehmen zu können. Die “front-facing-Camera”.&nbsp;</p>

<p>Das Wort “Selfie” wurde angeblich von einem Australier erfunden, der hat sich bei der Geburtstagsparty eines Freundes die Lichter ausgeschossen und anschließend aufs Gesicht gelegt. Das Internet, freilich, gab’s zu der Zeit schon und so machte er ein Foto, bei dem man die Lippe nicht scharf, dankenswerterweise aber im Hintergrund die Steckdose supergut erkennen kann, und schrieb dazu, dass es ihm leid täte, dass der Fokus falsch sitzt, es wäre ja nur ein Selfie. Und damit war das Wort in der Welt.</p>

<p>Damit stellt sich jetzt natürlich die Frage, was ist denn nun ein Selfie?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Hi, ich bins wieder, eure Jayjay, und ganz viele haben mich gefragt ob ich sagen kann was “Selfie” is, und weil ihr das alle nicht wisst sag ich euch das jetzt.</p>

<p>Äh ja. Jetzt mal wirklich:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Selfies sind Selbstportraits, die du mit einem Smartphone in deiner eigenen Hand aufnimmst, daher auch der Name “Selfie”, das kommt vom englischen “self <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a>”.</p>

<p>Also ein Bild, dass ich selbst von mir anfertige. Und wenn wir es so generisch halten, dann ist natürlich das Selfie schon hunderte von Jahren alt. Schon in Mittelalter hatten Maler damit begonnen, ihre eigenen Gesichter gelegentlich in ihre Gemälde zu schmuggeln, da saß dann unter den Jüngern Jesu plötzlich mit der Maler am Tisch. Ab dem 15. Jahrhundert werden zunehmend auch Gemälde von Malern bekannt und es gibt mehrere, die sind berühmt geworden, dafür, dass sich die jeweiligen Künstler besonders treffend selbst dargestellt haben.&nbsp;</p>

<p>Und damit könnte man sagen: Die Renaissance-Maler sind die Urgroßväter moderner Selfies. Daran sollte man auf jeden Fall denken, wenn Man das nächste Mal mit der Frontkamera auf sich selbst abdrückt.&nbsp;</p>

<p>Wir können aber auch auf jeden Fall festhalten, dass die Definition “Selbstportrait” vielleicht nicht so ganz tragfähig ist, wenn wir über Selfies reden, wir reden ja schon über eine ganz bestimmte Art des Selbstportraits, nämlich fotografisch festgehaltene Selbstportraits, die dürfen auch zunehmend immer mehr verfremdet sein, im Zeitalter von Snapchat-Filtern kann man sich da künstliche Hüte aufsetzen, die Augen vergrößern, die Haut verjüngen, was immer uns einfällt, das heißt es muss auch noch nicht mal mehr fotografisch authentisch sein, aber wir reden ja schon von einem fotografischen Prozess. Niemand greift zu Pinsel und Leinwand, um sein Selfie zu malen und dann zu veröffentlichen, wir snappen es.</p>

<p>Und damit sind wir bei der Geschichte der Fotografie angekommen. Eine Geschichte, die eigentlich ziemlich kurz ist. 200 Jahre. Grob. 1820 &#8211; 1840 war die Geburtsstunde der modernen Fotografie.&nbsp;</p>

<p>Dieser große Zeitraum ist mit Absicht gewählt, weil es tatsächlich ein bisschen Definitionsfrage ist, was man denn nun als den Startpunkt der modernen Fotografie ansieht. Manches Prinzip, das auch heute immer noch Kameras verwenden, kannte man schon seit der Antike. Die sogenannte “Camera obscura”, also die “versteckte Kammer”, von der eben auch unsere heutige Kamera ihren Namen hat, war ein Raum oder zumindest eine Holzkiste, in die ausschließlich durch ein kleines Löchlein Licht drang. Und es war eben auch schon wirklich lange bekannt, dass sich durch dieses Loch Bilder projizieren auf die Rückwand besagter Kammer oder Kiste ließen. Allein dieses Bild war vorübergehend. Nur so lange wie genügend Licht und genügend Szenerie existierte, konnte man dieses Bild bewundern und bestaunen. Es gab solche Kameras auch begehbar. Manche wurden als Apparatur verwendet, um Pläne zu zeichnen oder die Perspektive von Gebäuden korrekt abzubilden, es war also ein Werkzeug im Künstlerbedarf.</p>

<p>Man hatte schon erkannt, dass es Chemikalien und Stoffe gab, die lichtempfindlich waren, und so musste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn man nicht irgendwie einen Weg finden könnte, ein Bild das in der Camera obscura sichtbar wird irgendwie auf einem dieser Stoffe festzuhalten.</p>

<p>In die Geschichte eingehen sollte dann der Franzose Joseph Niépce. 1826 gelang ihm das, was auch heute noch als die erste jemals durchgeführte und auch nach wie vor erhaltene Fotografie gilt. Acht Stunden lang belichtete er in einem Verfahren, dass er Heliographie nannte, eine lichtempfindliche Asphaltschicht, die hinterher mit Lavendelöl entwickelt wurde. Nicht nur wegen der langen Belichtungszeit war dieses Verfahren noch nicht so richtig praxistauglich, auch das Ergebnis muss man schon mit modernen Mitteln fassen, um wirklich zu erkennen, was man auf dem Bild festgehalten hatte. Trotzdem: Ein Anfang war gemacht.</p>

<p>Zu der Zeit stand Joseph Niépce mit einem Maler namens Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> in Kontakt und tauschte sich über die Möglichkeiten, die Entwicklung eventuell kommerziell nutzbar zu machen aus. <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> übernahm die Methoden von Niépce und stellte eigene Forschungen an. Niépce starb 1833 und hat damit nie den späteren Durchbruch von <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> miterlebt.&nbsp;</p>

<p>Der entwickelte nämlich ein Verfahren, dass er dann ganz bescheiden “Daguerreotypie” nannte, und mit dem es möglich wurde, in wenigen Minuten hochdetailauflösende Bilder auf Silberplatten zu belichten. 1839 veröffentlichte er dieses Verfahren und die Rechte wurden auf die Initiative eines Physikers von der französischen Regierung erworben. Sie zahlten ab dann eine lebenslange Rente an Daguerre und an den Sohn von Niépce. Allerdings war es natürlich so, dass mit dem Namen Daguerreotypie Daguerre derjenige war, der als Urvater der Fotografie in die Geschichte einging. Und die hob jetzt so richtig ab.</p>

<p>Das Verfahren war für damalige Verhältnisse absolut revolutionär. Die Menschen konnten nicht glauben, was sie auf diesen Plättchen sehen konnten. Es war auch für heutige Verhältnisse hochauflösend, was damals abgeliefert wurde. Ordentliche Linsen vorausgesetzt konnte man Bilder erzeugen in diesem Verfahren, die mehrere hundert Megapixel groß wären, würde man sie heute scannen.</p>

<p>Wenige Jahre später wurden jedes Jahr mehrere millionen Daguerreotypien angefertigt und unter das Volk gebracht. Es begann eine Zeit, in der ein moderner Haushalt ohne Daguerreotypien nicht denkbar war. Die gabs auch in 3D. Es gab Leute, die Daguerreotypien in entsprechend verschobenen Ansichten fotografieren, sodass man die mit einer entsprechenden Vorrichtung dreidimensional betrachten konnte, natürlich, wie sollte es anders sein, auch gerne mal für pornografische Darstellungen benutzt.</p>

<p>Auch das, eine Technologie, die jetzt mit VR Brillen wieder zurück zu uns findet, war halt eben doch alles schon mal irgendwie da.</p>

<p>Die Daguerreotypie wurde jedenfalls ein Massenverfahren, und jetzt, jetzt ist es wieder an der Zeit, dass wir wieder zu unserem Selfie zurückkommen, denn, was es natürlich damit auch gab, war Fotografen, die das Verfahren perfektionierten und berühmt damit wurden.</p>

<p>Und damit sind wir bei einem weiteren Pionier der frühen Fotografie. Robert Cornelius. Er war der Sohn niederländischer Immigranten in die USA. Geboren 1809 in Philadelphia und besuchte eine private Schule. Besonders interessierte ihn damals die Chemie. 1831 begann er dann, für seinen Vater zu arbeiten und beschäftigte sich mit Versilberungen und dem Polieren von Metall und das machte er so gut, dass er kurz darauf von einem anderen Fotografiepionier, Joseph Saxton, beauftragt wurde, eine silberne Platte herzustellen, für eine Daguerreotypie, die die damalige central high school in Philadelphia in Auftrag gegeben hatte.&nbsp;</p>

<p>Und Robert Cornelius war hooked. Die Daguerreotypie bediente alles, wofür er sich begeistern konnte. Metallurgie, Chemie, und so beschloss er, seine Talente dafür einzusetzen, die Daguerreotypie zu perfektionieren und er eröffnete zwei der ersten Fotostudios überhaupt, um damit dann auch Bilder anzufertigen. Und natürlich konnte man super Landschaften und Gebäude fotografieren, aber wie viel schöner wäre es denn, wenn man Menschen fotografieren könnte.</p>

<p>Und so begann er, damit zu experimentieren, die Entwicklungs- und Belichtungszeit zu drücken und Apparaturen zusammenzustellen, mit denen man reproduzierbar Menschen fotografieren konnte. Damals waren die verschiedenen Materialien noch nicht so lichtempfindlich wie heute, das heißt, man brauchte entsprechend viel Beleuchtung, Portraits wurden also auch gerne mal draußen gemacht. Und so war das auch mit dem Bild, das er dann 1839 fotografierte.&nbsp;</p>

<p>Wer schon mal mit einer Großformatkamera hantiert hat, hat vermutlich auch eine ganz gute Vorstellung davon, wie das wohl ausgesehen haben muss. Robert Cornelius hat zunächst&nbsp; in seinem Heimstudio die Silberplatte vorbereitet, in einer Dunkelkammer, die musste nämlich behandelt und lichtempfindlich gemacht werden und dann lichtdicht in einem Magazin verstaut werden. Dann trug er die Camera obscura ins Freie, positionierte einen Stuhl davor und ließ vermutlich jemanden darauf sitzen, um in aller Ruhe die Szene komponieren zu können, also, die Kamera richtig auszurichten. Nun wurde das Magazin, das er vorbereitet hatte, in die Kamera eingelegt, also eingeschoben, und ab jetzt war alles aufnahmebereit. Aufnahmedauer wahrscheinlich c.a. 5-8 Minuten, das heißt Robert Cornelius konnte ganz gemütlich von der Kamera vorne den Deckel abnehmen, zu dem Stuhl gehen, sich hinsetzen, und musste dann für mehrere Minuten bewegungslos ausharren, bevor er wieder aufstand, zurückging und den Deckel wieder vor die Öffnung der Camera obscura anbrachte.</p>

<p>Und da war es nun. Der welterste Selfie. Ein junger Mann mit zerzaustem Haar, der unsicher und vielleicht ein bisschen neugierig in die Kamera blickt. <a "/posts/pflaumen-kaese-papageienpopel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="57" title="Lächeln">Lächeln</a> hat man auf damaligen Bildern nach Möglichkeit vermieden, denn wer kann schon ein <a "/posts/pflaumen-kaese-papageienpopel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="57" title="Lächeln">Lächeln</a> mehrere Minuten lang halten, ohne dass es irgendwann wie eine Grimasse aussieht, und so lächelt auch Robert nicht in diesem Bild.</p>

<p>Ich finds ja grad schon so ein bisschen passend, dass das erste Selfie der Geschichte ausgerechnet von einem Amerikaner geschossen sein soll. Ab da gab es dann jedenfalls kein Halten mehr. Portraits waren natürlich eine der Hauptanwendungen der neu perfektionierten Technologie und Robert Cornelius betrieb mehrere Jahre lang mehrere Fotostudios, bevor er sich wieder dem Geschäft seiner Familie, dem Verkaufen und Entwickeln von Gas- und Beleuchtungsmitteln eben, zuwandte. Wahrscheinlich, weil man damit dann doch noch ein bisschen mehr Geld verdienen konnte.</p>

<p>Es gibt übrigens noch einen anderen Selfie-Kandidat, der kurz danach einen, nennens wir mal, “Protestselfie” erstellt hat. Es war nämlich jemand, der von sich auch behauptete, die Technologie perfektioniert zu haben, Daguerreotypien herzustellen, der Franzose Hippolyte Bayard. Der hatte dann seine Verfahren der französischen Akademie der Wissenschaften angeboten und war abgelehnt worden, was er als derart große Schmach ansah, dass er ein Protestselfie aufnahm, ein Selfie, auf dem er sich als Ertrunkenen darstellte, und dieses Selfie dann mit einem Protest-Text versah und einschickte.</p>

<p>Naja, ein bisschen melodramatisch, der Mann, damit schlägt sich auch der Bogen zu den modernen Selfies. Die gehen ja auch von völlig banal bis zu überdramatisiert. Von alltäglich zu künstlerisch. Die alltäglichen Selfies, die wir alle machen, vielleicht manchmal noch in Kombination mit den Selfies, die Celebrities machen, von denen mehrere absoluten Kult- und Berühmtheitsstatus erreicht haben. Kim Kardashian hat so viele Selfies von sich angefertigt, dass sie irgendwann sogar ein Buch anfertigte, statt einer Biografie nur mit ihren Selfies ausgekleidet, und damit die Bestsellerliste der New York Times eroberte.</p>

<p>Aber es gibt natürlich auch ernsthafte Selfie-Kandidaten. Andy Warhol hat eine ganze Menge Selfies gemacht. Der Künstler IYY hat Selfies von sich veröffentlicht. Und die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> Cindy Sherman erkundet mithilfe des Selfies nicht nur alternative Identitäten, sondern auch ihr persönlichstes Innerstes. Überhaupt gibt es Künstler, die behaupten, das Selfie wäre sozusagen die hohe Kunst der <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portraitfotografie</a>, denn anders als bei der herkömmlichen <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portraitfotografie</a> hat der Fotograf beim Selfie ja wirklich intimes Wissen, intimstes Wissen über das Model.</p>

<p>Und trotzdem sind Selfies nicht jedermanns Sache. Es gibt zwar eine riesige Zahl Menschen, die sich gerne selbst fotografieren, aber längst nicht jeder mag den Selfie-Trend. Und auch wenn es uns nicht so vorkommen mag, nicht jedes Bild da draußen ist ein Selfie. Insgesamt sind tatsächlich nur 4 % der auf Instagram veröffentlichten Bilder Selfies. Der Rest teilt sich dann auf Gebäude, Urlaubsszenen, irgendwelche Gruppenfotos, Essen und was sonst noch an sujet existiert auf, jedenfalls sind wir dann doch nicht so egozentrisch, wie man meinen möchte, wenn man Kim Kardashian und co. als Maßstab annimmt.</p>

<p>Und wenig überraschend ist es dann auch noch so, dass es Unterschiede zwischen den Generationen und den Kulturen gibt. Eine interessante Statistik, die ich gefunden habe, stammt von der Zeitschrift “Time”, die 2014 den Hashtag #Selfie auf Instagram analysierte, und eine Rangliste erarbeitete, in welchen Städten denn die meisten Selfies geschossen würden. Kenngröße war Selfies pro 100.000 Einwohner. Was ich ganz interessant fand war, dass Makati City und New York die zwei Städte mit den meisten Selfies waren, aber in den Top 100 keine einzige deutsche Stadt vorkam. Und schon die Italiener und Franzosen musste man in der Liste echt suchen.</p>

<p>Egal wie, wir stehen auf den Schultern von Giganten. Das nächste Mal, wenn wir unser Handy hochreißen, um ein Selfie von uns zu fotografieren, einfach kurz innehalten und daran denken, dass wir in einer Linie zu Albrecht Dürer stehen. Oder zu Kim Kardashian. Je nachdem, wie man die Sache nun auslegen möchte.</p>

<p style="font-size:10px">Bild: By Robert Cornelius &#8211; This image is available from the United States Library of Congress&#8217;s Prints and Photographs divisionunder the digital ID cph.3f04912.This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required. See Commons:Licensing for more information., Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6350177</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 16 Aug 2020 19:27:08 GMT</pubDate>
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